3:2 gegen Ajax Amsterdam

Kein Schalker Fußballwunder

Von Richard Leipold, Gelsenkirchen
 - 23:43
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Schon kurz vor dem Ende der neunzig Minuten sangen die Fans des FC Schalke 04 in der Nordkurve ihr altes Eurofighter-Lied, das vor 20 Jahren zum Soundtrack des Uefa-Pokalsieges geworden war. Im Viertelfinalrückspiel gegen Ajax Amsterdam glaubten sie wieder an ihre Lieblingsmannschaft. Mit den beiden Toren zu Beginn der zweiten Halbzeit hatten Leon Goretzka (53. Minute) und Guido Burgstaller (56.) das 0:2 aus Hinspiel ausgeglichen. Die Entscheidung fiel erst in der Verlängerung.

Nach Daniel Caligiuris Kopfballtreffer (101.) schien Schalke unaufhaltsam Richtung Halbfinale der Europa League zu marschieren. Obwohl Amsterdam seit dem Platzverweis gegen Joel Veltman (80.) in Unterzahl spielen musste, gelangen Nick Viergever (111.) und Amin Younes (120.) noch zwei Tore, die Ajax trotz der 2:3-Niederlage zum Weiterkommen reichten. Nach dem Scheitern von Bayern München und Borussia Dortmund in der Champions League und dem Aus des FC Schalke steht keine deutsche Mannschaft im Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs.

Ein Teil der Schalker Hoffnungen hatte darauf beruht, dass die Mannschaft dieses Mal neunzig Minuten Zeit hatte, einen Rückstand von zwei Toren aufzuholen. Im Achtelfinal-Rückspiel gegen Borussia Mönchengladbach war ihnen nur noch eine Halbzeit geblieben, um die zwei Tore zu schießen, die letztlich für das Weiterkommen reichten.

Auch gegen Ajax lief den Gelsenkirchenern die Zeit davon. Die Partie hatte zwar fulminant begonnen; die erste Chance für die Heimmannschaft schien in der Arena eine besonders emotionsgeladene Atmosphäre zu erzeugen, doch der erste Eindruck, hervorgerufen durch Max Meyers Pfostenschuss, täuschte. Es wurde nichts aus dem frühen Tor, das die Schalker sich als Basis für die geplante Aufholjagd so gewünscht hatten.

Dem jungen Ajax-Ensemble gelang es alsbald, das Geschehen zu beruhigen und den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. In der Offensive brachten allerdings auch die Niederländer nicht allzu viel Gefährliches zustande. Und die auf allen vier Positionen neuformierte Schalker Abwehrkette um Kapitän Benedikt Höwedes ließ nicht viel zu.

Nach der torlosen ersten Hälfte wuchs der Druck auf die Schalker. Würden sie wieder so viel Mut, so viel Wucht aufbringen wie einige Wochen zuvor in Mönchengladbach? Vor allem die Erinnerung an jene Partie erhielt die Hoffnung auf eine abermals unverhoffte Wende aufrecht. Und tatsächlich meldete Schalke sich nach der Pause eindrucksvoll zurück – innerhalb von drei Minuten. Nach Burgstallers Vorlage hatte Goretzka, der den Angriff selbst eingeleitet hatte, im Strafraum erstaunlich viel Platz und überwand Torwart André Onana.

Unmittelbar nach dem Führungstreffer wechselte Cheftrainer Markus Weinzierl offensiv aus, um ein weiteres Zeichen zum Angriff zu geben. Für den defensiven Mittelfeldmann Benjamin Stambouli schickte er den niederländischen Stürmerstar Klaas-Jan Huntelaar aufs Feld. Die Mannschaft verstand die Botschaft und legte prompt das zweite Tor nach.

Dabei schlüpfte Burgstaller wieder in seine gewohnte Rolle als Vollstrecker. Der Österreicher profitierte von der Vorarbeit des kampfstarken Linksverteidigers Sead Kolasinac. Von der 80. Minute an musste Ajax mit zehn Mann auskommen. Verteidiger Veltman war wegen wiederholten Foulspiels mit der Gelb-Roten Karte des Feldes verwiesen worden. Diesen Vorteil wusste Schalke nicht zu nutzen.

Quelle: FAZ.NET
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