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Boateng und Bayern München

Kaputte Fernbeziehung

Von Michael Horeni, Watutinki
 - 16:10

Die Beziehung Jérôme Boatengs zum FC Bayern München, so viel lässt sich aus der Distanz der Nationalmannschaft sagen, ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Und auch nicht so, wie sie sein sollte. Um genau zu sein: Die Beziehung des wegen seiner enormen physischen Präsenz unter dem Spitznamen „Boss Boateng“ in der Boulevardpresse firmierenden Innenverteidigers zum Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge erscheint ziemlich ramponiert, vermutlich irreparabel.

Zur allgemeinen Überraschung und zu Jérôme Boatengs persönlicher Irritation hatte Rummenigge zu Wochenbeginn verkündet, dass der 29 Jahre alte Nationalspieler den Klub verlassen könne, wenn ein Verein anklopfe, der die nötige Ablöse mitbringe. Mit anderen Worten: Bye-bye Boateng, wenn das Geld stimmt. Das war Rummenigges kühle Reaktion auf den Wechselwunsch, den der frühere Profi von Manchester City zu Saisonschluss hatte verlauten lassen, nicht zum ersten Mal. Er könne sich, so hatte Boateng gesagt, nun einen abermaligen Schritt zu einem Topverein ins Ausland gut vorstellen.

Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

Dass Rummenigges Replik ausgerechnet zwei Tage vor WM-Beginn über die Medien öffentlich wurde, hat Boateng offensichtlich geärgert. „Ich weiß auch nicht, wozu diese Aussagen getätigt wurden“, sagte Boateng auf der Pressekonferenz der Nationalmannschaft drei Tage vor dem WM-Auftakt gegen Mexiko in Moskau am Sonntag (17.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei Sky). „Wir sind hier bei der Nationalmannschaft. Es steht eine WM an. Das ist das Thema für mich, das andere überhaupt nicht.“

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Boateng über die WM„Alles andere ist kein Thema“

Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass in diesem Moment Toni Kroos neben dem Bayern-Profi auf dem Podest der Nationalmannschaft saß. Der erfolgreichste Mittelfeldspieler, den der deutsche Fußball mit vier Triumphen in der Champions League hervorgebracht hat, war nach dem WM-Titelgewinn aus München nach Madrid gewechselt, weil er bei den Bayern nicht die Anerkennung in Wort und Vertrag erhalten sollte, die er erwartete. Auf die Frage, ob die Weltmeisterschaft für ihn nun von zusätzlicher Bedeutung wäre, weil er im Schaufenster für Topklubs stehe, sagte Boateng, dass dies für ihn überhaupt keinen Unterschied mache. Aber die Hoffnung, dass der Weltmeister nach der WM den Bayern und der Bundesliga erhalten bleiben könnte, sind ziemlich gering. Boateng wird nun wieder mit Manchester City in Verbindung gebracht, aber vor allem mit den spanischen Topklubs FC Barcelona und Real Madrid.

Dass bei der DFB-Pressekonferenz in Russland Boateng und Kroos die ersten Spieler waren, die für den Weltmeister sprachen, spiegelt die hohe und noch mal gestiegene Bedeutung, die sie für den Bundestrainer und das Team besitzen. „Grundsätzlich schon gut“, sagte Toni Kroos zum allgemeinen Befinden des Teams, obwohl es zuletzt sportlich gehapert hatte und es atmosphärisch wegen der Özil-Gündogan-Erdogan-Geschichte noch immer im deutschen Fußball knirscht. „Wir sind uns schon bewusst, dass wir nach den letzten Spielen noch eine Schippe drauflegen müssen. Aber bei uns herrscht große Vorfreude. Und wir haben oft genug bewiesen, dass wir da sind, wenn es wichtig wird “, sagte der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler. Es komme nun vor allem darauf an, vollkommen überzeugt von sich und dem Team zu sein. „Für so ein Turnier ist A der absolute Wille entscheidend, in jedem Spiel über sich hinauszuwachsen. Und B: Dass man sich mit gelungenen Aktionen das Selbstvertrauen holt. Das muss sich entwickeln und das muss sich auch jeder Einzelne selbst holen.“

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Um das Thema Özil/Gündogan kamen auch Kroos und Boateng wenige Stunden vor dem WM-Auftakt des russischen Gastgebers nicht herum. „Was in Talkshows geredet wird, das kann und darf uns hier nicht interessieren“, sagte Kroos. „Unser Hauptaugenmerk liegt natürlich eher auf dem Sportlichen, was wir da gegenüber den letzten Testspielen verbessern können. Aber natürlich wird das Thema die zwei beschäftigt haben. Ich habe aber eigentlich von beiden wirklich einen guten Eindruck – und das Gefühl, dass das in der Mannschaft kein Thema mehr ist.“ Allerdings, so fuhr Kroos fort, brauchten beide Spieler bei der WM auch die Unterstützung der Fans. Und die Mannschaft wiederum brauche beide Spieler, um ihre Ziele zu erreichen. Und Kroos kam noch auf ein anderes Dilemma zu sprechen: Die Kritik mancher Fans an Özil und Gündogan – und ihr gleichzeitiger Wunsch, dass sie Deutschland zum Titel schießen. „Das ist ein Konflikt“, sagt Kroos. „Aber wir müssen schauen, dass wir beide Spieler, dass wir alle Spieler so hinkriegen, dass sie Leistung bringen.“

Quelle: F.A.Z.
Michael Horeni
Korrespondent für Sport in Berlin.
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