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2:0 gegen die Ukraine

Frankreich gewinnt den Kracher

Von Roland Zorn, Donezk
 - 20:58
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Donnerwetter! Dieses Spiel war ein Kracher. Schon atmosphärisch gesehen, da sich nach Tagen brütender Hitze am Freitagabend pünktlich zum Spielanfang ein kapitales Gewitter mit allen Zutaten über Donezk entlud.

Die Mannschaften der Ukraine und Frankreichs hatten sich bei diesem Europameisterschaftsspiel der Gruppe D noch nicht einmal warm gespielt, da schickte sie der holländische Schiedsrichter Kuipers nach 4:17 Minuten bei Starkregen und unter zuckenden Blitzen wieder in die Kabine.

Die Spieler durften erst nach 57 Minuten weitermachen, nachdem sich die Drainage der Donbass-Arena bewährt und fleißige Helfer mit Spitzhacken und einem Wasserabsaugfahrzeug die Pfützen auf dem Rasen des Fünfsternestadions beseitigt hatten.

Fußball als Naturereignis, so empfanden auch die 49.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena diese Begegnung, in der die frenetisch gefeierte Mannschaft in den gelben Trikots den leicht favorisierten Franzosen, die ganz in Blau antraten, lange heftig zugesetzt hatte.

Am Ende aber siegte das Team von Trainer Laurent Blanc verdientermaßen 2:0. Die Treffer von Menez (53. Minute) und Cabaye (56.) belohnte die abgeklärtere Mannschaft, in der der Münchner Ribéry und die beiden Torschützen die besten Spieler waren.

Frankreich kann am Dienstag (20.45 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) durch einen Erfolg über Schweden in Kiew als Gruppenerster ins Viertelfinale einziehen; der Ukraine, gegen Frankreich vor allem in der Defensive eine Spur zu naiv, bleibt noch eine Chance auf Rang zwei, wenn sie zur selben Zeit gegen England in Donezk gewinnt.

Noch nie hatten die Ukrainer in Donezk gewonnen

Siedend heiß war die Stimmung schon vor dem Gewitter, das für angenehme Abkühlung sorgte. Wie gefährlich die Donbass-Arena für die Ukrainer ist, dazu hätte es des Donnerwetters nicht bedurft. Bei fünf Versuchen hat die Nationalelf des EM-Mitausrichters noch nie ein Länderspiel in Donezk gewonnen. Das letzte ging an Ort und Stelle 1:4 verloren - gegen Frankreich vor einem Jahr.

Diesmal aber hoffte die ganze Ukraine, zwischen West und Ost einig wie noch nie, auf weitere Treffer ihres sportlichen Volkshelden Andrij Schewtschenko. Der blonde Held, einst ein Himmelsstürmer beim AC Mailand, hatte am Montag mit seinen beiden Kopfballtoren beim 2:1-Erfolg über Schweden ein frühes Freudenfest im ganzen Land ausgelöst.

Schnörkelloser, britisch anmutender Konterfußball

Dieser neue Patriotismus im Zeichen des Fußballs war auch am Freitagabend in Donezk lange unüberhörbar zu spüren. Immer wenn der 35 Jahre alte Stürmer von Dynamo Kiew am Ball war, noch mehr, wenn er seinem nächsten Treffer nahe kam, ging ein Aufschrei durchs Stadion.

Vor allem in der 34. Minute, als Torhüter Lloris einen kräftigen Schuss des auch am Freitag sehr agilen Angreifers mit Weltruf parierte. Die Ukrainer, allen voran ihr Star, erschreckten die Franzosen 45 Minuten lang mit ihrem schnörkellosen, britisch anmutenden Konterfußball immer wieder in diesem überaus intensiven Duell.

Torhüter Pjatow verhindert zweimal den Rückstand

Frankreichs Fußballgrößen, nun seit 23 Spielen unbesiegt, wirkten vor dem Wechsel immer noch ein wenig verkrampft. Schließlich warteten sie weiter auf ihren ersten Sieg bei einer Welt- oder Europameisterschaft seit dem 1:0-Erfolg über Portugal im WM-Halbfinale 2006. Das 1:1 gegen England zum EM-Auftakt verschuf den „Blauen“ da keine Erleichterung.

Die besten Gelegenheiten zu einem Treffer verhinderte zweimal Torhüter Pjatow vom ukrainischen Meister Schachtar Donezk, als er gegen Menez’ Schuss nach Vorlage des umtriebigen Ribéry (29.) ebenso zur Stelle war wie nach Mexes’ Kopfball nach Nasris Freistoß (39.).

Menez’ Tor war der Türöffner für die Franzosen

In der 53. Minute fiel der größte Ballast von einem der Außenseiter auf den Europameistertitel ab. Nachdem Menez in der 49. Minute wieder einmal am starken Torhüter Pjatow gescheitert war, vollendete der Spieler, der mehr als alle Kollegen den direkten Weg zum Tor suchte, die glänzende Vorarbeit von Ribéry und Benzema zum 1:0 für „Les Bleus“.

Es war der Türöffner zum ersten Sieg der Equipe Tricolore bei einem großen Turnier seit sechs Jahren. Drei Minuten nach dem Treffer des Parisers legte dessen Mittelfeldkollege Yohan Cabaye mit einem Schuss aus acht Metern zum 2:0 nach. Kurz vor seiner Auswechslung (68.) war der Profi von Newcastle United drauf und dran, sein zweites Tor zu erzielen, doch sein Dropkick (65.) landete am Pfosten.

Frankreich darf nun auf mehr bei der EM hoffen

Die Verhältnisse auf dem Platz aber waren schon vorher geklärt und bestätigten die Freunde der ukrainischen Nationalmannschaft in dem Vorurteil, dass über der Donbass-Arena ein Fluch liege. Frankreich dagegen geht frisch gestärkt in das letzte Gruppenspiel gegen Schweden am kommenden Dienstag in Kiew.

Als es darauf ankam, hatte sich Blancs Ensemble mit seiner balltechnischen Überlegenheit, seiner offensiven wie defensiven Qualität von allen Beklemmungen befreit. Sie hatten keine Angst vor dem Gewitter und keinen Bammel vor den bis zum Schluss lautstark angefeuerten Ukrainern: Mutig entfesselte die Grande Nation nach der Pause ihre Fußballkunst und darf nun bei diesem Turnier auf mehr hoffen.

Ukraine - Frankreich 0:2 (0:0)

Ukraine: Pjatow - Gussew, Michalik, Chatscheridi, Selin - Jarmolenko (68. Alijew), Timoschtschuk, Konopljanka - Nasarenko (60. Milewski) - Woronin (46. Devic), Schewtschenko
Frankreich: Lloris - Debuchy, Rami, Mexès, Clichy - Cabaye (68. M’Vila), Diarra - Menez (73. Martin), Nasri, Ribéry, Benzema (76. Giroud)
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)
Zuschauer: 48.000
Tore: 0:1 Menez (53.), 0:2 Cabaye (56.)
Besonderes Vorkommnis: Spielunterbrechung (ca. 1. Std.) ab der 5. Minute wegen Regens und Unwetter
Gelbe Karten: Selin, Timoschtschuk / Debuchy, Menez, Mexès

Quelle: F.A.Z.
Roland Zorn
Sportredakteur.
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