Fußball-Kongress der F.A.Z.

„Finanz-Doping“ verzerrt den Wettbewerb

Von Thomas Hürner, Karsten Fehr, Bettina Wolff
 - 13:03

Das Financial Fairplay der Uefa scheine nicht zu funktionieren. Mit dieser Feststellung eröffnete F.A.Z.-Herausgeber Holger Steltzner die 3. Fußball-Konferenz des Frankfurter Allgemeine Forum an diesem Donnerstag. Das Zusammenspiel von Fußball und Finanzen wird mit nationalen und internationalen Experten diskutiert, um der zunehmenden Internationalisierung des Fußballs Rechnung zu tragen.

Steltzners Einschätzung schloss sich auch Javier Tebas Medrano an, der als Präsident der spanischen LaLiga in diesem Transfersommer betroffen war durch den 222-Millionen-Wechsel von Barcelona-Spieler Neymar zu Paris Saint-Germain. Tebas führte im Gespräch mit F.A.Z.-Korrespondent Michael Horeni aus, dass „Finanz-Doping“ wie etwa bei Manchester City und Paris regelwidrig sei. So habe die qatarische Regentenfamilie seit ihrer Übernahme von Paris Saint-Germain 950 Millionen Euro in Spielertransfers investiert, Manchester City sogar eine Milliarde Euro.

Der Spanier beklagte, dass die finanzielle Diskrepanz im Vergleich zu Klubs mit weitaus geringeren finanziellen Möglichkeiten auch zu einem Ungleichgewicht des sportlichen Erfolgs führe – sowohl innerhalb der nationalen als auch der internationalen Ligen. Fußballklubs, die bisher die europäische Spitze ausmachten wie etwa Bayern München oder Juventus Turin, würden dadurch massive Nachteile entstehen.

Auf nationaler Ebene wird dieses Ungleichgewicht laut Tebas in der Punktedifferenz zwischen Meister und Verfolger innerhalb von Ligen wie der deutschen Bundesliga deutlich. So habe sich der Punkteabstand in den vergangenen Jahren stetig vergrößert. „Finanz-Doping schadet dem europäischen Fußball sehr“ und destrukturiere ihn, fasste Tebas zusammen.

Trotzdem waren sich in der darauffolgenden Podiumsdiskussion mit F.A.Z.-Wirtschaftsredakteur Michael Ashelm alle Gäste einig, dass der Aufwärtstrend des Fußballsports insgesamt weiter anhalten werde – vor allem José Castro Carmona vom Sevilla Fútbol Club und Toon Gerbrands vom PSV Eindhoven. Nur Jacques-Henri Eyraud von Olympique Marseille betonte die Notwendigkeit von Reformen: „Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass Fußball so okay ist, wie er ist.“

Schon zu Beginn der Diskussion nahm er als einziger das Modell von Paris Saint-Germain in Schutz. Er hob die Vorteile des Neymar-Wechsels seines französischen Rivalen für die Reputation der gesamten französischen Ligue 1 hervor. Die beiden anderen Klubvertreter aus Spanien und den Niederlanden schienen angesichts der Übermacht der finanziell weitaus stärkeren Vereine schon kapituliert zu haben. Sie betonten die Vorteile ihrer Spezialisierung auf die Nachwuchsförderung – bei der die von ihnen entwickelten Hoffnungsträger von den großen Klubs gewinnbringend weggekauft werden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Wolf, Bettina
Bettina Wolff
Volontärin
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