3:1 in Leverkusen

Bayern München marschiert einfach weiter

Von Christian Kamp, Leverkusen
 - 22:39
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Spannung, nur für einen Tag – so viel Hoffnung durfte man ja haben. Die Konstellation in diesem Auftaktspiel der Bundesliga-Rückrunde hatte in dieser Hinsicht schließlich einiges verheißen. Am Ende dann war es doch wieder wie allzu oft in dieser Saison: Auch dieser Freitag war ein Feiertag für die Bayern, die einen weiteren Sieg bejubeln durften, den bereits vierzehnten. Und wenn man dann auf die Tabelle schaute und zumindest für diesen Abend ebenso viele Punkte Vorsprung der Münchner auf den Zweiten, Schalke, erblickte, dann blieb nicht viel mehr als Achselzucken.

Bundesliga

Wobei es aber längst auch nicht so war, dass die Mannschaft von Jupp Heynckes leichtes Spiel gehabt hätte in Leverkusen. Bayer war ein mutiger Gegner, der es allerdings lange Zeit nicht schaffte, aus viel Aufwand und auch Herzblut einen Druck zu entwickeln, der die Münchner in Atemnot hätte bringen können. Nach den Treffern von Javi Martínez (32. Minute) und Franck Ribéry (58.) deutete alles auf einen sicheren Münchner Sieg hin. Doch Kevin Vollands Anschlusstreffer (71.) machte aus einem unterhaltsamen, aber nicht überwältigenden Fußballspiel noch eines mit offenem Ausgang. Die eine große Chance zum Ausgleich bot sich der Mannschaft von Heiko Herrlich auch noch. Doch Volland wurde im letzten Augenblick von Boateng gestört. Und als die vierminütige Nachspielzeit angebrochen war, machte James mit einem wunderbaren Freistoß aus gut 16 Metern in den Winkel alles klar – 3:1, es war ein verdienter Sieg der Bayern zum Jahresauftakt.

„Wir haben überwiegend souverän gespielt. Mit dem 2:0 haben wir aber ein bisschen die Konzentration vermissen lassen“, bilanzierte Heynckes. Auch Torschütze Ribery war glücklich und zufrieden. „Wir haben heute ein gutes Spiel gemacht – und ein Tor ist immer schön“, sagte der Franzose und machte seinem Verein fast schon eine Liebeserklärung: „Ich will so lange wie möglich bei den Bayern bleiben.“ Bayer-Coach Heiko Herrlich fand trotz der Niederlage lobende Worte: „Für diesen Auftritt brauchen wir uns nicht zu schämen. Wir haben über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht. Bayern war einfach abgeklärter in den entscheidenden Situationen.“

Spielplangestaltung ist ja wie das Spiel selbst eine Angelegenheit mit vielen Variablen. Bayern gegen Bayer aber, das schien in diesem Jahr gleich ein doppelter Volltreffer zu sein. Zum einen hatten die Leverkusener zu Saisonbeginn in München eine höchst sehenswerte, wenngleich letztlich nicht belohnte Kostprobe ihres Könnens abgeliefert. Zum anderen waren sie vor dem Jahreswechsel in zwölf Bundesliga- plus zwei Pokalspielen am Stück ungeschlagen geblieben. Eine solche Konstanz hätten wohl nicht viele den in der Vergangenheit oft so wankelmütigen Bayer-Profis und ihrem neuen Trainer Herrlich zugetraut.

Natürlich sind die Leverkusener aber längst nicht nur Niederlagenverhinderer, sondern treten mittlerweile mit einer Mentalität auf, die man früher ein wenig vermissen durfte. Dass Lust und Hunger auch gegen die Bayern Trumpf sein sollten, dokumentierte Herrlich mit seiner Aufstellung, in der sich mit Bellarabi, Havertz, Bailey, Brandt und Volland gleich fünf Offensivkräfte fanden. Zur Absicherung setzte er auf eine Dreierkette, die aus dem Mittelfeld von Bellarabi und Bailey erweitert wurde – ebenfalls nicht die vorsichtigste Variante. Der forsche Ansatz machte sich in der Praxis bemerkbar. Die Leverkusener wirkten angriffslustig und agil – Attacke war angesagt in der BayArena.

