Fazit der Fifa

Mehr Sexismus als Rassismus bei der WM

 - 16:53

Die Fifa hat die unterschiedlichen Höhen der Disziplinarstrafen für Vergehen bei der Fußball-WM in Russland gerechtfertigt. „Jeder Fall wird als Einzelfall entschieden“, sagte Federico Addiechi, Chef der Fifa-Abteilung für Nachhaltigkeit und Vielfalt, am Mittwoch in Moskau. Es gebe verschiedene Elemente, die in das Strafmaß einbezogen werden müssten. „Beispielsweise die Geschichte eines Falls oder wie sehr der Verband dazu beigetragen hat, dass der Fall gelöst wird.“

Die Diskrepanz von Strafen hatte beim Turnier für Unverständnis gesorgt. So waren beispielsweise ein russisches Plakat mit einem Code, der für „Heil Hitler“ steht oder homophobe Rufe mexikanischer Fans mit jeweils 10.000 Schweizer Franken Geldstrafe belegt worden. Falsche Getränke auf dem Spielfeld, die nicht von einem offiziellen Fifa-Sponsor stammen, kosteten Kroatien hingegen 70.000 Franken.

Die Gesamthöhe der Disziplinarstrafen betrugen nach Berechnungen der Deutschen Presse-Agentur 687.000 Franken. Die Fifa veröffentlicht nur einzelne Fälle, aber keine Gesamtübersicht. Georg Behlau, Büroleiter des Deutschen Fußball-Bundes, und Ulrich Voigt aus der DFB-Medienabteilung mussten wegen „unsportlichen Verhaltens“ jeweils 5000 Franken zahlen.

Keine rassistischen Zwischenfälle

Die befürchteten rassistischen Übergriffe sind derweil ausgeblieben, stattdessen war Sexismus aus Sicht von Experten ein größeres Problem. Es habe mehr als 30 Vorfälle außerhalb der Stadien gegeben, in denen vor allem russische Frauen, aber auch Reporterinnen von Fans sexistisch belästigt worden seien, berichtete Piara Powar, Geschäftsführer des Fare Netzwerks am Mittwoch in Moskau. „Dies ist eine relativ geringe Zahl, wahrscheinlich ist die Dunkelziffer aber zehnmal so hoch. Vieles ist nicht berichtet worden.“

Insgesamt zog die Dachorganisation für den Kampf gegen Diskriminierung im Fußball ein weitgehend erfreuliches Fazit der WM. „Unsere Erfahrungen sind zum Teil sehr positiv gewesen“, sagte Powar. Es habe beispielsweise keine Berichte über rassistische Vorfälle gegeben. „Wir wissen, was im russischen Fußball schon passiert ist. Die Sorge war, dass es überschwappen könnte auf die Weltmeisterschaft“, erklärte er.

Powar lobte dabei vor allem die Menschen im Gastgeberland. „Sie waren sehr gastfreundlich und warmherzig, sie haben eine großartige Rolle gespielt.“ Er betonte in Richtung Fifa, dass Homophobie zukünftig genauso hart gesühnt werden sollte wie Rassismus und dort noch Handlungsbedarf bestehe.

Quelle: dpa
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenFIFAMoskau