Fußball
Umbau des Darmstädter Stadions

Mehr Romantik, bitte!

Von Michael Eder, Darmstadt
© dpa, F.A.Z.

Der SV Darmstadt 98 hat die Lizenz für die Saison 2017/18 von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nur mit Auflagen im Bereich der Stadioninfrastruktur erhalten. So steht es in der Pressemitteilung des Vereins. Die Südhessen, designierte Absteiger aus der Bundesliga, werden in der kommenden Saison in der zweiten Liga spielen, und dafür ist das frugale Stadion am Böllenfalltor dem Fußball-Konzern DFL nicht mehr gut genug.

Für eine weitere Genehmigung als Spielstätte im Profifußball, so die Auflage, müsse nach dem Aufbau von überdachten Stahlrohrtribünen hinter beiden Toren nun auch die Gegengerade überdacht werden – und zwar bis zum 31. Januar 2018. Alternativ müssten die „Lilien“ ihre Spiele andernorts austragen. Die Bestimmung, dass die Stadien komplett überdacht sein müssen, hatte die DFL im vergangenen Jahr in ihr Regelwerk aufgenommen.

Ohne Dach über dem Kopf also kein Profifußball mehr – warum eigentlich? Warum muss man eine Stadt mit vielerorts maroder Infrastruktur (Schulen! Straßen!) zwingen, ihr Stadion immer schicker, bequemer, teurer zu machen? Weil die Fans das wollen? Nein. Zumindest in Darmstadt will das ein überwiegender Teil der Fans und Zuschauer nicht.

Dort lieben sie ihr altertümliches Stadion, die Stimmung darin, das Flair, das die Zeit atmet, in der Business-Seats, schließbare Dächer, Betonlandschaften, Rolltreppen, Plastikgeld, VIP-Clubs und Sushi-Catering keine Rolle spielten, wo ein Fußballstadion noch wie ein Fußballstadion aussah und nicht wie ein Einkaufszentrum. Das ist Romantik, klar, aber das ist auch der Fußball, nach dem sich viele sehnen.

Mehr jedenfalls als nach einem Dach über dem Kopf. In Darmstadt ist dieses ein bisschen aus der Zeit gefallene, aber unterschwellig auf vielen Tribünen noch gegenwärtige Fußballgefühl besonders ausgeprägt, und wie das „Bölle“-Stadion passt es nicht so recht in die schöne Marketingwelt der DFL, der die Expansion nach China wichtiger ist als die Fankultur zu Hause.

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Immerhin: Die DFL hat den Darmstädtern ein Hintertürchen aufgemacht. Die fehlende Überdachung der Gegengerade könne länger toleriert werden, wenn unter anderem ein Masterplan für einen Stadionneubau vorgelegt werde. Daher also weht der Wind. Die Masterplaner des deutschen Fußballs wollen auch in Darmstadt ein schmuckes neues, teures Stadion erzwingen, wollen die Stadt, das Land, den Steuerzahler unter Druck setzen.

Der Verein Darmstadt 98 findet das gut, er will eine schicke Arena, sich damit wirtschaftlich besser aufstellen, sieht die Stadt in der Pflicht. Viele Fans sehen das anders. Ihnen ist das Böllenfalltor genug, so wie es ist. Sie wollen Fußball im Stadion, nicht im Einkaufszentrum.

Quelle: F.A.Z.
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