Holländische Handballerinnen

Geschick und Glamour

Von Frank Heike
 - 15:27

Der dänische Einfluss des niederländischen Handball-Aufschwungs ist unübersehbar. Seit einem Jahr trainiert Helle Thomsen die Frauen in Orange; die Dänin hatte sich vorher als einzige Trainerin in Dänemarks oberster Frauen-Liga einen Namen gemacht. Gleich bei ihrem ersten Auftritt mit den Niederlanden holte Helle Thomsen vor einem Jahr in Schweden bei der Europameisterschaft den zweiten Platz.

Die Holländerinnen gehören schon seit einigen Jahren zur Weltspitze im Frauenhandball. An diesem Freitag (17.30 Uhr bei Sport1) stehen sie vor der ultimativen Herausforderung: In Hamburg messen sie sich im Halbfinale der WM mit den Norwegerinnen. Dass Norwegen, Holland sowie Schweden und Frankreich noch dabei sind, ist mit Blick auf Eintrittskarten ein Glück für den veranstaltenden Deutschen Handballbund (DHB) nach dem frühen Scheitern der Deutschen. Orange wird also eine dominante Farbe sein auf den Rängen. Spätestens seit der WM 2015 in Dänemark ist Frauenhandball schließlich ein Renner in den Niederlanden. Kurz vor Beginn hatte sich damals ein niederländischer Kabelnetzbetreiber die Rechte am Turnier gesichert und zeigte alle Spiele der Mannschaft, die bis ins Halbfinale kam. Inzwischen sind sogar Testspiele ausverkauft.

Der Urknall des holländischen Handballs liegt knapp 20 Jahre zurück. Jan Pytlick, früherer Trainer des dänischen Nationalteams und des Topklubs GOG, lernte den holländischen Handballtrainer Bert Bouwer kennen. Gemeinsam überlegten sie, wie beide Seiten profitieren könnten. Es gab vier, fünf holländische Spielerinnen, die in der heimischen Liga unterfordert waren und mit anderen in der Handball-Akademie Papendal zusammengezogen wurden, um dort über das Vereinstraining hinaus zu üben. GOG schwächelte nach starken Jahren.

Es fand sich ein handballbegeisterter IT-Millionär, Ton van Born, der bereit war, das Gehalt von vier Niederländerinnen zu übernehmen, die fortan für GOG spielten. Sie wurden besser in der starken dänischen Liga, andere folgten. Helle Thomsens heutige Assistentin Olga Assink war eine der Frauen, die 1999 nach Dänemark gingen. Gleichzeitig baute der holländische Verband seine Akademie bei Arnheim aus. Einer der Vordenker war Henk Groener, der seine Version vom holländischen Handball als Leitbild niederschrieb: schnell, dynamisch, überraschend. Groener etablierte die Holländerinnen als Nationaltrainer zwischen 2009 und 2016 in der Weltspitze.

Heute kommen 80 Prozent der Nationalspielerinnen aus dem Internat. Keine der aktuellen Profis arbeitet in Holland, sondern in Ungarn, Dänemark und Deutschland. Estevana Polman, Nycke Groot, Laura van der Heijden und Danick Snelder sind zuhause Stars. Dass Estevana Polmans Partner Rafael van der Vaart heißt, hat zusätzlich für Glamour gesorgt. Raus aus dem Klubtraining, rein in zentrale Maßnahmen, das war der holländische Schlüssel zum Erfolg. Auf diesen Weg hat sich in seinen 20 Monaten auch Michael Biegler gemacht, der scheidende Bundestrainer. Dass auf ihn am 1. Januar 2018 Groener als Frauen-Bundestrainer folgt, ist eine ausgesprochen gute Nachricht.

Quelle: F.A.Z.
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