Fußball
Rekord-Transfer

Neymars Gefahr

Von Anno Hecker
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Wie kann man bei der Erwähnung des Namens Neymar gleich an die Fußball-Kreisliga denken? Das ist wahrscheinlich eine Majestätsbeleidigung. Oder aber ein Kurzschluss im Oberstübchen als Reaktion auf die kolportierte Ablösesumme von 222 Millionen Euro, die Paris Saint-Germain (PSG) für den Brasilianer an den FC Barcelona gezahlt haben soll. Ein Irrsinn, steht weltweit zu lesen, verrückt.

Bleibt dem von der Klarheit des Spiels faszinierten Fußballfan nichts anderes übrig, als zu den Wurzeln zurückzukehren, zur Wurst für Bares beim Blick auf ein durchschaubares Spiel auf dem Dorfplatz? Das wirklich Irre an dem Transfer ist nicht die Summe, sondern die Behauptung, Neymar müsse die Millioneninvestition mit Pässen wie Torschüssen rechtfertigen und werde daran scheitern, weil nicht mal ein Fußballgott diesen Beweis erbringen könne.

Offenbar orientiert sich eine große Fraktion unter den Fußball-Liebhabern immer noch an einer als „ehrlich“ apostrophierten Spielwert-Bestimmung und versucht sich verzweifelnd an einer Neymar-Formel: Was muss unten rauskommen, wenn oben so viel Geld hineinfließt? Champions-League-Titel am laufenden Band! Diese Kalkulation hat der Präsident von PSG, Nasser al-Chelaifi, ins Spiel gebracht. Sie schürt die Träume der Fans. Aber Titel, das weiß der Scheich genau, sind, geht es regelkonform zu auf dem Platz, nur bis zu einem gewissen Maß käuflich. Die wirtschaftliche Entwicklung des Klubs lässt sich präziser planen.

Der Aufschrei in den vergangenen Tagen ist ein Beleg dafür. Mit der weltweiten Diskussion hat PSG in der Wahrnehmungstabelle zweifellos einen geldwerten Sprung gemacht. Nicht allein der Name Neymar trug dazu bei, sondern vor allem der Rekord und auch die (vorübergehende) Empörung weit über die Fußballwelt hinaus. Die Frage des merkantilen Motivs lässt sich also leicht beantworten. Mit der Berühmtheit eines Weltklassespielers sind große Märkte wie der chinesische wesentlich leichter zu öffnen als mit einem im gewissen Sinn „kopflosen“ Ensemble. Dem Sieger bei diesem Rennen winken Einnahmen, die künftige Ablösesummen für Weltstars steigen lassen werden.

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Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob das Ende der Fahnenstange erreicht ist, sondern ob und wie diese Teuerung das Spiel verändert. Zuletzt hat die Professionalisierung das Niveau eher erhöht. Der Fußball ist schneller und dennoch präziser geworden. Und das Interesse wächst. Neymar mag zwar selbst bei schwacher Form wegen seines Wertes für die Investoren über einen gewissen Zeitraum aufgestellt werden (müssen), aber das Leistungsprinzip wird er nicht grundsätzlich außer Kraft setzen.

Insofern droht dem Spiel kein größerer Schaden. Im Gegenteil. Der Fußball wird mit solchen Transfers seine Position ausbauen und noch bessere Bedingungen schaffen. Das reicht über den Weltmarkt bis in die Kreisliga hinein. Dort, wo mancher Kicker den Ball, überspitzt formuliert, weiter stoppt, als er ihn schießen kann. Trotzdem gibt es hier und da sogar Auflaufprämien, von denen talentierte Athleten anderer Sportarten nur träumen können. Darin steckt die wahre Gefahr.

Quelle: F.A.S.
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