Fußball
Premier League

Duell der Generationen

Von Marcus Erberich
© Reuters, F.A.Z.

Welche Liga ist besser: die Bundesliga oder die Premier League? Freunde des englischen Fußballs argumentieren in dieser Frage gern mit den so genannten „Top Six“, den sechs Spitzenklubs also, die in England Jahr für Jahr Anspruch auf die Meisterschaft erheben: die Londoner Klubs Chelsea, Arsenal und Tottenham, die Manchester-Rivalen United und City sowie der FC Liverpool. In Deutschland hingegen, sagen sie, komme nach den Bayern lange nichts. Für die Zuschauer ist der oft spannende Titelkampf in der Premier League eine reizvolle Angelegenheit.

Während in der Bundesliga in den fünf Jahren seit der Saison 2012/13 stets der FC Bayern München Meister wurde, gab es in der Premier League in dieser Zeit vier verschiedene Titelträger – darunter mit Leicester City in der vergangenen Spielzeit eine handfeste Sensation. Für die Klubs hingegen ist das Gedränge an der Spitze auch ein Problem. Denn die Tabellenplätze, die für die finanziell so wichtige Champions League qualifizieren, werden bei so vielen Anwärtern rar.

In der laufenden Saison entscheidet sich der Kampf um die verbliebenen Champions-League-Tickets erst am letzten Spieltag. Meister Chelsea und der Meisterschaftszweite Tottenham sind schon sicher dabei; das von Pep Guardiola trainierte Manchester City hat es am Sonntag selbst in der Hand, Platz drei mit einem Sieg beim Tabellen-Sechzehnten FC Watford zu verteidigen. Sollte das den Citizens gelingen, bliebe nur noch Rang vier übrig, der zwar nicht automatisch den Einzug in die Gruppenphase der Champions League bedeutet, aber immerhin die Teilnahme an der Qualifikationsrunde. Auf diesem Platz steht aktuell der FC Liverpool – doch der FC Arsenal auf Platz fünf hat nur einen Punkt weniger eingesammelt.

Seit 21 Jahren Trainer des FC Arsenal: Arsene Wenger
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Die Entscheidung fällt im Fernduell: Liverpool empfängt den schon sicheren Absteiger FC Middlesbrough; Arsenal spielt zu Hause gegen den FC Everton, der in der Tabelle nur zwei Plätze hinter den „Gunners“ steht. Es wird also auch das Fernduell zweier Trainer, deren Leistungen von ihren Klubs maßgeblich daran bewertet werden, ob sie den Sprung in die Champions League schaffen oder nicht: Jürgen Klopp gegen Arsène Wenger, der Zweikampf zweier Generationen von Fußballtrainern.

Klopp ist erst seit Oktober 2015 Trainer des FC Liverpool. Am Sonntag endet seine erste vollständige Saison mit dem Traditionsklub, der seit 2014 nicht mehr in der Champions League gespielt hat. Der 49-Jährige ist bei den Liverpool-Fans auch wegen seines emotionalen Charakters sehr beliebt. Aber ohne die Qualifikation für den wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb stünde er mit leeren Händen da – und geriete vor den Klubbesitzern womöglich in Erklärungsnot. Die Aussichten sind gegen Middlesbrough zwar gut, aber Klopp wolle trotzdem nicht „Punkte zählen, bevor man sie hat“. Er sei jetzt lang genug im Geschäft, um zu wissen, dass das ein Fehler sei. Schließlich warnte er davor, einen schon als Absteiger feststehenden Gegner zu unterschätzen. „Middlesbrough hat nichts zu verlieren“, sagt Klopp: „Aber wir haben alles zu verlieren.“

Neu auf der Insel: Pep Guardiola
© dpa, F.A.Z.

Denn sollte der FC Liverpool beim Zieleinlauf stolpern, wäre das die Chance für den FC Arsenal, in letzter Sekunde an Klopps Mannschaft vorbeizuziehen und damit den Sprung in die Champions League nach einer überaus holprigen Saison doch noch zu schaffen. Dazu müssten die Londoner jedoch ihr Spiel gegen den FC Everton gewinnen; je nach Höhe einer möglichen Liverpool-Niederlage könnte sogar ein Unentschieden reichen.

Keine leichte Aufgabe für die Mannschaft von Arsène Wenger. Der 67-Jährige steht nach knapp 21 Dienstjahren als Cheftrainer beim FC Arsenal, in denen der Klub immer mindestens Vierter in der Premier League wurde, massiv in der Kritik. Teile der Fans fordern mit aller Macht seine Ablösung, beim Gastspiel in Stoke vor wenigen Tagen kreiste über dem Stadion ein Flugzeug, das ein Banner mit der Aufschrift „Wenger – raus heißt raus!“ hinter sich herzog. Vergleichbare Aktionen hatte es schon früher in der Saison gegeben.

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Im Sommer läuft Wengers Vertrag aus, allerdings soll ihm vom Klub schon ein neues Angebot für zwei weitere Jahre vorliegen. Ob er es annehmen wird, darüber schweigt Wenger seit Wochen beharrlich. Womöglich macht er seine Zukunft auch davon abhängig, ob er seine Serie ausbauen und seine Mannschaft zum 21. Mal in Folge unter die vier besten Teams der Premier League führen kann. Der Ausgang des Fernduells mit Jürgen Klopp am letzten Spieltag der Saison könnte dann beim FC Arsenal gleich zwei Entscheidungen herbeiführen.

Quelle: F.A.Z.
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