Allerdings zunächst nicht mit allzu großem Effekt. Zum einen sind die Bayern keine Naturen, die sich ohne weiteres aus der Ruhe bringen lassen. Zum anderen mangelte es Bayer bei eigenem Ballbesitz an Struktur und Spielfluss. Herausgespielte Chancen produzierte das nicht, wenn man vom allererstem Konter nach knapp fünf Minuten absah, bei dem Bailey in aussichtsreicher Position Körper und Ball nicht in Koordination brachte. Die beste Möglichkeit besaß Kohr, der nach einem Eckball knapp daneben köpfte. Allerdings gab es auch eine unerwünschte Nebenwirkung der zupackenden Leverkusener Gangart: Volland und Bellarabi handelten sich ebenso frühe wie unnötige Gelbe Karten ein.

Bei den Bayern mochte es ein wenig gemächlich wirken, wie sie die Partie angegangen waren. Doch im Lauf der ersten Halbzeit zeigte sich bald, dass sie über das wirkungsvollere Rezept verfügten. Was vor allem daran lag, dass ihr Pass- und Kombinationsspiel ausgereifter wirkte als das der etwas grün wirkenden Bayer-Elf. Das sah dann zwar noch lange nicht nach europäischem Spitzenniveau aus, für die Bundesliga reichte die Überzeugungs- und Wirkungskraft aber allemal. Heynckes hatte mit seiner Startelf einerseits überrascht, andererseits aber auch eine gewisse Konsequenz bewiesen: Sandro Wagner, der einzige Winterzugang – Heynckes hatte ihn nicht gerade gefordert – saß zunächst nur auf der Bank. Der angeschlagene Robert Lewandowski hatte die Reise nach Leverkusen gar nicht erst angetreten (ebenso wie Mats Hummels), in dessen Abwesenheit sollte sich nun ein anderer in vorderster Linie bewähren: Thomas Müller.

Dessen Spiel war zwar nicht im Ansatz von Lewandowskis Durchschlagskraft geprägt, aber wenn er sich in das Kombinationsspiel mit Ribéry, Robben und James einbrachte, kam manches in Bewegung bei den Bayern. Und letztlich resultierte aus diesem Muster und dank Müller Beitrag auch die Münchner Führung. Der Kapitän hatte im Strafraum eine Ecke herausgeholt, die mit Verzögerung Wirkung entfaltete: Vidals Kopfball wurde noch von Sven Bender geblockt, das jedoch so unglücklich, dass der Ball vor den Füßen von Martínez landete, der keine Mühe hatte, aus kurzer Distanz zu vollenden. Es war ein Treffer, von dem Bayer sich bis zur Pause nicht mehr erholte.

Danach sah es wieder nach mehr Abwechslung aus – und beinahe wäre Bayer der Ausgleich geglückt. Bailey lud Süle zum Tanz, sein Schuss von der Strafraumkante senkte sich auf die Latte des Münchner Tores (55.). Als dann ein paar Minuten später Ribéry zum 2:0 für die Bayern traf, mit einem Schuss ins Torwarteck, schien der Sieg besiegelt. Doch nach dem etwas überraschenden Anschlusstreffer durch Vollands abgefälschten Schuss machte Herrlichs Team noch einmal richtig Dampf. Ein beherzter Boateng-Block gegen Volland im letzten Moment rettete den Münchnern die Führung – Boateng ballte die Faust, Bayer hatte danach nichts mehr zuzusetzen.

Quelle: FAZ.NET
Christian Kamp
Sportredakteur.
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