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Fortuna Düsseldorf

Mobile Heimat für vier Wochen - wegen Lena

Von Alex Westhoff
 - 12:30
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Die Qatarer schauen nach Düsseldorf und sehen: ein Instant-Stadion, erbaut in 50 Tagen mit einer Lebenszeit von 60 Tagen. Das ist es doch, was die Scheichs in ihrem reichen, aber an Fußball-Infrastruktur armen Land benötigen für die WM im Jahr 2022. In Düsseldorf verhalten sich die Dinge anders. Die Stadt hat ihrer Fortuna als Hauptnutzer vor Jahren eine 218 Millionen Euro teure Multifunktionsarena hingestellt. Diese ist aber nun durch den European Song Contest (ESC) sechs Wochen lang belegt und steht dem Zweitligaklub bei seinen letzten drei Saisonheimspielen nicht zur Verfügung.

Das vom Norddeutschen Rundfunk um den Gesangsauftritt von Lena Meyer-Landruth konzipierte weltweit größte Fernsehereignis hat die Fortunen ausquartiert. Dafür baut die schuldenfreie Stadt ihren Vorzeigefußballern für rund drei Millionen Euro gleich noch ein Stadion. Die neue temporäre Heimstatt mit überdachten Plätzen für 20 168 Zuschauer ist direkt neben die große Arena gesetzt worden, auf das Trainingsgelände des Vereins. Für die Fortuna ist das mobile Stadion eine Attraktion im Schlussbogen einer Saison, die durch die tabellarische Mittellage schon ein Langeweiler zu werden drohte. Für die mit Montage und Demontage beauftragte Firma Nüssli ist das Projekt ein stählerndes Bewerbungsschreiben an die Qatarer.

Die Schweizer Eventbaufirma ist führend auf dem Gebiet des mobilen Tribünenbaus. Bei Nüssli macht man sich deshalb Hoffnungen auf einen Großauftrag aus Qatar, wo mehrere Mehrweg-Arenen aus dem Wüstensand gestampft werden müssen. Nie zuvor ist hierzulande ein Stadion dieser Größe in dieser Geschwindigkeit erbaut worden wie in Düsseldorf. „Ganz schön stramm“, nennt Oktay Öztürk den Aufbauplan am Rhein. Der Türke ist einer von mehreren Projektleitern. Allein für den Unterbau seien 60 Kilometer Stahlrohre verlegt worden, sagt er. „Das Material stammt zu 90 Prozent aus dem Bestand der Firma und ist nach dem Abbau zu 95 Prozent wiederverwertbar.“

„Das war zum Großteil Handarbeit“

Nach dem Baukastenprinzip wurden die Tribünen zusammengesteckt. Beton, so Öztürk, sei nur an wenigen Stellen als Ballast verwendet worden. Springen auf den Rängen ist erlaubt, auch haben die Schweizer keine Angst davor, wenn die Fortuna-Fans das Lied anstimmen: „Wer nicht hüpft, der ist ein Kölner.“ Die Regularien und Sicherheitsbestimmungen der Deutschen Fußball-Liga müssten auch bei einem Stadionbau für nur vier Fußballspiele eingehalten werden, sagt Öztürk. Würstchenbuden, Mannschaftskabinen, Schiriumkleide, Doping-Kontrollzimmer, Pressekonferenzraum sind mit im Paket.

Eine drei Millionen teure architektonischer Kuriosität also für ein U-17-Länderspiel und die ziemlich sicher ausverkauften Spiele Fortuna gegen Union Berlin an diesem Freitag (18.00 Uhr / FAZ.NET-2. Bundesliga-Liveticker) unter Flutlicht, Fortuna gegen Arminia Bielefeld und Fortuna gegen Alemannia Aachen? Die Stadt scheut keine Kosten und Mühen für die Vermarktung des European Song Contests und die Profilierung Düsseldorfs vor erwarteten 160 Millionen Fernsehzuschauern und Tausenden Besuchern in der Stadt.

Einige Mühe hatten auch die Vereinsmitarbeiter zum Beispiel mit der Zuordnung der Plätze der rund 12.500 Dauerkarteninhaber in der neuen Arena. „Das war zum Großteil Handarbeit“, sagt Sven Mühlenbeck, der Veranstaltungsleiter bei Fortuna. Zu Hilfe kam den Mitarbeitern die Tatsache, dass die Blöcke im neuen Stadion ähnlich groß ausfallen wie beim großen Nachbarn. Wer nun ein paar Reihen nach oben, unten oder zur Seite rücken muss, fand in der Post eine neue Dauerkarte mit Platzbeschreibung.

Tribünenbau in Tripolis abgebrochen

Ich miete mir mein eigenes Stadion, Demontage statt Bauruine - ob das der Trend der Zukunft im Sportstättenbau sein wird? Ein größeres temporäres Stadionprojekt als das in Düsseldorf hat Nüssli bislang nur in Vancouver verwirklicht. Für das Footballteam der B.C. Lions entstand im vorigen Jahr ein sportliches Ausweichquartier für 27.500 Zuschauer für die zwei Jahre, in denen die ursprüngliche Heimstatt saniert wird. In Deutschland hat die Firma Nüssli schon die 15 Millionen Euro teure Arena des SV Wehen Wiesbaden gebaut. Und auch bei den Profiklubs FC St. Pauli, Mainz 05, TuS Koblenz, SV Sandhausen und Wacker Burghausen helfen die Schweizer derzeit mit Miet- und Zusatztribünen aus. Bei der WM in Südafrika hat die Firma die Ränge in den Arenen in Durban und Kapstadt erweitert. Ein Tribünenbau in Tripolis musste aufgrund der politischen Lage abgebrochen werden.

Die Düsseldorfer Fans, die ihren neuen, mobilen Sitzplatz lieb gewinnen, können ihm folgen. Die Haupttribüne wandert nach dem Gastspiel am Rhein zu einem Festspielort in der Schweiz, die restlichen Tribünen werden beim Tourenwagen-Rennen auf dem Norisring benötigt. Also einfach sitzenbleiben.

Quelle: F.A.Z.
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