Bayern-Basketballer Barthel

Lohn des Schindens

Von Michael Reinsch
 - 17:16

Gut möglich, dass Danilo Barthel in diesem Jahr die Fülle der Auszeichnungen und Premieren übertrifft, die er vor vier Jahren erlebte. Als der Profi, der sich in der Basketball-Bundesliga am meisten entwickelt hat, wurde der 2,08 Meter lange Flügelspieler nach der Saison 2013/14 geehrt; er hatte seinen Durchbruch bei den Frankfurt Skyliners erlebt und gab seinen Einstand in der Nationalmannschaft.

Doch was nun? An diesem Mittwoch (20 Uhr/ live bei Telekom Sport) kann Barthel mit einem Sieg bei Alba Berlin im Team von Bayern München deutscher Meister werden – und ist dabei eine tragende Säule seiner Mannschaft. Kaum ein Spieler hat solche Fortschritte gemacht wie der 26 Jahre alte Barthel – und hatte erst in den vergangenen Monaten die Chance zu zeigen, was er kann. Im ersten Jahr bei den Bayern verschaffte er mit seinen Einsätzen dem hochbegabten Maxi Kleber Verschnaufpausen. Kaum war dieser nach Amerika in die NBA gegangen, kam der serbische Nationalspieler Milan Macvan für seine Position. Selbst Trainer Djorjevic fand, dass Barthel weniger Einsatzzeit erhalte, als er verdiene.

Barthel trainiert unermüdlich: zusätzlich morgens oder abends, an freien Tagen sowieso und noch dazu vor und nach der Saison. Seit Macvan verletzt ausgefallen ist und anstelle von Djorjevic dessen serbischer Landsmann Dejan Radonjic Trainer ist, zeigt Barthel, wofür er sich geschunden hat. Auf gut 25 Minuten ist seine Einsatzzeit in den Play-offs gestiegen. Sein Punkteschnitt von fast 14 in jedem der drei Finalspiele erzählt nicht einmal die Hälfte seiner Geschichte. Barthel, der Längste seines Teams, verfügt über ein eindrucksvolles basketballerisches Repertoire. Für die Nahdistanz hat er sich einen gefährlichen Hakenwurf zugelegt, Dreier schießt er mit 33-prozentiger Erfolgsquote; in der Hauptrunde saßen gar 20 von 46, das macht 43,5 Prozent. Defensiv bewies der mit seinem Rauschebart so grimmig wirkende Athlet seine Qualität und seine Entschlossenheit spätestens in den Halbfinalspielen gegen Meister Brose Bamberg, als er den früheren NBA-Spieler Dorell Wright zeitweise aus der Partie nahm.

Den dritten Sieg im Halbfinale haben die Bayern möglicherweise Barthel zu verdanken: Als Center warf sich der Riese ins Getümmel unter dem Korb, erzielte 19 Punkte, holte sieben Rebounds und riss vor allem seine Mannschaft mit. In den Spielen gegen Berlin hat er Luke Sikma den Schneid abgekauft – keine Kleinigkeit im Vergleich mit dem als wertvollstem Spieler der Liga ausgezeichneten Amerikaner. Barthel löst den Anspruch ein, den so viele Spieler formulieren: Schritt für Schritt auf höherem Niveau zu spielen. Nächstes Jahr müsste er nach dieser Logik in der Euro-League spielen, der ersten Klasse des Kontinents. Werden er und die Bayern Meister, muss Barthel dafür nicht einmal den Klub wechseln.

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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