Fußball
Eurogoals

Slapstick-Einlagen helfen Guardiola und Klopp

Von Tobias Rabe
© dpa, FAZ.NET

Der Elfmeter ist die Standardsituation des Fußballs. 1891 wurde er erfunden, zwei Jahre später auch in Deutschland eingeführt. Doch selbst dieser Tage gibt es rund um den Elfmeter noch etwas, das es bisher nie gab. Dafür sorgt die Europäische Fußball Union (Uefa). Für mehr Gerechtigkeit haben sich die Funktionäre den ABBA-Modus ausgedacht, in dem nicht immer dieselbe Mannschaft vorlegen muss. Zuerst jubeln nach diesem Format durften die deutschen U-17-Spielerinnen, die im EM-Halbfinale mit drei verschossenen Versuchen fast ihr Waterloo erlebten, am Ende Norwegen aber doch noch besiegten, weil die Torhüterin vier Schüsse abwehrte. Am Sonntag besiegten sie auch Spanien im Endspiel – natürlich nach Elfmeterschießen.

Kurios wurde es am Kreidepunkt im Halbfinale der Champions League, als Atlético-Stürmer Antoine Griezmann wegrutschte, sich selbst anschoss und der Ball zum 2:0 ins Tor von Real Madrid flog. Das war nicht regulär, doch der Schiedsrichter erkannte den Doppelkontakt nicht. Offensichtlich aber hat Robert Madley genau hingeschaut. Der Referee sah, wie Ryad Mahrez von Leicester City beim Spiel bei Manchester City den Ball beim Schuss zweimal berührte. Es gab indirekten Freistoß für das Team von Pep Guardiola, das die Partie auch wegen Mahrez‘ Slapstick-Einlage mit 2:1 gewann. David Silva und Gabriel Jesus trafen, Shinji Okazaki schoss das einzige regelkonforme Leicester-Tor.

Damit hat City nun beste Aussichten auf Champions-League-Platz drei mit 72 Punkten und noch zwei ausstehenden Partien. 73 Punkte, aber nur noch ein Spiel hat der FC Liverpool. Die „Reds“ wahrten die Chance auf Rang drei durch einen beeindruckenden Sieg bei West Ham United. Das Team von Trainer Jürgen Klopp siegte auswärts mit 4:0. Daniel Sturridge, zweimal Philippe Coutinho und Divock Origi trafen. Für ein Kuriosum sorgte auf der anderen Seite André Ayew. Der Ghanaer schoss in einer Szene aus zwei Metern gleich zweimal gegen den Pfosten.

Etwas Hoffnung auf die Qualifikation für die Champions League kann sich auch wieder der FC Arsenal machen. Die „Gunners“, bei denen noch unklar ist, ob Trainer Arsène Wenger nach 21 Jahren aufhört oder weitermacht, hatten bei Stoke City, für die es um nichts mehr ging in der englischen Premier League, leichtes Spiel. Olivier Giroud mit einem Doppelpack, der deutsche Nationalspieler Mesut Özil und Alexis Sanchez trafen bei einem Gegentor von Peter Crouch. Trotzdem muss Arsenal im Kampf um die Königsklasse bei drei Punkten Rückstand auf ManCity auf einen Patzer der Konkurrenz hoffen.

Das Ticket für die Champions League hat Tottenham Hotspur längst sicher als Zweiter der Tabelle. Daher konnten sich die Spurs ganz auf den historischen Charakter ihres Spiels gegen Manchester United konzentrieren. Es war das letzte an der legendären White Hart Lane, die 1899, also nicht lange nach der Erfindung des Elfmeters, eröffnet wurde. Ganz in der Nähe wird nun eine neue Arena errichtet. Der Abschied war ganz nach dem Geschmack der Spurs; sie gewannen dank der Treffer von Victor Wanyama und Harry Kane bei einem Gegentor von Wayne Rooney mit 2:1.

