Trainer in Frankfurt

59 Tage Mario Basler nach Rum auf der Terrasse

Von Paul Bartmuß, Frankfurt
 - 08:19

Ungefähr so muss sich Ersan Dincer das ausgemalt haben. Dutzende Medienvertreter drängelten sich am Donnerstagabend in der Vereinsgaststätte neben dem Stadion am Brentanobad. Gekommen waren sie nicht wegen Dincer, seit sechs Tagen Präsident des Fußball-Fünftligaklubs Rot-Weiss Frankfurt, sondern wegen des Mannes neben ihm, dem in der schwarz-gelben Trainingsjacke.

Mario Basler, als Spieler Europameister und dreimal deutscher Meister, versucht sich für knapp zwei Monate als Trainer beim Tabellenvorletzten der Hessenliga. Bis zum 9. Dezember, dem letzten Spieltag des Kalenderjahres, ist der „Gefallen“, der „Freundschaftsdienst“, wie es Basler ausdrückte, vorerst befristet. Bei „einem Gläschen Rum auf der Terrasse“, erzählte Verwaltungsratsmitglied Johny Baez, sei ihm die Idee gekommen, seinen Freund Basler um Hilfe zu bitten. Zumal das finanzielle Risiko moderat ist, glaubt man den Klubverantwortlichen. Private Sponsoren trügen Baslers Gehalt, so Dincer, Namen wollte er nicht nennen.

Der frühere Bayern-Star selbst betonte mehrmals, wie günstig er zu haben gewesen sei. Er sei froh, dass ihm der Verein die täglichen Fahrtkosten nach Hause in die Pfalz erstatte. Sportliche Ideen präsentierte Basler aber nicht, als moderner Taktikfreund erwies er sich ebenso wenig. „Meine Mannschaft soll immer gleich spielen“, sagte er grimmig blickend, „mich interessieren die Gegner grundsätzlich nicht.“ Dennoch wolle er schon bis zur ersten Partie am Samstag beim FC Ederbergland ein neues System einüben lassen – in nur zwei Übungseinheiten.

An eigenwilligen Ansichten mangelte es der launigen Pressekonferenz ohnehin nicht. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der Hessenliga viele Teams gibt, die besser Fußball spielen als wir“, sagte der 48-Jährige. Angesichts von bislang fünf Punkten aus zwölf Spielen eine gewagte Aussage. Dass Basler nicht viel auf Zurückhaltung gibt, war bekannt, doch wohl auch Teil des Plans. Die Klubführung ließ keine Möglichkeit verstreichen, für die anstehenden Partien Werbung zu betreiben. Und machten damit indirekt klar, welchen Zweck die Aktion erfüllt: endlich wieder ein bisschen Aufmerksamkeit für den darbenden Traditionsverein. Bei seinen beiden vorangegangenen Stationen war Basler jeweils aus der dritten Liga abgestiegen, zuletzt saß er 2012 auf einer Trainerbank.

Nun also fünfte Liga. Ob das Kurzzeitengagement wirklich nur 59 Tage währen wird, darüber war man sich auf dem Podium nicht so ganz einig. „Ziel ist es natürlich, Mario länger im Verein zu halten“, sagte der Sportliche Leiter Yüksel Ekiz. Basler wollte keine Versprechungen machen. So klein sich die Funktionäre schon selbst machten: Basler zeigte noch deutlicher, wer ab jetzt das Sagen im Verein hat. „Vielleicht kriegen wir ja noch einen richtigen Neuner“, sagte er in Richtung seiner Bosse. „Ein Stürmer ist das, was die Mannschaft braucht.“ Persönlich kennengelernt hatte Basler da noch keinen Spieler. Kurz darauf zweifelte er die Sinnhaftigkeit des U-23-Teams in der Verbandsliga an. Dincer schaute verlegen zu Boden. Ganz so hatte er sich das vielleicht auch nicht vorgestellt.

Quelle: F.A.Z.
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