Premier League

Klopps Kampf gegen die Liverpooler Löcher

Von Marcus Erberich, London
 - 11:35

Kann der FC Liverpool in der neuen Premier-League-Saison um die Meisterschaft mitspielen? Diese Frage beschäftigt die englischen Fußball-Experten nun schon seit Wochen. Und nach sorgfältiger Abwägung aller zu berücksichtigenden Faktoren kommen die meisten zu dem Ergebnis: mal gucken. Ihre Skepsis speist sich vor allem aus der Annahme, das Team von Jürgen Klopp sei eigentlich noch gar nicht komplett – auf zwei Positionen brauche sie nämlich trotz ihrer unbestrittenen Qualität dringend Verstärkung: im zentralen Mittelfeld und im Abwehrzentrum. Für beide Plätze hatte Klopp auch schon passende Kandidaten im Blick. Allerdings verliefen die Sommer-Transferaktionen für ihn bislang nicht gerade nach Plan.

Für die Innenverteidigung hätte Klopp gerne Virgil van Dijk geholt. Angeblich soll der FC Liverpool rund 66 Millionen Euro geboten haben. Aber der FC Southampton beschwerte sich beim Verband, weil Klopp sich zuvor heimlich mit dem Spieler getroffen haben soll. Der FC Liverpool musste daraufhin öffentlich um Entschuldigung bitten und zog sich vorerst aus den Verhandlungen zurück.

Für das zentrale Mittelfeld war der Leipziger Naby Keita vorgesehen. Aber auch dieser Transfer platzte, weil RB trotz eines angeblichen Angebots von rund 75 Millionen Euro stur blieb und den Spieler nicht ziehen ließ. Alternativen sind bislang nicht in Sicht. Nun ist es aber nicht so, als stünden die „Reds“ vor der neuen Saison ganz ohne Verstärkung da.

Gut 50 Millionen Euro hat der Verein bislang in neue Spieler investiert – erheblich weniger also als Manchester City, Manchester United und Chelsea, die zusammen schon über eine halbe Milliarde verprasst haben. Allein 42 Millionen überwies der FC Liverpool für Mohamed Salah an den AS Rom. Der Rechtsaußen präsentierte sich in der Vorbereitung in blendender Form. Für die Abwehr kam für neun Millionen Euro außerdem Andrew Robertson von Hull City; und mit dem 19 Jahre alten Dominic Solanke wechselte ein Perspektivspieler für den Sturm von Chelsea nach Liverpool.

Zudem haben bis jetzt keine Stammspieler das Team verlassen. Aber: Spielmacher Philippe Coutinho wird vom FC Barcelona umgarnt. Die Katalanen wollen angeblich mehr als 100 Millionen Euro zahlen. Eine stattliche Summe, aber sich von Coutinho zu trennen kann sich der FC Liverpool aus sportlicher Sicht kaum erlauben. In der vergangenen Premier-League-Saison gehörte der Brasilianer mit 13 Toren und sieben Vorlagen zu den wichtigsten Kräften des Teams. Klopp sagte deshalb, man werde Coutinho in diesem Sommer keinesfalls abgeben.

Mit Blick auf die Kaderplanung ergibt das beim FC Liverpool also mehrere offene Fragen – und schon an diesem Samstag (13.30 Uhr / Live bei DAZN) startet die Mannschaft mit einem Auswärtsspiel beim FC Watford in die neue Saison. In den Wochen darauf werden Klopp und seine Profis kaum zur Ruhe kommen: In der Liga sind die Gegner dann Crystal Palace, FC Arsenal und Manchester City – und parallel dazu muss der FC Liverpool auch noch gegen 1899 Hoffenheim die Champions-League-Qualifikation ausfechten. Diese ersten Auftritte werden die Saison prägen: Wozu ist das Team in der Liga diesmal imstande? Und darf es in der Champions League ran – oder doch nur in der Europa League?

Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

Mehr erfahren

Als Klopp im Oktober 2015 den FC Liverpool übernahm, führte er ihn auf Platz acht. In seinem ersten vollständigen Jahr mit dem Klub wurde er dann Vierter; ohne das Tief zum Jahreswechsel wäre sogar noch mehr möglich gewesen. Nun beginnt seine zweite volle Saison in der Premier League – und Besitzer und Fans erwarten eine weitere Steigerung.

Angesichts der zusätzlichen Belastung durch den europäischen Wettbewerb und der kaufwütigen Konkurrenz vor allem aus Manchester dürfte das aber schwierig werden. Viel hängt davon ab, ob Coutinho bleibt und ob für die beiden vermeintlichen Schwachstellen im Team noch neue Spieler geholt werden. Einstweilen bleibt also nicht mehr zu sagen als: mal schauen.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenJürgen KloppLiverpoolFC LiverpoolManchester UnitedManchester City