Die FAZ.NET-Nachrichten-App
Kostenlos für iOS und Android
Anzeige
Doping

Chambers gesperrt, Young angezählt

 - 18:01
...während Dwain Chambers wegen THG-Dopings „aus dem Verkehr gezogen wurde” Bild: AP

Dwain Chambers, der Europameister von München 2002 und WM-Vierte von Paris 2003 über 100 Meter, ist vom britischen Leichtathletik-Verband am Dienstag für zwei Jahre wegen Dopings gesperrt worden.

Anzeige

Dem 25jährigen Sprinter, der in der vergangenen Woche ausführlich angehört worden ist, war bei einer Trainingskontrolle am 1. August 2003 in Saarbrücken der Mißbrauch des anabolen Designersteroids Tetrahydrogestrinon (THG) nachgewiesen worden. Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) hatte Chambers "bis auf weiteres" suspendiert, nachdem auch die B-Probe einen positiven Befund erbracht hatte. Der Beginn der Sperre wurde auf November 2003 datiert - dem Zeitpunkt, zu dem mittels eines neuen Analyseverfahrens die Nachuntersuchung sämtlicher noch verfügbarer Proben auf THG vorgenommen werden konnte. Chambers kann gegen das Urteil seines Landesverbandes innerhalb von 60 Tagen Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne einlegen.

Young trotz positiver Probe freigesprochen

Für den amerikanischen 400-Meter-Läufer Jerome Young fällt an diesem Mittwoch ein Startschuß, der den Anfang vom juristischen Ende im jahrelangen Gerangel um seinen Staffel-Olympiasieg von Sydney 2000 einleiten dürfte: Von Stund an läuft die vierwöchige Erklärungsfrist, die dem amerikanischen Leichtathletik-Verband (USATF) vom Arbitration Panel der IAAF gesetzt worden ist. Die IAAF hat bei dem als unabhängig geltenden Schiedsgericht Klage gegen ihren nationalen Mitgliedsverband eingereicht, weil USATF gegen die internationalen Regeln verstoßen habe, als er Young trotz einer positiven Probe auf Nandrolon bei den amerikanischen Meisterschaften 1999 in Eugene (Oregon) freisprach.

Anzeige

Statt eine zweijährige Sperre abzusitzen, lief Young in der olympischen Vorrunde für das 400-Meter-Quartett des Landes, das schließlich - ohne den begnadigten Sünder - in der Besetzung mit Alvin Harrison, Antonio Pettigrew, Calvin Harrison und Michael Johnson Gold gewann.

Müssen auch die Mitläufer Medaillen abgeben?

Christoph Vedder, Professor für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht an der Universität Augsburg und seit 1998 Vorsitzender des Arbitration Panels, bekräftigte am Dienstag gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, "daß wir das Verfahren schnellstmöglich abschließen werden". Zur Klageerwiderung kann sich USATF bis zum 24. März Zeit lassen; für einen mündlichen Verhandlungstermin, zu dem auch Young an den IAAF-Sitz in Monte Carlo geladen werde, faßte Vedder "Ende März, Anfang April" ins Auge. Der eigentliche Schiedsprozeß könne zwischen einem und drei Tagen dauern, anschließend sollten die Sportrichter innerhalb von zwei Wochen ihr Urteil fällen.

Die Frage der Zuständigkeit in solchen Streitfällen, die nach einem Beschluß des IAAF-Kongresses von 2001 in Edmonton nur noch vom CAS geklärt werden sollen, ergibt sich aus einer Fristenregelung: Fälle, die auf eine positive Dopingprobe oder eine Verbandsentscheidung in anderer Sache vor dem 1. November 2001 zurückgehen, müssen noch vom seinerzeit zuständigen Arbitration Panel verhandelt werden. "Ich habe auch nicht damit gerechnet, daß so ein Fall noch einmal auf uns zukommt", sagte Vedder. Das Panel könnte, falls der IAAF-Klage stattgegeben werde, eine letztinstanzliche Entscheidung fällen. Gegen diese könnten USATF und Young zwar nicht mehr vor den CAS ziehen - der im übrigen den amerikanischen Verband in einem umstrittenen Urteil vom Januar 2003 noch in der Auffassung bestätigt hatte, man müsse die Namen dopingverdächtiger und national freigesprochener Athleten nicht der IAAF melden. Der Gang vor ein ordentliches Gericht jedoch bliebe den Amerikanern unbenommen.

Ob außer Young auch die vier Finalisten von Sydney ihre Trophäen zurückgeben müßten, darüber kann das Internationale Olympische Komitee (IOC) nach Aussage seines Präsidenten Jacques Rogge erst entscheiden, wenn die IAAF die nachträgliche Disqualifikation des aktuellen 400-Meter-Weltmeisters und damit auch seiner amerikanischen Mitläufer ausgesprochen habe. Und disqualifizieren kann der Weltverband sie nur, wenn das Schiedsgericht Young rückwirkend für den Zeitraum zwischen 1999 und 2000 als "nicht startberechtigt" erklärt.

Quelle: hjo., Frankfurter Allgemeine Zeitung
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDwain ChambersIAAFCASDopingLausanneMünchenParisSaarbrücken
Anzeige