1:3 gegen AS Monaco

Keine Kraft für Dortmunder Wunder

Von Roland Zorn, Monte Carlo
 - 22:51
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Eine Woche nach dem schockierenden Attentat auf Mannschaft und Trainer von Borussia Dortmund war die Zeit noch nicht reif für ein Fußballmärchen in Schwarz-Gelb. Und so schied Borussia Dortmund nach dem 2:3 gegen AS Monaco im Hinspiel mit einer 1:3-Niederlage im Rückspiel am Mittwochabend in Monte Carlo aus. Erstmals seit 2009 ist die Bundesliga damit nicht im Halbfinale der europäischen „Königsklasse“ vertreten.

Der BVB brauchte wie vor einer Woche lange, um in diesem Spiel der zweiten Chance anzukommen. Als er es tat, lagen die Westfalen schon 0:2 duch die Treffer von Mbappé (3. Minute) und Falcao (17.) zurück. Reus’ Tor zum 1:2 weckte gegen die insgesamt besseren Monegassen noch einmal Hoffnungen, die sich aber vor 18500 Zuschauern nicht erfüllten oder ob der besonderen Umstände nicht erfüllen konnten. Das 3:1 durch den eben eingewechselten Germain (81.) spiegelte die Verhältnisse letztlich angemessen wider.

Bis zur Dortmunder Fußball-Normalität auf höchstem Niveau dauert es nämlich noch etwas länger. Das bekamen die Borussen auch am Mittwoch in Monte Carlo zu spüren, als die Polizei ihren Mannschaftsbus ohne Angabe von Gründen erst zwanzig Minuten später vom Hotel zum Stade Louis II losfahren ließ. Sicherheitsbedenken sollen für dieses zwischenzeitliche Stoppsignal nicht verantwortlich gewesen sein. Gleichwohl erlaubte sich Trainer Thomas Tuchel die verständliche Bemerkung: „Das war extrem unglücklich. Eine Woche nach dem Anschlag sitzen wir in dem vollbesetzten Bus und stehen auf der Stelle, ohne zu wissen warum. In den 15 Minuten hat keiner an Fußball gedacht. Dabei hatten wir eine gute Stimmung und uns komplett auf Fußball eingelassen.“

Die bedrohlich aufflammende Erinnerung an den Abend des 11. April, an dem ihr Leben auf dem Spiel stand, war bei den Spielern ein paar Stunden vorher mit einem Gefühl der Erleichterung verbunden, als ihr bei dem Sprengstoffanschlag verletzter spanischer Kollege Marc Bartra zu Besuch im Mannschaftshotel vorbeischaute. Der Katalane war am Mittwoch als Glücksbringer zum Rückspiel ins Fürstentum gereist und schwor sein Team auch in der Kabine auf das Wiedersehen mit dem Tabellenführer der Ligue 1 ein. Er begegnete Kollegen, die sich einiges für das Wiedersehen mit den Monegassen ausgerechnet hatten. „Wir werden von der ersten bis zur letzten Minute angreifen“, hatte Tuchel versprochen, während der von einem Muskelfaserriss genesene Marco Reus ein „grandioses Spiel“ vorhergesagt hatte.

Kurz vor dem Anpfiff durfte sich der BVB fast wie zu Hause vorkommen, als die Stadionregie in dem kleinen Stadion aus den achtziger Jahren die Hymne „You’ll never walk alone“ einspielte. Danach aber fremdelte der Bundesliga-Vierte mit der Glücksspielkapitale Monte Carlo. Auch, weil sich Tuchel für das falsche System, ein 3-5-2, und eine suboptimale Aufstellung entschieden hatte. Schon nach drei Minuten deutete der auf dem rechten Flügel eingesetzte Durm an, dass er seinen Verteidigungsaufträgen nicht nachkommen konnte. Mendy war enteilt, schoss aus 20 Metern aufs Tor, und da Bürki nur abklatschen konnte, war Kylian Mbappé, mit erst 18 Jahren der jugendliche Held der Association Sportive, zur Stelle und nutzte den Abpraller zum 1:0.

Es war so etwas wie die frühe Zeichensetzung für dieses Duell, in dem Monaco das Tempo bestimmte, über die Flügel konterte und in der Mitte Spieler hatte, die frei genug standen, um die Vorleistungen der lieben Kollegen zu vollenden. Auf diese Weise bedankte sich Falcao mit seinem Kopfballtreffer zum 2:0 für Lemars Flanke. Ginter, der in diesem Moment hätte aufpassen sollen, stand tatenlos daneben.

Zehn Minuten später korrigierte sich Tuchel, wechselte den französischen Sprinter Dembélé für Durm ein und stellte auf eine 4-2-3-1-Formation um. Sie gab dem BVB mehr Halt als das 3-5-2-Durcheinander zuvor. Die beste Gelegenheit zu einem Dortmunder Treffer besaß der neben Reus beste BVB-Spieler der ersten Hälfte, Nuri Sahin. Pech für ihn, dass sein Freistoß am Pfosten und nicht im Tor landete (14.). Bei Halbzeit schien die Sache für Dortmund ähnlich verloren wie vor rund einer Woche im Hinspiel, als es ebenfalls 0:2 nach 45 Minuten stand und als es der Borussia, so Tuchel, verständlicherweise „nicht möglich war, professionell Fußball zu spielen“.

Sahin musste bei Halbzeit in der Kabine bleiben, so dass Kapitän Schmelzer auf seiner linken Verteidigerposition mitmachen und Guerreiro eine Position voranrücken konnte. Der BVB gab sich wie im Hinspiel einen Ruck und verkürzte nach Dembélés Solo und Reus’ Direktabnahme auf 1:2. Doch die letzte Kraft und Überzeugung, dem Spiel noch eine Wende zu geben, fehlte. Kein Wunder nach einer Schreckenswoche jenseits des Vorstellbaren, die Germain durch das Tor zum 3:1 rein sportlich zu Ungunsten des BVB besiegelte.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Zorn, Roland (r.z.)
Roland Zorn
Sportredakteur.
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