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Überraschender Rücktritt

Darum verlässt Zidane Real Madrid so plötzlich

Von Hans-Günter Kellner, Madrid
 - 16:24

Die Nachricht ist in Madrid wie eine Bombe eingeschlagen: Zinedine Zidane verlässt Real Madrid. Mit drei Champions-League-Titeln nacheinander, einer spanischen Meisterschaft, einem spanischen Supercup, zwei europäischen Supercups und dem zweimaligen Gewinn der Fifa-Klubweltmeisterschaft ist er einer der erfolgreichsten Vereinstrainer weltweit. Sein Vertrag lief bis Mitte 2020. Doch nach zweieinhalb so außergewöhnlich erfolgreichen Jahren sagt er: „Es ist Zeit für einen Wechsel.“

Den Wechsel brauche nicht er, sondern seine Mannschaft. In einer eilig angesetzten Pressekonferenz sagte Zidane am Donnerstag, die Spieler benötigten eine neue Ansprache, neue Trainingsmethoden, wenn sie weiterhin Titel gewinnen sollten. Er selbst habe das Gefühl, sich in der Zeit als Real-Trainer abgenutzt zu haben. Nach drei Triumphen in der Champions League falle es ihm schwer, von den Spielern weiterhin bedingungslosen Erfolg abzufordern. Er habe sich die Entscheidung gut überlegt, es sei kein trauriger Moment für ihn. Der Franzose lächelte während der kurzen Pressekonferenz entspannt, doch ein wenig Frustration war auch herauszuhören, als er das Ausscheiden im Königspokal gegen den Vorortklub Leganés beklagte. Dies sei der traurigste Moment als Real-Trainer gewesen, erklärte Zidane. Die Mannschaft verlor im eigenen Stadion 1:2, nachdem sie das Hinspiel bereits 1:0 gewonnen hatte.

Aber auch der schönste Moment deutet auf eine gewisse Enttäuschung hin: Denn am meisten habe er sich nicht über einen der drei Champions-League-Pokale gefreut, sondern über den Gewinn der Meisterschaft im vergangenen Jahr, sagte er zum Abschied. Zidane hatte schon vor dem Champions-League-Finale in Kiew erklärt, der schwerste Wettbewerb sei nicht der europäische, in dem die Hochform in wenigen Spielen entscheidend sei, sondern die Liga, in der das Team jede Woche konstant erfolgreich sein müsse. Doch seine Mannschaft beendete die Saison auf dem dritten Tabellenplatz der Primera División mit 17 Punkten Rückstand auf den Meister FC Barcelona.

Ein Teil der Spieler sei bequem geworden, meint die Madrider Sportpresse. Vor allem war das Team außerordentlich schlecht in die Saison gestartet. In der Hinrunde verlor Real Madrid auf den FC Barcelona 16 Punkte. Gegen Betis Sevilla oder Aufsteiger Girona verlor Zidanes Elf, gegen Barça setzte es gar eine 0:3-Heimniederlage. Befürchtete Zidane ein neues Form- und Motivationsloch zum nächsten Saisonstart? Zumindest lässt sich seine Erklärung, die Mannschaft benötige einen anderen „Diskurs“, so interpretieren.

Für viel Frustration dürften bei Zidane auch die Erklärungen von Cristiano Ronaldo und Gareth Bale nach dem jüngsten Triumph gegen den FC Liverpool gesorgt haben. Bale, der zum 3:1 gerade mit einem spektakulären Fallrückzieher und einem Fernschuss zwei Tore beigesteuert hatte, sagte in Kiew, er werde zusammen mit seinem Berater prüfen, wo er demnächst spiele. Er müsse jedes Wochenende auf dem Platz stehen und wolle kein Einwechselspieler sein. Und Ronaldo meinte nur wenige Minuten nach Abpfiff des Finales, es sei bei Real Madrid eine schöne Zeit gewesen, mehr werde er in ein paar Tagen sagen. Der mit so vielen Stars gespickte Kader schien Zidane um die Ohren zu fliegen. Dabei hatte er vor dem Spiel noch erklärt, seine Stärke als Trainer sei es, die Spieler bei Laune zu halten. Es sei keine leichte Aufgabe, Spielern, die im Training immer alles geben, am Spieltag zu erklären, dass sie sich auf die Bank oder gar auf die Tribüne setzen müssten.

Doch gerade diese Aufgabe wird nächste Saison nicht leichter. Hinter Ronaldos Erklärungen stecke der Wunsch, einen besser dotierten Vertrag zu bekommen, vermuten spanische Medien. Der Portugiese wolle mindestens ebenso viel verdienen wie Messi, dafür müsste der Klub sein Gehalt von „nur“ 21 Millionen Euro netto im nächsten Jahr verdoppeln. Das dürfte das Gehaltsgefüge ordentlich durcheinander bringen, zumal der Kader sowieso erneuert werden muss. Die Sportpresse spekuliert immer wieder über Neymar als Neuzugang, was Zinedine Zidane, der so oft von der Bedeutung des Kollektivs spricht, wenig begeistern dürfte.

Dennoch klang Zidane aufgeräumt, mit sich selbst im Reinen, während er nun in freundlichem Ton seinen Abschied bei Real kundtat. Seine Entscheidung stehe schon länger fest, er werde aber nicht verraten, wann er sie getroffen habe, sagte er. Gegen lange und reifliche Überlegungen spricht hingegen die so kurzfristig angesetzte Pressekonferenz. Zidane hat sich nicht einmal persönlich von seinen Spielern verabschiedet – einige dankten ihm über die sozialen Netzwerke. Klubchef Florentino Pérez erklärte, der Trainer habe ihm seine Entscheidung am Mittwoch mitgeteilt. Über einen möglichen Nachfolger wollte er nichts sagen.

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Quelle: F.A.Z.
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