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Trainer bis Saisonende

Heynckes sagt FC Bayern zu

Von Christian Eichler, München
 - 16:06
Wieder vereint bei den Bayern: Präsident Uli Hoeneß (links) und Trainer Jupp Heynckes (Bild von 2011). Bild: Picture-Alliance, FAZ.NET

Als man ihm auf seiner letzten und erfolgreichsten Berufsstation am Ende einen Jüngeren vorzog, Pep Guardiola, fand Jupp Heynckes sich noch zu jung zum Aufhören. „Wenn ich sehe, dass Adenauer mit 71 Bundeskanzler wurde und jetzt unser Papst mit 76 ins Amt eingeführt worden ist“, sagte er, „dann habe ich auch das Recht, mit 68 darüber nachzudenken, ob ich noch irgendwas mache“. Dann aber schlug er doch die vielen lukrativen Angebote aus der Fußballwelt aus und zog sich auf seinen restaurierten Bauernhof im niederrheinischen Schwalmtal zurück. Erst jetzt setzt er das damals Angekündigte doch noch um. Nach fast viereinhalb Jahren im Ruhestand kehrt Heynckes zurück auf die Trainerbank. Zurück zum FC Bayern, den er 2013 nach dem triumphalen „Triple“ verließ, dem Gewinn von Meisterschaft, Pokal und Champions League – und der ihn nun wieder einmal braucht. Zum vierten Mal insgesamt.

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„Es ist kein Comeback“, sagte Heynckes am Freitag, nachdem er sich zu dem Wagnis entschlossen hatte, mit 72 Jahren in die Bundesliga zurückzukehren. „Es ist ein Freundschaftsdienst – und ich habe es nur gemacht, weil ich dem FC Bayern unglaublich viel zu verdanken habe. Ich habe ein sehr gutes Gefühl dabei, es kann sofort losgehen.“ Am Montag (11.30 Uhr) gibt es erst eine Pressekonferenz im Stadion, danach (15.30 Uhr) wird er sein erstes, öffentliches Training an der Säbener Straße mit dem bewährten Stab leiten können, mit seinen beiden früheren Assistenten Peter Hermann, den Zweitliga-Tabellenführer Fortuna Düsseldorf für ein Freundschaftsspiel gegen die Bayern mit Garantiesumme aus seinem Vertrag freigab, und Hermann Gerland, erst vor kurzem Leiter des Nachwuchsleistungszentrums der Bayern geworden. Für Willy Sagnol, erst im Juli als Assistenztrainer für Carlo Ancelotti verpflichtet, den er nach dessen Entlassung vor neun Tagen für ein Spiel als Chef beerbte, dürfte fortan kein Platz mehr sein.

Heynckes hatte einige Tage über diesen Schritt nachgedacht, ehe er einwilligte. Niemand, der ihn kennt, wird behaupten, er tue es für Geld oder Geltung. Es ist unverkennbar die alte Verbundenheit mit dem Klub und Präsident Uli Hoeneß. Für die Bayern ist er eine praktische Lösung: einer, den man kennt, der einen Großteil der Mannschaft noch selbst betreut hat und bekannt ist für seine Fähigkeit, die Ich-AGs eines Kaders aus Einkommensmillionären zum kameradschaftlich funktionierenden Team zu formen. Dazu ist er bereit, einen Kurzzeitvertrag bis Ende der Saison einzugehen, eine Art Altersteilzeit. So bekommt der Klub Zeit, sich bis Mitte 2018 um eine langfristige Lösung zu bemühen, für die vermutlich der junge Hoffenheimer Trainer Julian Nagelsmann als Wunschkandidat gilt.

Bundesliga
Heynckes wird Cheftrainer bei Bayern München

Von nahezu allen Seiten im Klub wird der Schritt begrüßt, wie etwa von Jérôme Boateng, der mit Heynckes das Triple gewann. „Ich glaube, eine bessere Lösung gibt es nicht“, sagte der Verteidiger nach dem Sieg mit der Nationalmannschaft in Nordirland. „Jupp Heynckes steht für sich. Er ist ein ganz großer Trainer mit viel Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl. Er hat alles, was ein guter Trainer braucht.“ Dennoch ist es für beide Seiten auch ein Risiko. Nach mehr als vier Jahren weiß niemand, auch er selbst nicht, ob Heynckes dem Tempo und täglichen Druck dieser immer nervöser gewordenen Branche noch standhält. Auch die Mannschaft ist in die Jahre gekommen. Sie liegt nach sieben Spielen schon fünf Punkte hinter der Tabellenspitze und strahlt nicht mehr den Schwung und Glanz der glorreichen Triple-Saison aus.

Nun soll Heynckes also, mit 72 Jahren, die Uhr zurückdrehen. Mit dem Triple-Team gelang ihm, was nur wenige alte Trainer schaffen: jugendlichen Fußball spielen zu lassen. So wie er ihn einst als junger, listiger Stürmer bei den „Fohlen“ lernte, der legendären Borussia in seiner Heimatstadt Mönchengladbach in den frühen siebziger Jahren. Den Mann, der als „Fohlen“ anfing, zieht es als alten, immer noch munteren Zirkusgaul in die Manege zurück.

Quelle: FAZ.NET
Christian Eichler
Sportkorrespondent in München.
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