Eishockey

Hans Zach geht - und hinterläßt doch Spuren in Köln

Von Marc Hindelang, Düsseldorf
 - 17:05

Erst die bittere Niederlage - und dann auch noch das. Der Weg von den Umkleidekabinen der Düsseldorfer Brehmstraße bis zum Mannschaftsbus führte die Kölner Eishockeyprofis durch ein Spalier feixender Düsseldorfer Fans. Aber kaum ein Spieler der Haie reagierte am Sonntag auf den Spott - und wenn, dann erstaunlich kontrolliert.

Hängend die Köpfe, versteinert die Mienen. Sie waren leer nach einem Spiel, das eine Wende genommen hatte, die niemand mehr für möglich gehalten hatte. Eine Wende die das Halbfinal-Aus in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) für die Kölner Haie bedeutete, das Ende berechtigter Finalträume des achtmaligen deutschen Meisters.

Mit drei gegen sechs den Ausgleich kassiert

Eine Dreiviertelstunde zuvor hatten die Kölner Spieler ihre Emotionen noch ungebremst ausgelebt. Die Haie waren in Düsseldorf angesichts einer 3:2-Führung vier Minuten vor dem Spielende auf dem Weg zum entscheidenden Halbfinalsieg und damit ins Finale. Gerade waren die Haie dabei, ohne große Probleme ein Powerplay der DEG MetroStars zu überstehen, als Eduard Lewandowski vom bis dahin fehlerfreien Schiedsrichter Rick Looker wegen eines Fouls mit hohem Stock zum Duschen geschickt wurde.

Eine überzogene Strafe mit Folgen: Düsseldorf glich mit drei Mann mehr auf dem Eis - Trainer Don Jackson hatte seinen Torwart Trefilow zugunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis genommen - aus und erzielte bei einfacher Überzahl zwei weitere Tore zum 5:3-Sieg. Das Spiel und eine atemraubende Halbfinalserie waren damit entschieden.

Zu viel erlebt, um sich aufzuregen

Vom nächsten Donnerstag an kämpfen die Düsseldorfer in den Finalspielen gegen Meister Eisbären Berlin um den Titel. Die Kölner ließen ihren Frust erst einmal am Schiedsrichter aus, der nach verbalen und versuchten körperlichen Attacken auch noch Ciernik, Lindsay und Gogulla in die Kabine geschickt hatte. Dort wurden dann Teile der Inneneinrichtung Opfer der Kölner Wut. "Ich würde Frauen und Kindern nicht raten, dort hineinzugehen", sagte der gesperrte Kölner Stürmer Alex Hicks. "Wir fühlen uns um den Sieg betrogen."

Erstaunlich gefaßt zeigte sich dagegen Hans Zach. "Ich habe zuviel erlebt, um mich darüber noch aufzuregen", sagte der 57jährige Zach nach seinem 246. und letzten Spiel als Kölner Trainer: "Es war eine emotionale Serie. Düsseldorf steht im Endspiel, und dafür wünsche ich der DEG alles Gute." Ein nüchterner Abgang nach vier Jahren bei den Haien, in denen er viermal daran scheiterte, den Titel nach Köln zu holen. Im ersten Jahr im Finale, anschließend zweimal im Viertelfinale, nun in der Vorschlußrunde. Der Pokalsieg 2004 ist da ein eher schwacher Trost. Zach geht, offenbar nach Hannover, und hinterläßt doch Spuren in der Stadt am Rhein.

Weniger Geld zu verdienen in Köln

Er machte den erst 20jährigen Torwart Thomas Greiss zur Nummer eins und zum Nationalspieler. Die gleichaltrigen Kai Hospelt und Moritz Müller schafften ebenso den Sprung in die DEL wie der erst 18 Jahre alte Philip Gogulla. Nicht wenige Experten trauen Gogulla, einem gebürtigen Düsseldorfer, sogar den Sprung in die nordamerikanische Profiliga NHL zu. Möglicherweise sucht er bereits in der kommenden Saison sein Glück in Übersee.

Es wäre nicht der einzige herbe Verlust für die Haie. Prägende Spieler wie Alex Hicks (36 Jahre) oder Jean-Yves Roy (37) beenden ihre Karriere, für den gleichaltrigen Kapitän Brad Schlegel ist angesichts der Abwehr-Neuverpflichtungen Mats Trygg (Iserlohn) und Andreas Pihl (Linköping) kein Platz mehr. Nationalstürmer Lewandowski hat gleich drei Optionen: Nordamerika, Rußland oder die Adler Mannheim. Überall dort kann er besser verdienen als in Köln. Auch die finanziell nicht gerade schlechtgestellten Haie müssen inzwischen auf das Geld achten.

Neuaufbau mit neuem Trainer

Wohl auch deshalb kommt mit Doug Mason ein Trainer, der weitaus weniger verdienen soll als Hans Zach, und dem ebenso nachgesagt wird, Mannschaften aufbauen zu können. Der Holland-Kanadier wird dank der Stammkräfte Lüdemann, Boos, Greiss, McLlwain, Ciernik, Lindsay und dem neuen schwedischen Stürmer Daniel Rudslätt ein intaktes Grundgerüst antreffen.

Das wird dem 51jährigen Mason aber nur eine geringe Schonfrist geben. Auch beim Publikum, das für Dauerkarten in der Köln-Arena in der kommenden Saison tiefer in die Tasche wird greifen müssen. Er muß zumindest in die Reichweite des neunten Meistertitels kommen. Denn von bitteren Niederlagen haben sie in Köln nun erst einmal genug.

Quelle: F.A.Z., 11.04.2006, Nr. 86 / Seite 36
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