Fußball
Borussia Dortmund

Das eigenartige Spiel des Ousmane Dembélé

Von David Nienhaus, Dortmund
© dpa, F.A.Z.

Vor nicht allzu langer Zeit hielt ein Journalist und Anhänger von Borussia Dortmund eine amüsante und liebevolle Rede über seinen neuen Lieblingsspieler des BVB. Hans Leyendecker erzählte in seiner Laudatio bei der „Meisterfeier“ des „11 Freunde“- Magazins, manchmal erinnere ihn Ousmane Dembélé an seinen alten Hund auf der Jagd. Der verfolge spielerisch ein Ziel, meist mit einem Haken zu viel. Und am Ende erlegte er doch seine Beute. Der glühende Fan des Franzosen sagte auch: „Er kann am Ball Dinge, die man sonst nur im Zirkus sieht.“

Artig bedankte sich Dembélé via Videobotschaft für die warmen Worte des Redners, für den Preis als „Bester Newcomer des Jahres“, und er behauptete, noch lange beim BVB spielen zu wollen. Davon scheint aber jetzt kaum noch die Rede sein zu können – um Dembélé, an dem der FC Barcelona massiv interessiert ist, ist ein Theater entbrannt in Dortmund. Der 20 Jahre alte Spieler wirkte dabei kräftig mit, als er am Donnerstag einfach nicht zum Training erschien, vorübergehend gar verschollen war. Irritiert, ja ahnungslos war sein Trainer Peter Bosz, verärgert waren die Dortmunder Verantwortlichen Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc. Sie wollen das Verhalten von Dembélé mit einer Geldstrafe ahnden.

War Borussias Pierre-Emerick Aubameyang lange Zeit das Objekt der Begierde zahlungskräftiger Klubs aus Fernost, so ist nun Dembélé in den Fokus gerückt. Weil der FC Barcelona auf der Suche nach einem Ersatz für den Brasilianer Neymar ist und weil die Katalanen offenbar bereit sind, eine Menge in Dembélé zu investieren. Die Dortmunder haben bereits mit Barça über einen möglichen Wechsel gesprochen, und sie fordern dem Vernehmen nach 150 Millionen Euro für den Franzosen. Damit wäre Dembélé der teuerste Spieler, der die Bundesliga bislang verlassen hat.

Allerdings liegen der BVB und der FC Barcelona offenbar finanziell noch so weit auseinander, dass ein Transfer „aktuell nicht überwiegend wahrscheinlich“ sei. So hieß es am Donnerstag etwas sperrig in der Ad-hoc-Meldung für die Aktionäre des Fußballklubs. Die Katalanen sollen am Donnerstag 120 Millionen Euro geboten haben. Eine Offerte, die „nicht dem außerordentlichen fußballerischen und sonstigen Stellenwert des Spielers und auch nicht der derzeitigen wirtschaftlichen Marktsituation des europäischen Transfermarktes entsprach“ – so hieß es aus Dortmund.

Bundesliga-Tippspiel 2017/2018
Bundesliga-Tippspiel 2017/2018

Jetzt anmelden und gewinnen

Am Freitag legte der FC Barcelona, der den Brasilianer Philippe Coutinho nicht vom FC Liverpool loseisen kann, laut spanischen Medien nach: Er erhöhte auf 130 Millionen Euro. Wahrscheinlich ist das immer noch zu wenig. Dennoch sei ein Transfer nicht ausgeschlossen, wie Watzke in einem Interview andeutete. „Ein Thema ist nie durch, bis die Transferperiode zu Ende ist.“ In Dortmund warte man nun auf das nächste, deutlich verbesserte Angebot aus Spanien. Die Aussichten auf 150 Millionen Euro – von denen der BVB mindestens 30 Millionen an Dembélés vorherigen Klub Stade Rennes abgeben muss – ließen in jedem Fall schon mal die Aktie des Vereins deutlich steigen.

Und Dembélé? Womöglich verdreht ihm das Geld, das jetzt im Umlauf ist und von dem er profitieren könnte, den Kopf. Er war schon einmal in ähnlicher Manier aufgefallen: Vor zwei Jahren in Rennes, als er unbedingt zu RB Salzburg gehen wollte, spielte er nahezu das gleiche eigenartige Spiel wie jetzt in Dortmund – vergeblich allerdings damals. Dieses Mal wird der junge Franzose wahrscheinlich damit durchkommen. Auch wenn sein „Streik“ am Donnerstag von den Dortmundern sanktioniert wurde. Der Spieler ist bis nach dem DFB-Pokalspiel beim 1. FC Rielasingen-Arlen an diesem Samstag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im DFB-Pokal-Ticker bei FAZ.NET) suspendiert – kein Training, kein Spiel. Er dürfte das verschmerzen können, genauso wie die zu erwartende Geldbuße.

© dpa, SID

Immerhin, Dembélé, der von der Borussia mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet wurde, hat den FC Barcelona nicht von ungefähr auf sich aufmerksam gemacht. So waren ihm in der vergangenen Saison zehn Treffer und 21 Vorlagen gelungen. Beeindruckend für einen Spieler, der eigentlich erst mal behutsam an die Profis herangeführt werden sollte.

Die Dortmunder Borussia ohne Dembélé? Das sähe auf den ersten Blick nach einer argen Schwächung aus – für den Münchner Fußballlehrer Carlo Ancelotti bliebe der BVB aber auch ohne den Franzosen der schärfste Titelkonkurrent des FC Bayern in der Fußball-Bundesliga. Der Franzose sei zwar ein fantastischer Spieler, sagte Ancelotti. Aber er betonte am Freitag auch: „Borussia Dortmund ist sehr gefährlich und der beste Gegner – mit oder ohne Dembélé.“ Ancelotti hat, was das Gebaren des Franzosen betrifft, eine klare Meinung: „Wenn ein Spieler nicht mehr für den Verein spielen will, dann soll er gehen.“ Wahrscheinlich wird das Kapitel Dembélé auch so enden in Dortmund.



Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite

Themen zu diesem Beitrag:
Hans-Joachim Watzke | Michael Zorc | Neymar da Silva Santos Júnior | Ousmane Dembélé | Peter Bosz | Dortmund | Borussia-Dortmund | FC Barcelona