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DFB-Pokal-Kommentar

Das letzte Comeback der Konzessions-Entscheidung

Von Daniel Meuren
 - 09:39

War es das vielleicht letzte Mal, dass wir dieses Fremdwort, an das mit seinem lateinischen Ursprung in der Fußballsprache wohl kein anderes heranreicht, im deutschen Fußball zu hören bekommen haben. Markierte Mats Hummels eine sprachliche Zäsur? Der Innenverteidiger des FC Bayern sprach in wunderbar gewählten Worten von der „Königin der Konzessions-Entscheidungen“, als er Schiedsrichter Felix Zwayer nach dem umstrittenen Elfmeterpfiff im DFB-Pokalspiel zwischen RB Leipzig und Bayern München kritisierte.

Die Konzessions-Entscheidung (vom lateinischen Verb concedere: zugestehen) ist ja eigentlich durch ein anderes, aber nur aus dem Englischen in die deutsche Fußballsprache eingeführtes Fremdwort abgelöst worden bis zu ihrem vielleicht letzten Comeback am Mittwochabend: Der „Video Assistent Referee“, den man durchaus auch auf Deutsch als Video-Schiedsrichterassistent bezeichnen kann, entzieht der klassischen Konzessionsentscheidung schließlich jeden Nährboden. Bei der Konzessionsentscheidung wird laut Wikipedia schließlich „unterstellt, dass der Schiedsrichter die zuvor getroffene umstrittene oder fehlerhafte Entscheidung, der er sich zwischenzeitlich bewusst geworden ist, durch eine weitere ungerechte oder fehlerhafte Entscheidung zugunsten der betroffenen Mannschaft zu korrigieren versucht“. Wo Entscheidungen über Strafstöße, Rote Karten oder Tore überprüft und korrigiert werden können, da braucht es keine Konzessions-Entscheidung mehr.

Plädoyer für den Videoassistenten

Und so war der von Millionen Zuschauern im Fernsehen beobachtete Leipziger Rückfall in Zeiten ohne Video-Assistent zugleich ein abermaliges Plädoyer für den Video-Assistenten. Trotz aller Diskussionen um die Details in der Nutzung des fernen Helfers aus dem Kölner Studio sollte spätestens nach dem Spiel am Mittwochabend jedem klar sein, welchen Segen die Neuerung für Teams und Schiedsrichter bringt. Felix Zwayers schwache Schiedsrichterleistung kann selbstredend nicht vollständig mit dem Fehlen des Video-Assistenten begründet werden. Aber gerade einem in seiner Spielführung verunsicherten Unparteiischen kann das Instrument zur Rückkehr in geordnete Bahnen verhelfen, weil es wenigstens das Risiko minimiert, krasse, für den Spielverlauf entscheidende Fehlentscheidungen zu treffen.

Deshalb ist es notwendig, dass der DFB seine Entscheidung überdenkt, den Video-Assistenten erst ab dem Viertelfinale einzusetzen. Der Verband hat bei dieser Entscheidung Rücksicht auf Klubs genommen, die kein bereits mit der Technik ausgestattetes Bundesligastadion haben. „Bei Heimspielen von Bundesligavereinen vor dem Viertelfinale wird, auch wenn technisch möglich, der Video-Assistent nicht zum Einsatz kommen. Diese Entscheidung sorgt für eine einheitliche Vorgehensweise bei allen Spielen und beugt einer Ungleichbehandlung der Partien vor“, stellte der DFB erst vergangene Woche noch einmal klar. Aber wäre es tatsächlich eine Ungleichbehandlung der Partie Regensburg gegen Heidenheim oder Düsseldorf gegen Mönchengladbach, wenn in Leipzig der Video-Assistent Recht gesprochen hätte? Kann man Fußballbegegnungen an sich ungerecht behandeln? Das ist vermutlich fast eine rechtsphilosophische Frage.

Im Achtelfinale findet nun mindestens das Heimspiel des Drittligaklubs SC Paderborn an einem Ort statt, der eigens ausgestattet werden müsste mit einer „mobilen Video-Assistent-Technik“, die der DFB eben erst für das Viertelfinale vorgesehen hat. Für die Integrität des Wettbewerbs wäre es vermutlich aber eine gute Investition, den Video-Assistenten zu nutzen. Wenigstens die Spitzenwettbewerbe des deutschen Fußballs, aus praktischen Gründen wegen der gut 30 Erstrunden-Spielorte in Amateurstadien vermutlich erst ab Runde zwei des DFB-Pokals, sollten auf gleichem Niveau durchgeführt werden. Es ist schließlich schon unverständlich genug, dass die Uefa selbst in der Champions League auf technische Hilfsmittel verzichtet und stattdessen noch immer einen vierten und fünften Schiedsrichter hinter dem Tor plaziert.

Dort ist auch Felix Zwayer im Einsatz. Er gehört schließlich zu den international eingesetzten deutschen Unparteiischen. Allein der Wortwahl eines in einem bayrischen Gymnasium vermutlich auch in Etymologie und in Latein geschulten Mats Hummels wird er dort nicht mehr begegnen. Deutsche Schiedsrichter leiten keine Begegnungen deutscher Teams.

Quelle: FAZ.NET
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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