FAZ plus ArtikelFußball-WM in Russland

„Wenn du kein trainierter Kämpfer bist, wirst du einfach plattgemacht“

Von Friedrich Schmidt, Moskau
 - 07:20

Eine Sorge vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ist die Gewalt russischer Hooligans. Deshalb ist Alexander Schprygin, der Vorsitzende der Allrussischen Fanvereinigung, derzeit gefragt. Auch, weil er einer der wenigen aus der erweiterten Fan-Szene ist, der mit ausländischen Journalisten redet. Schprygin, 40 Jahre alt und kräftig bis füllig, gibt also viele Interviews. Dieses in einem Lokal in der Nähe des Moskauer Luschniki-Stadions, der wichtigsten Spielstätte der Weltmeisterschaft. Das Stadion werde gesichert „wie ein militärisches Objekt“, sagt Schprygin. Er hält größere Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen für „praktisch ausgeschlossen“ und sagt: „Wen soll man schlagen? Wo? Hier sind doch überall Kameras! Hier herrscht totale Kontrolle.“ Die Polizei verhindere in Russland schon, dass sich Gruppen bilden. „In Marseille standen tausend Engländer drei Tage trinkend beisammen.“

Marseille: Die Auseinandersetzungen in der südfranzösischen Stadt im Juni 2016 während der Fußball-Europameisterschaft waren ein Schlüsselereignis, das bis in die diesjährige WM trägt. Die französischen Behörden beurteilten die russischen Hooligans, die eine Überzahl von Engländern verprügelten, als „hervorragend ausgebildet“, „bereit für superschnelle, superbrutale Aktionen“ und „paramilitärisch organisiert“. 35 Personen wurden verletzt, in der Mehrzahl Engländer, zwei von ihnen schwer. Frankreich wies Dutzende Russen aus – unter ihnen Alexander Schprygin, und zwar zweimal –, verurteilte drei Russen zu Haftstrafen von ein bis zwei Jahren. Ein weiterer Russe wurde nach britisch-französischen Ermittlungen vor kurzem am Münchner Flughafen festgenommen. In Frankreich soll er wegen versuchten Mordes vor Gericht kommen, weil er verdächtigt wird, einen Engländer mit einer Eisenstange so brutal geschlagen zu haben, dass dieser Hirnschäden und Knochenbrüche davontrug.

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Quelle: F.A.Z.
Friedrich Schmidt
Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.
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