Kroatische Einzelkritik

Modric schleppt sich ins Ziel – Perisic als Ballermann

Von Tobias Rabe
 - 23:05

Nach einem Rückstand dreht Kroatien das Halbfinale gegen England noch und steht erstmals im Endspiel einer Fußball-WM! Mario Mandzukic trifft in der Verlängerung. Nun treffen die Kroaten am Sonntag in Moskau im Kampf um den Titel auf Frankreich. Die Einzelkritik:

Fussball-WM 2018

Daniel Subasic: Der Einsatz des Torwarts von AS Monaco war unsicher aufgrund der Verletzung aus dem Viertelfinale gegen Russland. Doch Subasic konnte spielen und wurde früh beim Gegentor durch einen Freistoß von Trippier bezwungen. Dabei merkte er schon im Flug, dass er machtlos war. Danach mit wenigen Chancen, sich auszuzeichnen. Hatte Glück, als ein Querschläger nicht zum Gegentor führte.

Sime Vrsaljko: Der Rechtsverteidiger in der Viererkette wurde einige Male überspielt, als er seine Position verließ. Schon kurz vor der Halbzeit versuchte es der Spieler von Atlético Madrid mit einem Verzweiflungsschuss aus der Distanz, der Richtung Oberrang des Stadions in Moskau flog. Erst kamen auch seine Flanken nicht an, dann aber fand seine präzise Hereingabe vor dem 1:1 Perisic. Stand goldrichtig in der Verlängerung, als er einen Kopfball von Stones auf der Torlinie klärte.

Dejan Lovren: Der Innenverteidiger von Jürgen Klopps FC Liverpool hielt körperlich dagegen und ging dabei auch über das Maß des Erlaubten hinaus. Hatte einige Probleme mit dem kleinen, schnellen Sterling. Später mit stärker werdenden Kroaten auch souveräner in der Abwehrarbeit und am Ende ein Garant für den Erfolg.

Domagoj Vida: Wenn der Abwehrmann von Besiktas Istanbul am Ball war, wurde es laut in Moskau. Nachdem er den Viertelfinalsieg gegen die „Sbornaja“ der Ukraine widmete, zog er den Ärger der heimischen Zuschauer auf sich. Stand in der Defensive nicht immer sicher, weil es an der Abstimmung mit seinen Nebenleuten haperte. Steigerte sich wie Nebenmann Lovren später entscheidend.

Ivan Strinic: Der Linksverteidiger vom AC Mailand stand in der Defensive durchaus gut. Nach vorne aber gingen von ihm kaum Impulse aus, zumal es mit Vordermann Perisic einige Probleme im Verständnis gab. Unsicher auch nach einem Querschläger von Torwart Subasic, der Kane eine Chance eröffnete. Musste in der Verlängerung angeschlagen vom Platz.

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Die Highlights im ZDF-VideoMandzukics goldenes Tor im WM-Halbfinale

Ivan Rakitic: Der Mittelfeldmann vom FC Barcelona konnte sich nicht wie gewünscht in Szene setzen. Hatte weniger Ballkontakte und auffällige Szenen als sonst, weil der Gegner ihm wenig Raum gab. Kurz vor der Pause zögerte er nach einer englischen Einladung zu lange; so verpuffte die Chance. Kämpfte sich durch die Verlängerung.

Marcelo Brozovic: Der unauffällige Arbeiter im Mittelfeld von Inter Mailand war noch unauffälliger als sonst. Hatte zwar einige gescheite Pässe im Repertoire, konnte aber gerade nach vorne kaum für Impulse sorgen. Setzte einen Schuss in der regulären Spielzeit über das englische Tor, verzog in der Verlängerung nach einer Ecke knapp.

Ante Rebic: Der Kämpfer der „Feurigen“ war on fire. Man merkte dem DFB-Pokalsieger aus Frankfurt an, dass er unbedingt wollte. Doch der schnelle Offensivspieler fand in den nicht minder robusten Engländern seinen Meister. Sein Schuss mit dem schwächeren linken Fuß nach einer halben Stunde war zu mittig. Versuchte viel, war aber ohne Glück. Ließ sich schon vor der Pause zu einem Frustfoul hinreißen, das überraschend keine Gelbe Karte nach sich zog, genau wie der Schlag gegen den Kopf von Trippier später. Erst in der Verlängerung wurde er nach einem taktischen Foul verwarnt. Ging wenig später ausgepumpt vom Platz.

Luka Modric: Der Dirigent von Real Madrid wirkte nach den anstrengenden Spielen zuletzt müde. Gab dem kroatischen Spiel nicht die Struktur, die es gebraucht hätte. Der Kapitän beging das Foul vor dem Freistoß, der früh zum 0:1 führte, als er Dele Alli plump zu Fall brachte vor dem Strafraum. Schleppte sich in der Verlängerung über den Platz und konnte kaum noch laufen. Mit der späten Auswechslung wurde er völlig entkräftet erlöst.

Ivan Perisic: Die Ballermann von Inter Mailand war der beste Kroate und feuerte mehr Torschüsse ab als alle anderen zusammen. Der ehemalige Wolfsburger und Dortmunder gab nach zwanzig Minuten den ersten guten Torschuss ab, der knapp vorbeistrich. Auch danach mit Versuchen. Nach gut einer Stunde stand Walker im Weg bei einem strammen Schuss von der Strafraumkante. In der 68. Minute wurde er belohnt. Segelte mit dem Fuß in eine Flanke, die Walker mit dem Kopf klären wollte und traf zum überraschenden 1:1. Vergab wenig später, als er Pech bei einem Pfostenschuss hatte. Verfehlte zudem das leere Tor nach einem Fehler des Torwarts. Leitete das Siegtor mit einem gewonnenen Kopfballduell ein.

Mario Mandzukic: Der frühere Wolfsburger und Münchner, der bald mit Cristiano Ronaldo bei Juventus Turin spielt, war zunächst der ärmste Spieler der Kroaten. Rieb sich als einzige Spitze gegen die englischen Abwehrspieler auf. Sah kurz nach der Pause die Gelbe Karte, weil er vor lauter Frust den Ball wegschlug. Nach 83 Minuten doch noch mit einem Torschuss, den Pickford hielt. Vergab in der Verlängerung die große Chance, als der englische Torwart stark mit dem Bein parierte. Ließ sich davon nicht entmutigen, schlich sich in den Rücken der Abwehr und traf letztlich mit einem Drehschuss zum Sieg.

Josip Pivaric: Kam in der Verlängerung für Strinic und nahm dessen Position hinten links ein. Stand hinten sicher gegen nun harmlose Engländer.

Andrej Kramaric: Der Hoffenheimer ersetzte den platten Rebic nach 100 Minuten. Übersah den freien Perisic bei einer Zwei-gegen-einen-Situation kurz vor Ende. Sein Eigensinn war letztlich egal.

Vedran Corluka: Kam für Siegtorschütze Mandzukic in der Verlängerung ins Spiel und half, den Vorsprung über die Zeit zu retten.

Milan Badelj: Kam noch später für den entkräfteten Modric.

Quelle: FAZ.NET
Tobias Rabe
Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.
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