Handball-Trainer Jacobsen

Der Spagat-Künstler aus Dänemark

Von Frank Heike
 - 17:38

Die Gerüchte in der Handballszene hatten sich so hartnäckig gehalten, dass sie schon fast in den Rang von Fakten aufgerückt waren: Nikolaj Jacobsen hat bei den Rhein-Neckar Löwen zwar einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019, doch werde er diesen nicht erfüllen, sondern ein Jahr früher in Mannheim aufhören, um sich auf seinen Job als Trainer der dänischen Nationalmannschaft zu konzentrieren. Schließlich beginnt am 10. Januar 2019 die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark. Und da sei es doch nur sinnvoll und verständlich, dass Jacobsen vom Sommer 2018 an die Geschicke im kleinen Königreich lenke, statt sich weiter auf die stressige Doppelaufgabe einzulassen.

Handball-EM 2018: Spielplan, Ergebnisse, Termine

Die Löwen also auf Trainersuche? Diesem Flurfunk hat Jacobsen selbst den Wind aus den Segeln genommen. Nach dem rauschhaften 37:23 gegen die Füchse Berlin am vergangenen Donnerstag sagte Jacobsen: „Ich bleibe bis 2019, zu 100 Prozent. Ich habe vielen Leuten mein Wort gegeben, meinen Spielern, dem Verein und unseren Fans. Ich werde mein Wort nicht brechen.“

Damit bestätigte der 45 Jahre alte Däne das, was Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann dieser Zeitung schon vor ein paar Wochen bestätigt hatte. „Nikolaj und ich haben schon mehrmals über das Thema gesprochen, und er hat immer gesagt, er bleibt. Ich weiß nicht, woher die Gerüchte kommen.“

Mischung aus Strenge und Leichtigkeit

Tatsächlich ist es für Jacobsen ein Spagat, denn seine Frau und die drei Kinder leben in Dänemark. Und bei diesem Zeitplan, der für die Löwen vor Terminen fast platzt, gibt es wenig Raum für Familien-Heimfahrten – und wenn, sind sie mit Lehrgängen des dänischen Teams verbunden.

Verschleiß ist bei Jacobsen trotzdem nicht festzustellen. Mit einer Mischung aus Strenge und Leichtigkeit kommt der frühere Kieler Linksaußen in seiner Meistermannschaft weiterhin sehr gut an. Was er vorgibt, wird auch gemacht – wer allerdings in Spielmacher Andy Schmid und Abwehrchef Gideon Guardiola so gelehrige Schüler hat, der muss sich um das Funktionieren des Teams keine Sorgen machen.

Als es im maximal anstrengenden November keinen Sieg aus fünf Spielen in Champions League und Bundesliga gab, verlor niemand die Nerven. Jacobsen kritisierte das Team harsch; vor allem die Niederlagen in Göppingen und Zagreb hatten ihm missfallen, weil er Mut und Entschlossenheit vermisste. Die Fülle von Spielen und Reisen ließen weder er noch die Führungskräfte als Grund gelten.

Bei den Rhein-Neckar Löwen ist allen klar, dass die Stamm-Sieben jeden Gegner schlagen kann, nicht umsonst sind die Mannheimer zweimal deutscher Meister geworden. Doch wenn die Last auf die Schultern vieler gelegt werden muss, weil das Stammpersonal mal Pausen braucht, entstehen Probleme – auf den hinteren Kaderpositionen wird es dünn. Spieler wie Schmid, Guardiola oder Alexander Petersson dürfen im Grunde nicht ausfallen. Allerdings ist Jacobsen kein Trainer, der ständig mehr verlangt. Die Arbeit mit einer kleinen, schlagkräftigen Gruppe behagt ihm. Das hat er sich bei seinem früheren Lehrmeister Noka Serdarusic abgeschaut.

Schöner Handball zu erwarten

Die Stolperer von Ende November sind vergessen, denn sein Team gewann die bisherigen Dezember-Spiele überzeugend. Dabei war der Sieg gegen die Füchse, den entthronten Tabellenführer, eine Machtdemonstration. Immer wieder lautete das Strickmuster: Parade Mikael Appelgren, Gegenstoß, Tor. 19 Gegenstoßtore! Die meisten über Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson. Wenn an diesem Donnerstag (20.45 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Handball-Budnesliga) die Rückrunde beginnt, wird die SG Flensburg-Handewitt gewarnt sein. Es spielt der Erste gegen den Zweiten, das Hinspiel hat die SG Flensburg gewonnen, und in der Vorsaison entführten die Norddeutschen die Punkte aus Mannheim.

Es ist meist schöner Handball zu erwarten, wenn die Rivalen gegeneinander spielen. Und dass in Rasmus Lauge, Kevin Möller und Lasse Svan drei dänische Auswahlspieler auf Seiten der Flensburger gegen ihren Nationaltrainer spielen, birgt zusätzliche Brisanz.

Am vergangenen Dienstag bewiesen die Löwen dann wieder einmal, dass sie gut planen können. Zum Saisonende verlässt sie Kreisläufer Hendrik Pekeler in Richtung Kiel. In Jannik Kohlbacher aus Wetzlar gibt es schon einen Nachfolger, und da Rafael Baenas Kontrakt nicht verlängert wird, kommt in Jesper Nielsen ein erfahrener Mann für den Kreis aus Paris nach Mannheim. Den jetzigen Berliner Steffen Fäth haben die Löwen für die kommende Saison schon verpflichtet, auch, um den Abgang von Kim Ekdahl du Rietz aus diesem Sommer weiter zu kompensieren. Der Kader wird also verbreitert, und zwar mit Spielern, die den Rhein-Neckar Löwen sofort weiterhelfen dürften. Ob nun in dieser Saison oder der nächsten: Sein Ziel, dreimal Meister zu werden, kann der Handball-Lehrer Jacobsen mit diesem klug gebauten und clever gecoachten Team zuversichtlich angehen.

Quelle: F.A.Z.
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