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Schmidt gegen Schwarz

Alles andere als eine gewöhnliche Bundesligapartie

Von Peter H. Eisenhuth, Mainz
 - 10:41
Begegnung mit dem ehemaligen Klub: Martin Schmidt Bild: AFP, F.A.Z.

Solche Sätze gehören bei derartigen Konstellationen zum Standardrepertoire: „Wir spielen am Samstag nicht gegen Martin Schmidt, sondern gegen den VfL Wolfsburg“, sagt Rouven Schröder, der Sportvorstand des FSV Mainz 05, vor der Bundesligapartie bei den Niedersachsen. Gleichwohl lässt sich nicht leugnen, dass diese Begegnung zumindest für einige Beteiligte – Schröder, Schmidt, Sandro Schwarz und den ein oder anderen Mainzer Profi – keine gewöhnliche wird. Schließlich ist Schmidt der erste Trainer, den Schröder jemals entlassen hat, und Schröder ist der erste Manager, unter dem Schmidt vorzeitig gehen musste.

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Ein Akt, der dem Schweizer Trainer im Frühjahr besonders naheging, weil er offenbar nicht damit gerechnet hatte. Schließlich konnte er auf bemerkenswerte Resultate während seiner sieben Jahre am Bruchweg verweisen. Mit der U 23 war Schmidt in die dritte Liga aufgestiegen, die Profis hatte er nach Amtsübernahme vor dem Abstieg bewahrt, in seiner ersten kompletten Saison in die Gruppenphase der Europa League geführt und im letzten Jahr zumindest noch in der Bundesliga gehalten. Einen Tag nach dem letzten Spieltag war nach einem langen Gespräch mit Schröder Schluss; ob dieses Gespräch tatsächlich ergebnisoffen begonnen hatte, wie der Sportdirektor versicherte, sei dahingestellt.

Schmidt mochte als der erfolgreichste Trainer in der Geschichte des FSV Mainz 05 damit hadern, dass solche Leistungen nicht mehr wertgeschätzt wurden. Schröder musste jedoch nach vorne blicken – und eine sonderlich erfreuliche Perspektive versprach der eindimensionale, zunehmend defensiv orientierte Umschaltfußball Schmidtscher Prägung nicht mehr.

SMS und Telefonat

Selbstverständlich habe er Schmidt per SMS zum neuen Job in Wolfsburg beglückwünscht, sagt Sandro Schwarz. „Wir haben jahrelang zusammengearbeitet, wir haben in der Zeit viel über Inhalte gesprochen, und dann kommt es im Leben schon mal vor, dass der eine dem anderen gratuliert, wenn diesem etwas Gutes widerfährt.“ Ob das auch umgekehrt der Fall war, als Schwarz den Cheftrainerposten des Schweizers übernahm? Schwarz lacht: „Wir haben damals sehr lange telefoniert.“

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Das Verhältnis zwischen den Mainzer Verantwortlichen und dem Mann aus den Bergen scheint wieder intakt zu sein, zumindest wirkte die vor Saisonbeginn vorgenommene offizielle Verabschiedung sehr harmonisch. Inhaltlich aber steckt sehr wohl Brisanz in der Partie der 05er beim VfL Wolfsburg. Abgesehen davon, dass beide Mannschaften gerne mit mehr als sechs Punkten in die nächste Länderspielpause gingen, dürfte Schmidt den Ehrgeiz verspüren, sich dem für seine größere taktische Flexibilität gelobten Schwarz überlegen zu erweisen.

Rouven Schröder will das Thema nicht zu hoch hängen. „Bei jedem Spiel hast du immer einen Bekannten in der gegnerischen Mannschaft“, sagt er. In diesem Fall ist es neben dem neuen VfL-Trainer auch Spielmacher Yunus Malli, der im Januar von Mainz nach Wolfsburg gewechselt war und unter Schmidt wieder größere Bedeutung erlangen soll als unter dem geschassten Andries Jonker. Der Reiz der Partie liege darin, „eine solche Mannschaft in deren Stadion zu besiegen“, sagt Schröder. „Aber wenn wir den Schwerpunkt auf Martin Schmidt legen, haben wir die Gedanken an der falschen Stelle.“

Quelle: F.A.Z.
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