Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt

Der Wunderheiler hat fertig

 - 12:20
© Picture-Alliance, reuters

Wenn Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit wehendem Haar zu einem verletzten Bayern-Star sprintete, sah man der Klub-Ikone das Alter von 72 Jahren nie an. Die Ära von Deutschlands bekanntestem Sportarzt ist seit Donnerstagabend beim deutschen Fußball-Rekordmeister vorbei. 38 Jahre lang arbeitete Müller-Wohlfahrt für den FC Bayern.

Im Mai 2008 eröffnet er eine neue 1600 Quadratmeter große Praxis im Herzen Münchens, wo er reichlich Prominenz empfängt und sich Spitzensportler aus der ganzen Welt behandeln lassen. Bolt schrieb ihm sogar einen Anteil an seinen Glanzleistungen zu - „Doktor Müller-Wohlfahrt ist ein großer Mann“. Schon in der alten Praxis am Marienplatz kamen die Tennis-Stars Boris Becker und Ivan Lendl, die Sprinter Merlene Ottey und Linford Christie, Skiflieger Sven Hannawald, Katharina Witt oder Franziska van Almsick zu ihm.

Wirtschaftliches Scheitern

In jüngster Zeit geriet Müller-Wohlfahrt indes in wirtschaftliche Schwierigkeiten, da eine gemeinsame Investition mit dem Milliardär und Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp in der MW Orthopedic Centre GmbH sowie ein weiteres Projekt für den Verkauf von Salben, Pillen und Sprays in der bilanziellen Überschuldung endete. Die Anteile an der MW Orthopedic Centre GmbH musste Müller-Wohlfarth nach einem Bericht von derwesten.de an Hopp verkaufen, seither sei er nur Mieter in den eigenen Praxisräumen.

Nach der Promotion 1971 arbeitete „Mull“ zwei Jahre bei den Profis von Hertha BSC in Berlin, danach ging es weiter nach München, wo er auf Empfehlung von Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß 1977 bei der Bayern landete und seinen großen Ruf aufbaute. Er wird in Sportlerkreisen vor allem für seine diagnostischen Fähigkeiten bewundert. Im Spaß wird er voller Respekt auch als „Entdecker des Syndesmosebands“ bezeichnet, weil er einst die gesundheitlichen Leiden eines Spielers mit dem bis dato im Fußball weitgehend unbekannten Band erklären konnte.

Seit 1995 ist „Mull“ auch Arzt der Nationalmannschaft, bei der Bundestrainer Joachim Löw immer wieder die Verdienste lobt.

Nicht nur Löw oder Bayern-Coach Jupp Heynckes, seit Jahrzehnten schwören Fußballlehrer auf Müller-Wohlfahrt. „Er ist ein Phänomen als Arzt und als Mensch. Er ist Tag und Nacht für uns da. Er übt seinen Beruf mit einer Leidenschaft aus, das ist keine Arbeit für ihn“, sagte der Tripletrainer Heynckes einmal über den Arzt, der bei Bayern-Spielen zum festen Inventar auf der Bank gehörte. Heynckes' Nachfolger Pep Guardiola sah das nun wohl anders.

Quelle: dpa/dme
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