Handball-Coach Biegler:

„Eine Trainerin wäre besser“

Von Rainer Seele, Leipzig
 - 15:25

Ein knorriger Typ, ein schwieriger Mann manchmal. „Er fordert sehr viel“, sagt Wolfgang Sommerfeld über Michael Biegler. Ohne dass er Rücksicht auf sich selbst nehme: „Er schont sich in keiner Weise“, ergänzt Sommerfeld, Sportdirektor beim Deutschen Handballbund (DHB) und einer der engsten Vertrauten des Bundestrainers Biegler. Er hält sehr viel von ihm, und Biegler kommt auch bei seinem Team gut an, mit dem er ein Projekt gestartet hat, in dessen Endphase unter seiner Leitung er nun ist: Weltmeisterschaft der Frauen im eigenen Land, die Deutschen stehen schon im Achtelfinale, sie kämpfen nun noch in ihrer Vorrundengruppe in Leipzig an diesem Freitag gegen die Niederlande um eine günstige Ausgangsposition, um einen möglichst „leichten“ Gegner am Sonntag in Magdeburg.

„Da muss man liefern“, sagt Biegler, der selbst schon eine Menge in die Neustrukturierung des Frauenhandballs investiert hat. So viel, dass Kapitänin Anna Loerper sagt: „Ich gebe ihn nur ungern wieder her.“ Nach der WM ist Schluss für Biegler, er übernimmt die Männer des SC DHfK Leipzig. Und wird beim Nationalteam der Frauen von einem Niederländer abgelöst, von Henk Groener. Biegler hätte sich lieber eine Frau als Nachfolgerin gewünscht. Er sagt: „Ganz allgemein glaube ich, dass eine Bundestrainerin noch mehr aus der Mannschaft herausholen könnte.“

Das wird so schnell nicht geschehen, Groener erhielt einen bis zum 31. August 2020 datierten Vertrag, der die Olympischen Spiele in Tokio einschließt. Die deutschen Handballspielerinnen haben, wie Frauenteams aus anderen Sportarten, reichlich Erfahrung mit Trainern, große Diskussionen sind über die Besetzung solcher Posten mit Männern nicht entstanden. Der DHB wischt Bieglers Einschätzung allerdings nicht einfach weg. Er möchte seine Nationalspielerinnen, vielleicht nach Groeners Ära, tatsächlich von einer Frau betreuen lassen. „Das sollte das mittelfristige Ziel sein“, sagt Sommerfeld.

Keine einfache Angelegenheit, der Kreis der geeigneten Kandidatinnen ist sehr klein, nicht nur auf Deutschland bezogen. „Es sind zu wenige auf dem Markt“, sagt Sommerfeld. So führte der Weg jetzt auch zu Groener, der wissen ließ, dass er sich auf die Herausforderung freue, die Entwicklung des deutschen Frauen-Nationalteams fortsetzen zu dürfen.

Ein Mann unter Frauen: Normalität im Sport, häufig gedeihliches Zusammenarbeiten. Wie bei Biegler und den Handballspielerinnen. „Sie hängen ihm an den Lippen“, sagt Sommerfeld, „er versteht sie.“ Und Anna Loerper betont trotz des gelegentlich schroffen Auftretens Bieglers: „Er ist unheimlich feinfühlig, was zwischenmenschliche Sachen anbelangt.“ Doch Sommerfeld weist auf gewisse Grenzen unter den Geschlechtern hin. „Wir leben nicht wirklich mit dem Team. Wir wissen nicht, was auf der Hoteletage passiert. Wir können nicht ungefragt in die Kabine gehen.“

Nicht so einfach also, soll das heißen, Stimmung und Strömungen im Frauenteam auszuloten. Aber die Tage von Leipzig offenbarten ein wirkungsvolles Miteinander von Biegler und den Spielerinnen. Die gegenseitige Wertschätzung ist groß. „Sie hat ganz tolle Facetten“, sagt Biegler anerkennend über seine Handball-Gemeinschaft. Unter Groener aber soll es doch ein weibliches Element im Trainerstab geben: Der Niederländer, heißt es, sei vom DHB aufgefordert worden, mit einer Assistentin zu kooperieren. Er kann sie sich selbst suchen.

Quelle: F.A.Z.
Rainer Seele
Sportredakteur.
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