Fußball
Bundesliga

Dieser Abstiegskampf ist erstklassig

Von Peter Penders
© dpa, F.A.Z.

Vermutlich wird die Deutsche Fußball-Liga noch auf allerlei Ideen kommen, um die Bundesliga „attraktiver“ zu machen, was gleichbedeutend ist mit dem Versuch, noch mehr Geld in das System zu pumpen. Also werden die Spieltage sicher irgendwann noch weiter aufgesplittet, weil das eben noch besser zu vermarkten ist. Die Möglichkeiten sind noch längst nicht ausgeschöpft, warum also nicht mal in China spielen, man bedenke den Markt!

Und manchmal geben auch die Trainer brauchbare Vorlagen, wenn sie sich, wie in anderen Sportarten längst üblich, die Möglichkeit einer Auszeit wünschen. Im Sinn hat ein Coach da die Hoffnung, mit taktischen Anweisungen direkten Einfluss auf das Spiel zu nehmen, aber man denke mal darüber nach, wie viel die Werbespots einbringen würden, die das Fernsehen stattdessen senden könnte – wenn es der Versuchung widerstände, mit Kameradrohnen und Lippenlesern hautnah dabei sein zu wollen, was man aber in Zeiten der zunehmenden Sensationslust und Boulevardisierung lieber nicht vorhersagen möchte.

Es gibt noch so einiges, was sich kreative Köpfe ausdenken können, wenn sie sich von anderen Sportarten inspirieren lassen: Die Abschaffung des Unentschiedens und stattdessen ein – nein, kein Elfmeterschießen – Shoot-out, also ein Penaltyschießen; die Veränderung der Spielzeit in vier Viertel statt zwei Halbzeiten, was zu drei Werbepausen statt einer führen würde, die Einführung einer Play-off-Runde, um die Frage nach dem Meister möglichst lange offenzuhalten. Aber, liebe Optimierungs-Fachleute, von einer Sache lasst bitte die Finger: Macht die Bundesliga niemals zu einer geschlossenen Gesellschaft, in der es keine Absteiger mehr geben und nur noch die Finanzkraft darüber entscheidet, wer überhaupt mitspielen darf!

Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

Mehr erfahren

Dieser Abstiegskampf, so psychisch belastend er für alle Beteiligten, die Fans eingeschlossen, auch sein kann, lässt so manche langweilige Periode einer zähen Saison vergessen, wenn es so auf die Spitze getrieben wird wie an diesem Spieltag. Selbst das Spitzenspiel, das mehr bot als all diese vermeintlichen Duelle in den vergangenen Jahren und nebenbei viel davon offenbarte, was in den kommenden Jahren möglich sein könnte, rückte zwischendurch etwas in den Hintergrund. Dort in Leipzig wurde quasi außer Konkurrenz gespielt, weil keine Entscheidung mehr fallen konnte – all die Dramen, die doch alle an diesem Spiel auch faszinieren, spielten sich ganz woanders ab und standen im Mittelpunkt.

Emotionaler als in Gelsenkirchen, Mainz, Augsburg, Freiburg und Wolfsburg geht es kaum, wo wechselweise Mannschaften aus allen Träumen geholt wurden oder sich unverhofft eine letzte Chance bewahrten. Deshalb seien zwei Männer gelobt, die kühlen Kopf bewahrten. Wenn der Eckball in Gelsenkirchen im Aus war, bevor ihn Kolasinac in der Nachspielzeit ins HSV-Tor köpfte, muss der Linienrichter das anzeigen – egal an welchem Spieltag und in welcher Minute. Und dass Schiedsrichter Dingert die Partie wegen eines aufkommenden Gewitters in Wolfsburg unterbrach, spricht für großes Verantwortungsbewusstsein. Die Kritik seines ehemaligen Kollegen Bernd Heynemann, „ein bisschen Wasser können die Spieler vertragen“, ist peinlich und sollte an Dingert abperlen.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite

Themen zu diesem Beitrag:
Abstiegskampf