Dass die Spurs sich ganz auf die Folklore rund um ihr Stadion konzentrieren konnten, lag auch am FC Chelsea. Die „Blues“ machten bereits zwei Tage zuvor ihre Meisterschaft perfekt. Bei West Bromwich Albion tat sich die Mannschaft von Trainer Antonio Conte, der erst vor der Saison nach London kam, schwer. Doch der eingewechselte Michy Batshuayi drückte den Ball kurz vor dem Ende doch noch über die Linie. Sieben Punkte Vorsprung bei noch zwei Partien sind nicht mehr aufzuholen. Dagegen stehen AFC Sunderland, FC Middlesbrough und Hull City als Absteiger in England fest.

Im Gleichschritt marschieren die Schwergewichte der spanischen Primera División an der Spitze vornweg. Der FC Barcelona wahrte seine Chance auf den Meistertitel – zudem können die Katalanen noch den Pokal gewinnen – durch einen 4:1 bei UD Las Palmas. Neymar mit einem Dreierpack und Luis Suarez trafen auf Gran Canaria. Damit bleibt Barça Tabellenerster – und dennoch Außenseiter. Während das Team von Luis Enrique nur noch das Spiel gegen Eibar hat, darf das punktgleiche Real Madrid noch am Mittwoch im Nachholspiel bei Celta Vigo (21.00 Uhr / Live bei Dazn) und danach beim FC Malaga ran.

Das schwere Heimspiel gegen Europa-League-Sieger FC Sevilla gewann Real souverän mit 4:1. Doch vor allem das erste Tor von Nacho sorgte für heftige Diskussionen. Isco war kurz vor dem Strafraum gefoult worden. Während Sevilla noch debattierte, schoss der Abwehrspieler den Ball einfach flach ins Tor – ohne Mauer, ohne Reaktion des Torwarts. Der Schiedsrichter sah keine Regelwidrigkeit, was die Andalusier noch wütender machte. Dann legte Cristiano Ronaldo zweimal nach. Den Schlusspunkt setzte der deutsche Weltmeister Toni Kroos mit einem technisch feinen Treffer per Außenrist.

Ebenfalls noch nicht entschieden ist die Meisterschaft in der italienischen Serie A. Dort können, rein theoretisch, sogar noch drei Vereine den Titel holen. Im Topspiel zwischen AS Rom und Juventus Turin siegte der Klub aus der Hauptstadt nach Rückstand 3:1. Daniele de Rossi, Stephan El Shaarawy und Radja Nainggolan drehten die Partie nach der Führung des Champions-League-Finalisten durch Mario Lemina. Juve führt zwei Spieltage vor dem Ende mit vier Punkten vor der Roma, einen Zähler dahinter liegt der SSC Neapel, der beim FC Turin mit 5:0 gewann.

Ähnlich wie Juventus fehlt auch dem Gegner aus dem Halbfinale der Champions League, dem AS Monaco, nicht mehr viel zum Gewinn der nationalen Meisterschaft in der französischen Ligue 1. Das Team aus dem Fürstentum braucht aus zwei Spielen noch einen Punkt, um den Titel einzufahren. Im Heimspiel gegen Lille OSC hatte die Elf von Leonardo Jardim wenig Mühe und gewann mit 4:0. Radamel Falcao mit einem Doppelpack, Bernardo Silva und ein Eigentor von Junior Alonso sorgten für den vorletzten Schritt – und knackten zugleich die 100-Tore-Marke des AS Monaco.

So viele Treffer hat Verfolger Paris St. Germain in dieser Saison nicht erzielt. Dabei legte der Klub aus der Hauptstadt an diesem Wochenende noch einen drauf und gewann mit 5:0 bei AS Saint-Etienne. Torjäger Edinson Cavani und Lucas Moura mit je zwei Treffern stellten die Weichen, ehe der deutsche Nationalspieler Julian Draxler in der letzten Minute auch noch erfolgreich war. In der eigenen Hand hat es PSG aber nicht mehr. Vielmehr müsste Monaco nun beide Partien verlieren. Und wer mag bei dieser Tormaschine schon daran glauben?

Quelle: FAZ.NET
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