Bayern München

Der FC Hollywood ist wieder da

Von Christian Eichler, München
 - 13:10

Der FC Bayern wirkt derzeit malade. Der FC Hollywood, der er mal war, ist dafür wieder quicklebendig. Was produziert er nun, da die Krise da ist, nicht alles an saftigen Gerüchten und herrlichster übler Nachrede! Man sieht es an dem, was nun alles dementiert werden muss.

Mats Hummels zum Beispiel dementiert, einer der fünf „Königsmörder“ zu sein, die Trainer Carlo Ancelotti auf dem Gewissen hätten. Arjen Robben dementiert, er habe behauptet, dass in der D-Jugend in Grünwald, wo sein Sohn aktiv ist, besser trainiert werde als unter Ancelotti (weswegen laut „Kicker“ einige Profis, ein Verbot des Trainers ignorierend, ein privates Zusatztraining organisiert hätten). Konditionstrainer Giovanni Mauri hätte bestimmt gern dementiert, sein Aufwärmprogramm habe manchmal nur drei Minuten gedauert, kürzer als die Zigarette, die er gern in der Kabine rauchte, bis man es ihm verbot. Aber er hat all das wohl gar nicht mitbekommen, weil er ja mit dem Chef entlassen wurde und längst über den Brenner ist.

Auch Ancelotti selbst hätte wohl auch eine Menge zu dementieren, etwa, dass seine präziseste taktische Anweisung in der Pause seines letzten Bundesligaspiels in den Worten „besser aufpassen“ bestanden hätte (worauf aus einer 2:0-Führung gegen Wolfsburg ein 2:2 wurde). Aber der Italiener erklärte am Montag in Jerusalem, wo er sinnigerweise im Rahmen eines Friedensprojektes Kinder trainierte, es gebe „Schlimmeres im Leben“, als von den Bayern entlassen zu werden. „Schweigen ist eine Tugend, also ist es besser, zu schweigen.“ Im Fußball ist Schweigen allerdings eine der seltensten Tugenden. Nachdenken aber auch, ein weiterer Vorsatz für zehn Monate Erholung bis zur nächsten Saison: „Es wurde von Verrat, falscher Taktik, Verschwörungen, falscher Vorbereitung geredet. Für mich ist jetzt der Moment gekommen, darüber nachzudenken.“

Zurück in München, hätte nun auch Franck Ribéry etwas zu dementieren. Es wurde in einer der vielen Runden von „Experten“ nun vom früheren Bayern-Profi Markus Babbel behauptet: Ribéry habe die Kabine, in der Fußballfolklore das letzte Refugium, ja das Allerheiligste einer Mannschaft, wider die Tradition mit Familie und Freunden bevölkert. Allerdings bekommt nun auch Ribéry erst einmal Zeit zum Nachdenken. Beim 2:2 in Berlin, wo die Bayern zum ersten Mal in ihrer Bundesliga-Geschichte im zweiten Spiel hintereinander einen Zwei-Tore-Vorsprung verspielten, riss er sich das Außenband. Nach dem Mittelfußbruch von Torwart Manuel Neuer ist es der nächste schmerzliche Ausfall für den Rest des vermaledeiten bayrischen Herbstes 2017. Fünf Punkte Rückstand hatten sie in der Tabelle seit über fünf Jahren nicht. So viel Gerede auch nicht.

Nicht zuletzt die Klub-Chefs hätten eine Menge zu dementieren, Namen von möglichen Trainern nämlich. Zu Tuchel und Nagelsmann, den bisherigen Experten-Favoriten, kam zuletzt der Name Favre, andere nennen sogar Klopp, und vielleicht fällt uns ja auch noch einer ein. Wie wär’s mit Jogi Löw? Wenn sein Team am Donnerstag in Nordirland den einen Punkt noch holt für die Qualifikation, hätte er ja Zeit bis zur WM. Mal sehen, ob er dementiert.

Quelle: F.A.Z.
Christian Eichler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Eichler
Sportkorrespondent in München.
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