Chapeau & Attaque

Goldene Hochzeit, schmerzhafte Trennung

Von Christian Eichler
 - 15:55
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Einen Tag vor seinem Wimbledon-Finale kaufte Andre Agassi bei Harrod’s einen Smoking – in der Hoffnung, beim Champions Dinner mit Steffi Graf zu tanzen, auf die er schon damals, 1992, ein Auge geworfen hatte. Er gewann, doch der Tanz war schon lang nicht mehr im Programm. Später konnten sie ihn nachholen, bei ihrer Hochzeit. Zwischen Damen- und Herrenfinale in Wimbledon lagen 24 Stunden, zwischen Sieg und Ehe neun Jahre.

Das bekannteste Paar des Weltsports konnte also nicht kopieren, was Dana und Emil Zatopek am 24. Juli 1952 in Helsinki geschafft hatten – da gewann das Ehepaar aus Prag am selben Tag olympisches Gold, sie im Speerwurf, er über 5000 Meter. Näher kamen ihnen die britischen Radsportler Laura Trott und Jason Kenny, die beide am 13. August 2016 in Rio Olympiasieger wurden – aber erst sechs Wochen später heirateten.

So hat erst jetzt ein Ehepaar die Zatopeks kopiert und an einem Tag zwei große Titel geholt: die Ägypter Nour El Tayeb und Ali Farag, die am 14. Oktober die US Open im Squash gewannen. Erst sie, dann er. Im Sommer haben sie geheiratet, im Herbst ihren größten sportlichen Erfolg erzielt. Ehe, wem Ehe gebührt.

Ein echter Dortmunder

Es gab eine Zeit, in der Fußballer Doppelehen eingingen. Mit Frau und Klub. Die von „Hoppy“ Kurrat, der vor einer Woche starb, mit Borussia Dortmund hielt 14 Jahre. Er war echter Dortmunder, außerdem nur rund 1,60 Meter groß. Oder, „im Winter auf 18er-Stollen“, auch mal 1,63. Bei der Borussia, die 1966 mit ihm als erste deutsche Elf den Europacup gewann, den der Pokalsieger, waren bis auf den Sudetendeutschen Siggi Held alle Spieler in oder um Dortmund geboren. Im Team von Celtic, das ein Jahr später den Europapokal der Landesmeister holte, stammten sogar alle elf aus Glasgow und Umgebung.

Auch der legendäre Außen Jimmy Johnstone, der noch kleiner war als Kurrat: 1,57. Fußball war ein Kleine-Leute-Sport, in dem auch kleine Leute groß rauskamen. Diese Bindung an Region und Milieu ist auf der Strecke geblieben. Als am Samstag Borussia gegen Bayern 1:3 verlor, war Nuri Sahin, geboren in Lüdenscheid, der einzige Westfale beim BVB – der gebürtige Dortmunder Marco Reus ist noch verletzt. Bei den Münchnern gibt es seit Philipp Lahms Rücktritt keinen echten Münchner mehr. Und wenn, wie nun, Thomas Müller fehlt, spielt Bayern ohne Bayern.

Quelle: F.A.Z.
Christian Eichler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Eichler
Sportkorrespondent in München.
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