Fraport Skyliners

Die Gala der Nummer Null

Von Jörg Daniels
 - 08:33

Aufgepasst! Nein, ein gut gemeinter Tipp von ihm sei es nicht gewesen, sagte Klaus Perwas, der Basketball-Assistenztrainer der Fraport Skyliners, am Montag. Es war mehr: ein Befehl. Dieser lautete kurz und knapp: „Mach!“. Und Tai Webster, der Point Guard des Erstligaklubs, hörte auf Perwas, setzte das Verlangte im Handumdrehen um. Der 22 Jahre alte Neuseeländer dribbelte im mit 93:82 gewonnenen Heimspiel gegen Oldenburg nicht mehr mit dem Ball. Webster überlegte auch nicht, was er tun sollte, nachdem er den Ball in den Händen hatte. Wenn sich ihm die Möglichkeit bot, nahm er lieber mit Blickrichtung auf den Oldenburger Korb sofort Maß. „Er soll gleich werfen“, hatte ihm Perwas, ein ehemaliger deutscher Nationalspieler auf der Aufbauposition, mit auf den Weg gegeben. Der Weg war das Ziel. Webster, der Profi mit der Rückennummer Null, heimste stolze 31 Punkte nach 40 Minuten ein. Bundesliga-Bestwert für den Liga-Neuling. Perwas bescheinigte ihm „eine tolle Leistung“. Dazu trugen auch dessen elf Rebounds bei.

„Bis jetzt“, sagte der Rookie Webster, „war das mein bestes Spiel in meiner Profikarriere.“ Der 1,93 Meter große „Kiwi“ legte mit einem Mal eine beachtliche Steigerungsrate hin. Bei den Dreipunktewürfen, von denen er alle drei verwandelte. Davor hatte seine Quote aus der Distanz nur 27,8 Prozent betragen. Außerdem katapultierte er sich mit einem Schlag auf Rang zwei der internen Topscorerliste hinter Philip Scrubb (18,3 Punkte pro Spiel). Nach acht Einsätzen bringt es Webster jetzt auf durchschnittlich 13,3 Punkte. „Glücklicherweise hatte ich heute ein gutes Händchen“, sagte er über sein Offensivfeuerwerk.

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte?

Ein einmaliges Erfolgserlebnis? Hoffentlich nicht, denkt sich Perwas. Er glaubt fest an den Wurf des neuseeländischen Nationalspielers. Dieser sollte ihn auch in Zukunft vor allem bei den Dreipunktewürfen nicht enttäuschen. Denn bei den Scharfschützen aus der Distanz könnten die Skyliners in der Breite besser aufgestellt sein. Zwar ist Topscorer Scrubb beim Abschluss eine ziemlich verlässliche Größe. Mit Abstrichen gilt das auch für den finnischen Nationalspieler Shawn Huff. Kapitän Quantez Robertson hingegen arbeitet aktuell nicht zielführend. Dessen Dreier-Quote weist nur kümmerliche 16,2 Prozent auf. Im Duell mit Oldenburg, der offensivstärksten Mannschaft der Liga, brauchte der Amerikaner vier Würfe für einen Volltreffer. Es waren seine einzigen Punkte.

Schwimmt Webster im Angriff auf einer Welle des Erfolgs, ist Kritik unangebracht. Nur wehe, wenn nicht. Dann würden seine Schwächen so ins Gewicht fallen, dass die Unzufriedenheit beim Trainerteam um dessen Chef Gordon Herbert wohl überwiegen würde. Noch weist Webster, der vor seinem Deutschland-Engagement an der Universität von Nebraska in den Vereinigten Staaten spielte, erhebliche Defizite beim Verteidigen auf. Halbherziges Zurückrennen wollen seine Coaches von ihm nicht sehen. Ihr Schützling muss vielmehr lernen, dass auch bei den Skyliners immer im Verbund verteidigt wird. Auch seine Ballverluste – gegen Oldenburg waren es vier – sollte Webster minimieren. Pro Spiel sind es bei ihm 3,4, es ist der negative Spitzenwert bei den Skyliners.

Nicht mit dem Kopf durch die Wand

Seine Hektik muss der junge Point Guard dauerhaft ablegen. Für ihn ist wichtig, zu erkennen, dass es nicht funktionieren wird, wenn er mit dem Kopf durch Wand will. „Ich bin noch nicht da, wo ich gerne sein würde“, sagt Webster selbst. „Aber ich lerne jeden Tag dazu.“ Er, dessen Bruder ebenfalls Basketballprofi in Neuseeland ist, brachte kaum höherklassige Kluberfahrung nach Deutschland mit. Vor seiner College-Zeit nahm Webster als Jungspund einen ersten Anlauf in der neuseeländischen und australischen ersten Liga. Mit 17 debütierte er in der Nationalmannschaft und war bei der WM 2014 in Spanien der viertjüngste Turnierteilnehmer. „Das ist für einen internationalen Rookie sehr selten und sehr wertvoll“, sagt Herbert.

Was die Leistung von Webster gegen Oldenburg wert war, wird man am kommenden Sonntag im Spiel beim deutschen Meister Bamberg sehen. Mit 12:4-Punkten stehen die Frankfurter sogar vor dem Euroleague-Team aus Oberfranken (8:6). „Fragen sie mich nach dem Bamberg-Spiel, wie gut wir wirklich sind.“ So reagierte Herbert auf den Überraschungserfolg über Oldenburg mit einem erstaunlich gut aufgelegten Webster.

Quelle: F.A.Z.
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