Bundesliga-Kommentar

Der Videobeweis ist richtig

Von Peter Penders
 - 10:11

Die Bundesliga lernt dazu – und das ist in der allgemeinen Hysterie, in der sich jeder dauernd ungerecht behandelt fühlt, ja schon einmal ein ungeheurer Fortschritt. Man mag sich kaum vorstellen, was in der Branche los gewesen wäre, hätten wir dieses Szenario schon am ersten Spieltag gehabt: Videobeweis in Berlin in der 18. Minute (Elfmeter zurückgenommen), Videobeweis in Frankfurt (64. Minute), Elfmeter zurückgenommen; Videobeweis in Augsburg (79.), Elfmeter für Dortmund mit langer Verzögerung (allerdings verschossen) – und, um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: Video-Entscheidung in Wolfsburg, Elfmeter zurückgenommen in der 88. Minute beim Stand von 1:1; Videobeweis in Mönchengladbach, Elfmeter in der Nachspielzeit bestätigt, 2:1-Siegtreffer für die Borussia. Das Gezeter wäre groß gewesen, darüber kann kein Zweifel bestehen.

Diesmal hielt sich die Aufregung in Grenzen, und das hängt vor allem mit dem besonnenen Verhalten der unmittelbar Beteiligten zusammen – in Berlin war die Geschichte sogar undurchsichtig. In Frankfurt akzeptierten alle Stuttgarter, dass das Foul des dafür mit der Roten Karte bestraften Eintracht-Abwehrspielers Falette unmittelbar vor der Strafraumgrenze begangen worden war und deshalb Freistoß die richtige Entscheidung war. Das wiederholte sich in Wolfsburg, wo VfL-Verteidiger Ntep den Mainzer Onisiwo von den Beinen geholt und Robert Hartmann auf den Elfmeterpunkt gezeigt hatte. Auch hier bewahrten die Videobilder den Schiedsrichter vor einer Fehlentscheidung – wieder war das Foul knapp außerhalb des Strafraums begangen worden.

Die Szenen zeigten, wie wichtig der Videobeweis sein kann. Sowohl für den Frankfurter Trainer Niko Kovac – der Ausgleich zum 1:1 war gerade erst gefallen – als auch für den Wolfsburger Trainer Martin Schmidt lässt es sich in der Länderspielpause nun ruhiger arbeiten. Für Frankfurt reichte es sogar noch zum Sieg, für Wolfsburg zum Punktgewinn. Die Elfmeter hätten einiges verändern können.

Neue Dinge müssen sich erst einspielen, alle Beteiligten müssen sich an die Abläufe erst gewöhnen – und wenn dies geschehen ist, wird auch jeder leichter akzeptieren können, wenn der Videobeweis vielleicht „geschadet“ hat. Wobei man das in Mönchengladbach nicht einmal sagen konnte – Schiedsrichter Christian Dingert überprüfte seine Elfmeterentscheidung per Video am Spielfeldrand einfach und sah sie bestätigt. André Breitenreiter, der Trainer von Hannover 96, lobte den Unparteiischen trotz der Niederlage in der Nachspielzeit dafür, weil er eben alle Optionen, die ihm zur Verfügung stünden, ausgenutzt habe: „Und den Elfmeter kann man geben.“

Den in Augsburg auch? Darüber streiten sich die Geister, weil das Spiel erst unterbrochen wurde, nachdem auf der Gegenseite schon auf Eckball entschieden worden war. Natürlich kann es beim Video-Entscheid zu solch zumindest unglücklichen Situationen kommen: Das Spiel darf schließlich nicht vorher unterbrochen werden. In den Niederlanden hat es schon einen Fall gegeben, dass auf der Gegenseite ein Tor gefallen war, bevor durch den Videobeweis alles zurückgenommen wurde. Das ist höchst ärgerlich, aber vielleicht hilft der Lerneffekt. Jeder Abwehrspieler weiß nun, dass auch ein vermeintlich unbemerktes Halten am Trikot zum Elfmeter führen kann. Selbst eine Minute später.

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Quelle: F.A.Z.
Peter Penders - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Penders
Sportredakteur.
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