Fußball-WM 2022

Qatar schützt Arbeiter kaum vor Hitze

Von Michael Ashelm
 - 16:10

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat das Emirat Qatar aufgefordert, ausländische Bauarbeiter besser vor Hitze zu schützen. Bislang sei lediglich vorgeschrieben, dass die Arbeiter von Mitte Juni bis Ende August in der Zeit zwischen 11.30 und 15.00 Uhr nicht unter freiem Himmel tätig sein dürften, heißt es in einem neuen Report von HRW. Aber auch zu anderen Tages- und Jahreszeiten könnten Klimabedingungen herrschen, welche die Gesundheit erheblich gefährdeten. Dies beträfe 800.000 Arbeitsmigranten auf den Baustellen im Land. Die Behörden zeigten damit eine „vorsätzliche Verantwortungslosigkeit“ und versagten, für einen „Mindestschutz vor der Hitze“ zu sorgen, kritisierte die Nichtregierungsorganisation.

Zugleich forderte HRW im Bericht die Verantwortlichen des Wüstenemirats auf, die speziellen Sicherheitsstandards der WM-Baustellen zu übernehmen. Seit dem vergangenen Jahr gelten dort auf Initiative der WM-Organisatoren eigene Regelungen zum Schutz der Gastarbeiter. Dies beträfe derzeit allerdings nur 12.000 von ihnen – vornehmlich im Aufbau der WM-Stadien. Der überwiegende Teil der Arbeitsmigranten ist auf den vielen anderen Baustellen des Landes tätig. „Die qatarische Regierung könnte dem Beispiel der WM-Organisatoren folgen und allen Gastarbeitern einen besseren Schutz vor Hitze ermöglichen“, sagte Sarah Leah Whitson, zuständige HRW-Direktorin für den Nahen Osten.

Im Jahr 2022 wird Qatar die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten. Seit der Bekanntgabe vor sieben Jahren ist das Projekt höchst umstritten. Auf Druck von Ligen und Verbänden entschied die Weltfußballorganisation Fifa, das Turnier wegen der Hitze im Sommer zum Schutz von Spielern und Fans erstmals in der WM-Geschichte auf den November und Dezember 2022 zu verlegen. Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, westliche Medien und Politiker kritisieren schon seit Jahren die Arbeitsbedingungen für Migranten. Das Emirat hatte zuletzt reagiert und einige neue Gesetze verabschiedet. Dabei ging es vor allem um Schutzmechanismen gegen Ausbeutung, eine freie Arbeitsplatzwahl und eine menschenwürdige Unterbringung. Allerdings ist auch bekannt, dass sich nicht alle Bauunternehmen an die Regelungen halten. Missstände werden offenbar vertuscht.

HRW bemängelt im Bericht, dass sich die qatarischen Behörden weigerten, Todesfälle unter den Arbeitern zu untersuchen und die Todeszahlen überhaupt zu veröffentlichten. Qatars Gesundheitsbehörden hätten 2013 berichtet, dass 520 Arbeiter aus Bangladesch, Indien und Nepal ums Leben gekommen seien, davon die Mehrheit aus ungeklärten Ursachen. Auf Nachfragen hätten die zuständigen Behörden zu den Fällen nicht geantwortet.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ashelm, Michael (ash.)
Michael Ashelm
Redakteur in der Wirtschaft.
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