FAZ plus ArtikelFußball-WM in Russland

Die Schlachtfelder des Wladimir Putin

Von Reinhard Veser
 - 12:26

An jenem Abend im Dezember 2010, an dem Russland den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 bekam, hat Wladimir Putin beim Welt-Fußballverband (Fifa) in Zürich einen triumphalen Auftritt erlebt. Dabei wurde ihm eine Frage gestellt, auf die er erkennbar gerne antwortete: „Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?“ Unter den Gründen für die Entscheidung der Fifa zugunsten Russlands nannte er einen, den sich Kritiker des russischen Präsidenten wie der Fifa auf der Zunge zergehen lassen können: „Wenn sie eine solche Entscheidung fällen, denken die Mitglieder der Fifa daran, in welchem politischen Zustand sich ein Land befindet.“

Der politische Zustand Russlands wenige Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft sieht so aus: Es gibt keine Wahlen, die als frei und fair bezeichnet werden können, elementare Menschenrechte werden willkürlich mal gewährt, mal verwehrt, prominente Gegner der Regierung sind in Haft, in den staatlichen Medien wird gegen Kritiker in einer geradezu gewaltsamen Sprache gehetzt. Korruption durchzieht das politische System auf allen Ebenen – sie ist zugleich sein Antriebsmittel und sein Kitt. So ähnlich war das auch 2010 schon. Aber das hat damals weder die Fifa davon abgehalten, die WM nach Russland zu vergeben, noch hinderte es Putin daran, von selbst auf die Verbindung zwischen Sport und Politik zu sprechen zu kommen – während heute Fußballfunktionäre und russische Offizielle bei jeder Gelegenheit gebetsmühlenartig wiederholen, Sport und Politik sollten doch voneinander getrennt werden.

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DFB-Präsident Grindel: Kein Deutschland-Besuch bei Putin

Präsident Reinhard Grindel vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat ein Treffen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin während der WM ausgeschlossen. „Es ist nicht absehbar, dass unsere Mannschaft Herrn Putin trifft“, sagte Grindel bei NDR Info. Zuletzt hatte ein Treffen der Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil mit dem umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für heftige Diskussionen gesorgt.

Auf die fremde Kultur und die besondere politische Situation sieht Grindel die Mannschaft gut eingestellt. „Wir haben unsere Spieler durch ein intensives Gespräch mit der Bundeskanzlerin auf die Lage in Russland vorbereitet, auch wie sie die politische Situation einschätzt. Ich glaube, dass man viel mehr nicht machen kann in der Vorbereitung. Man wird auch sagen dürfen: es geht hier um Fußball“, sagte der 56-Jährige. Bundeskanzlerin Merkel hatte das deutsche Team im Trainingslager in Eppan/Südtirol besucht.

Von der WM selbst verspricht sich Grindel einen positiven Einfluss auf die russische Gesellschaft. Vom Austausch zwischen Einheimischen und Besuchern könne Russland enorm profitieren. „Die russischen Medien zeichnen ein Zerrbild des Westens, es wird so getan, als ob der ganze Westen Russland etwas Böses wolle. Nun werden die Menschen erleben, dass das eben nicht stimmt, sondern dass die Fans offen sind, freundlich sind, dass sie Russland Gutes wollen, neugierig sind“, sagte Grindel. (sid)

Quelle: F.A.S.
Reinhard Veser
Redakteur in der Politik.
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