Fußball
Fußball

Nicht so gierig!

Von Achim Dreis
© dapd, F.A.Z.

Wer hat, dem wird gegeben. Und wer glaubt, dass ihm noch mehr zusteht, der will es sich auch nehmen. Bescheidenheit hatte noch nie einen Platz im Fußball. Doch zuletzt ist sogar eine der sieben Todsünden zur Tugend erhoben worden. „Die Gier auf Europas Fußballthron war noch nie so groß“, verkündete Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge stolz vor dem Spiel gegen Juventus Turin. „Die Gier wird größer“, setzte Borussia Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl noch einen drauf. Stil- und zielsicher zitierte er damit seinen Herrn und Meister. Denn Jürgen Klopp hat einst den „Mut zur Gier“ gefordert. Meister, wieder Meister, dazu Pokalsieger. Das reicht einem nicht, der von sich sagt, er könne nie genug kriegen.

Und schon plappern es alle nach. Wie taktische Muster unterliegen auch motivierende Sprüche modischen Zyklen. Plötzlich finden es alle geil, gierig zu sein. Wie es auch geil war, geizig zu sein. Nicht nur in Dortmund, nicht nur im Fußball. Doch etwas mehr Geist würde nicht schaden. Denn Gier ist keine lässliche Sünde. Sie ist eine Schwester des Neids, verbündet sich mit dem Zorn, neigt zur Völlerei und endet in der Trägheit. Das bittere Ende naht: Denn Hochmut kommt vor dem Fall.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite

Themen zu diesem Beitrag:
Jürgen Klopp | Karl-Heinz Rummenigge | Bayern | Dortmund | Europa | Juventus Turin | Fußball