2:0 gegen Freiburg

Kurioser Videobeweis hilft Mainz

Von Roland Zorn, Mainz
 - 22:45
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Geteiltes Leid ist halbes Elend. Der 1. FSV Mainz 05 und der SC Freiburg waren einander vor ihrem Montagsspiel in der Fußball-Bundesliga im Misserfolg verbunden. Beide Mannschaften warteten seit sechs Spielen auf einen Sieg, und beide hatten in dieser Zeit nur zwei Treffer erzielt. Die 26.000 Zuschauer, die zu diesem ungeliebten Termin in die Mainzer Arena gekommen waren, mussten also auf einen enthaltsamen Abend gefasst sein. Er verhieß aber dennoch zumindest neunzig Minuten Leidenschaft, da sowohl den Tabellensechzehnten aus Rheinhessen wie den Tabellenfünfzehnten aus Südbaden akute Abstiegssorgen plagen.

Bundesliga

Man sah es den Teams an. Dass es am Ende doch einen Sieger gab, stimmte zumindest die Mainzer froh. Sie schossen per Handelfmeter durch de Blasis das Tor des Abends (45.+7 Minuten), nachdem Schiedsrichter Guido Winkmann schon zur Halbzeit gepfiffen hatte und nach der Intervention der Videoassistentin Bibiana Steinhaus, die bei der letzten Aktion der ersten Hälfte ein Handspiel des Freiburgers Kempf gesehen hatte, die Spieler, die schon in der Kabine waren, auf den Platz zurückbeorderte. „Der Zeitpunkt war extrem unglücklich, aber von der Situation her war es für mich ein Elfmeter“, sagte der Mainzer Trainer Schwarz. Der Argentinier de Blasis, bester Spieler des FSV, legte noch einmal nach, als er in der 79. Minute von einem Schnitzer des Freiburger Torwarts Schwolow profitierte und dann das 2:0 erzielte.

Die Mainzer, bis Montag Tabellensechzehnte, überholten nach ihrem Erfolg die punktgleichen Freiburger, die wie der Vierzehnte Wolfsburg ebenfalls auf gerade mal 30 Punkte kommen. Weit dahinter und damit fast schon abgestiegen rangieren der Hamburger SV als Vorletzter mit 22 und der 1. FC Köln als Letzter mit 21 Zählern. Noch ehe sich die zwei Teams jeweils für sich um die Trendumkehr bemühten, machten viele Fans, vornehmlich aus den Ultras-Fraktionen beider Klubs, auf sich aufmerksam. Nach ihrem freundschaftlichen Kick am Samstag im Bruchwegstadion unter dem Motto „Samstags halb Vier Fußball – Bratwurst – Bier“ demonstrierten sie zwei Tage später plakativ: „Gegen Montagsspiele“.

Danach aber wurde trotzdem montags gespielt, besser: geackert. Gegen das lärmende Protestorchester aus Trillerpfeifen und Vuvuzelas. Und doch ganz so, wie es derzeit beiden Mannschaften zueigen ist: kämpferisch bemüht, spielerisch schmucklos. Da misslang hüben wie drüben ziemlich viel. Für den Knalleffekt des Abends sorgte indes eine Entscheidung, die Schiedsrichter Guido Winkmann erst nach dem Halbzeitpfiff beim Gang in die Kabine traf, als ihn die Videoassistentin Bibiana Steinhaus aus Köln darauf aufmerksam machte, dass Brosinskis letzter Schuss vor dem Wechsel vom Freiburger Innenverteidiger Kempf aktiv mit der Hand abgewehrt worden war.

Die Folge: Winkmann beorderte die Spieler aus den Katakomben zurück und entschied zum Entsetzen der Freiburger auf Strafstoß für Mainz. In der Sache richtig, vom Procedere her sehr unglückselig. De Blasis, der umtriebigste Mainzer, nutzte seine unverhoffte Gelegenheit zum 1:0. Auf der anderen Seite artikulierte Jochen Saier, der Sportvorstand des Sport-Clubs sein Unverständnis: „Ich dachte, mit dem Halbzeitpfiff ist ein Haken dran. Dem ist nicht so. Das müssen wir schweren Herzens akzeptieren. Es wird immer kurioser.“ Der Freiburger Trainer Streich weigerte sich beim TV-Sender Eurosport, die Entscheidung und ihre Umstände zu kommentieren.

Die Mainzer Ultras nahmen den Treffer ihrer Mannschaft zur Kenntnis und protestierten nach der Pause erst einmal weiter, indem sie gleich zweimal Toilettenpapierrollen auf den Rasen warfen, die der Mainzer Ordnungsdienst fleißig einsammelte. Die eigentliche Frage war nur, ob unter diesen seltsamen Umständen auch das Spiel noch einmal ins Rollen kommen würde. Das tat es – ganz im Sinn der Mainzer, die sich den Erfolg nun verdienten und durch de Blasis’ zweiten Treffer nach Schwolows Patzer im Duell mit Quaison nur noch einmal in Gefahr gerieten. Petersens Lattenschuss (88.) aber tat den Mainzern nicht mehr weh.

Quelle: FAZ.NET
Roland Zorn
Sportredakteur.
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