Turn-WM in Montreal

„Ich bin jetzt ganz stolz auf mich“

 - 12:42

Erstmals einstellig: Elisabeth Seitz war die Freude über ihren neunten Platz im Mehrkampf bei der Turn-WM in Montreal anzusehen. „Ich bin einfach nur glücklich“, meinte die Stuttgarterin, nachdem sie am Freitagabend (Ortszeit) im Olympic Stadium von Montreal bei ihrer siebten WM-Teilnahme ihr bisher bestes Resultat im Vierkampf verbucht hatte. Seit 2005 in Melbourne – damals war Daria Bijak Achte – hatte keine deutsche Turnerin mehr eine bessere Plazierung geschafft.

Die eigentlich etwas höher eingestufte Gesamt-Weltcupsiegerin Tabea Alt kam trotz zwei Fehlern noch auf Platz zehn. Damit war das beste Allround-Resultat in der Geschichte des Deutschen Turner-Bundes perfekt. „Zwei in den Top Ten – das hatten wir noch nie“, sagte Cheftrainerin Ulla Koch. Lange war der Mehrkampf-Start von Seitz wegen Rückenproblemen im Sommer nach dem begeisternden Auftritt beim Turnfest in Berlin fraglich gewesen. „Ich bin jetzt ganz stolz auf mich“, meinte die 23 Jahre alten Stufenbarren-Spezialistin und fügte hinzu: „Ich wusste schon, dass ich eine gute Mehrkämpferin sein kann.“ Immerhin um neun Plätze hatte sie sich im Vergleich zur Qualifikation gesteigert.

Die Stuttgarterin turnte einen fehlerfreien Wettkampf, obwohl sie an drei Geräten erst wieder in der unmittelbaren WM-Vorbereitung richtig einsteigen konnte. „Wer so stark ist, ist ein echtes Vorbild“, lobte Ulla Koch. Die sechs Jahre jüngere Tabea Alt glänzte bei ihrem WM-Debüt erneut mit der stärksten Übung am Schwebebalken, nachdem sie dort schon im Vorkampf die Beste gewesen war. Damit gilt sie nun als Anwärterin auf den Titel. Ob sie am Sonntag im Finale ihre schwierige Dreifach-Kombination zeigen wird, ließ sie offen. „Manchmal kommt es auch auf eine sichere, stabile Übung an“, meinte sie.

Am Boden war ihr aber ein Missgeschick passiert, als sie nach der zweiten Akrobatik-Bahn mit beiden Füßen außerhalb der Matte landete. „Das hat mich mindestens sechs Zehntel gekostet. Da alles auf den Spitzenplätzen so eng ist, war das ein bisschen schade. Aber ich freue mich trotzdem“, meinte das Talent aus Ludwigsburg. „Mein Ziel waren die Top Ten. Und ich habe mich gegenüber der Qualifikation um zwei Plätze verbessert. Eigentlich ist das bei einem WM-Debüt unglaublich.“ Auf den Besuch im berühmten Cirque du Soleil hatten die beiden Schwäbinnen verzichtet, um sich voll auf die Entscheidung zu konzentrieren. „Da sieht man mal, wie professionell sie sind“, sagte Ulla Koch.

Den Sieg in einem spannenden Finale sicherte sich am Freitag (Ortszeit) die gerade erst 16 Jahre alte Morgan Hurd. Die Brillenträgerin schob sich erst am letzten Gerät mit 55,232 Punkten an Lokalmatadorin Elsabeth Black vorbei und setzte die Siegesserie der Amerikanerinnen seit 2011 fort. Der von mehr als 10.000 Zuschauern im riesigen Stadion angefeuerten Black fehlte nur ein Zehntelpunkt, um erstmals die WM-Krone nach Kanada zu holen. Mitfavoritin Ragan Smith aus den Vereinigten Staaten hatte sich beim Einturnen am Sprung verletzt und musste ihre Final-Teilnahme absagen.

Quelle: tora./dpa
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenElisabeth SeitzUlla KochMontreal