Chance der Handballfrauen

Zukunft trotz des Zusammenbruchs

Von Frank Heike
 - 17:49

Dieser neue Mann kommt jetzt wie gerufen. Henk Groener hat zwischen 2009 und 2015 ein unbekanntes Land auf die Karte des Frauenhandballs gebracht – die Niederlande. Zweiter der WM 2015 in Dänemark, Vierter bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio. Bei den Titelkämpfen in Deutschland gehören die Holländerinnen wieder zum Favoritenkreis.

Mit viel zentraler Förderung vom Mädchenalter an hatte der niederländische Verband die Schwächen der eigenen Liga ausgeglichen; inzwischen sind Tess Wester, Nycke Groot & Co Exportschlager. Sie spielen wichtige Rollen bei Klubs in Frankreich, Dänemark und Ungarn. Auch der deutsche Meister aus Bietigheim-Bissingen hat einige Holländerinnen im Aufgebot, was aus deutscher Sicht allerdings ein zweischneidiges Schwert ist: Keine Spielerin, die am Sonntagabend beim bitteren Ausscheiden der Deutschen gegen Dänemark dabei war, kommt vom kurz „BBM“ gerufenen Champion.

Frauen-Bundestrainer Biegler ist es misslungen, die deutschen Frauen auf den Punkt zu fokussieren. Ihre Leistungskurve zeigte vom überzeugenden Sieg gegen Südkorea im zweiten Gruppenspiel nach unten. Letztlich blieb es auch Biegler ein Rätsel, warum die „Ladys“ in Magdeburg unter der Last zusammenbrachen, Zugpferd des Turniers sein zu müssen.

Sein Nachfolger aus den Niederlanden kennt die Ausschläge besser, die zum Frauenhandball gehören. Er hat Nervenschwäche und Fehlentscheidungen bei den Niederländerinnen über diese sechs Jahre korrigiert. Es sind Menschen, die spielen, Fehlpässe und falsche Laufwege wird es immer geben. Aber entweder muss die Exzellenz Einzelner so etwa ausbessern oder die Kraft der Gruppe. Die Niederländerinnen hatten bei ihren großen Momenten 2015 und 2016 von beidem etwas. Die Deutschen hatten am Sonntag nichts davon.

Und trotzdem stimmt es, dass diese Mannschaft eine Zukunft hat. Es kommen junge Spielerinnen nach, das Gerüst steht, und im Handball ist nach dem Turnier immer vor dem Turnier. Hoffen lässt zudem, dass der DHB nach etlichen Notlösungen wie zuletzt Jakob Vestergaard in Henk Groener einen namhaften Coach aus dem Frauen-Bereich gescoutet hat. Er hat nun ein Jahr Zeit, es bei der EM Ende 2018 in Frankreich besser zu machen als Michael Biegler. Vielleicht hilft es ja, dass dann wieder (fast) keiner zuschaut.

Quelle: F.A.Z.
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