French Open

Erstklassige Empfehlung von Sloane Stephens

Von Doris Henkel, Paris
 - 11:58

Das Spiel auf Sand gehört nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen vieler Amerikaner; Madison Keys berichtete, sie sei schon 17 gewesen beim ersten Mal. Sloane Stephens kann nicht so recht erklären, warum das bei ihr von Anfang an anders war, aber in ihrem Fall stellt sich die Frage ohnehin nicht mehr. Nach der überzeugenden Art, in der sie nicht nur im Halbfinale gegen ihre Freundin Madison gewann, sondern auch in den fünf Runden zuvor, ist eine erstklassige Empfehlung für die letzte Partie des Frauenturniers diesen Samstag (15.00 Uhr bei Eurosport) im Finale gegen Simona Halep.

Aber man muss schon sagen, dass es wieder mal ziemlich rauf und runter ging bei Sloane Stephens. Nur fünf Wochen nach einer monatelangen Pause wegen eines Ermüdungsbruchs im linken Fuß hatte sie bei den US Open 2017 den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere gewonnen. An Einzelheiten des relativ einseitigen Finales gegen Keys erinnert sich kaum jemand, intensiver ist Stephens‘ Reaktion bei der Siegerehrung präsent, als sie beim Anblick des Siegerschecks von 3,7 Millionen Dollar losprustete: „Meine Güte, das ist ein Haufen Geld.“

Nach dem spektakulären Ende der US Open tauchte sie längere Zeit in keiner Siegerliste mehr auf; sie verlor die restlichen Spiele des Jahres ebenso wie die ersten beiden 2018, und rückblickend betrachtet kommt ihr das absolut verständlich vor. „In meinem Leben ging es nach den US Open ziemlich rund, es dauerte einfach eine Weile, bis ich alles wieder im Griff hatte.“ Den ersten Sieg landete sie beim Turnier in Acapulco Ende Februar, gut einen Monat später gewann sie in Miami ihren ersten Titel 2018. Die Erfolge bei den ersten europäischen Sandplatzturnieren hielten sich in Grenzen, dennoch fuhr sie mit einem guten Gefühl nach Paris; bei keinem anderen Grand-Slam-Turnier spielt sie in ihrer Karriere so konstant auf einem Niveau.

Schon vor dem Finale steht fest, dass sie in der nächsten Weltrangliste auf Platz vier und zum ersten Mal in ihrer Karriere die beste Amerikanerin sein wird. Von Anfang an hatte es so ausgesehen, als könne Stephens mit ihrer Athletik, ihrer unerschrockenen Art und ihrem eindrucksvollen Repertoire in der Defensive irgendwann zu den Besten des Frauentennis gehören. Der Aufstieg dauerte zwar länger als gedacht, aber dafür hat sie ein passendes Motto im Angebot: Träume haben kein Verfallsdatum. Bei diesem Stichwort kommt Simona Halep ins Spiel. Dreimal stand die Rumänin bisher im Finale eines Grand-Slam-Turniers – 2014 und 2017 in Paris und zuletzt bei den Australian Open –, doch jedes Mal musste sie zusehen, wie die Gegnerin am Ende den Pokal in den Händen hielt. Dieses Gefühl kennt Sloane Stephens nicht: Sechs Endspiele und sechs Titel sind eine coole Bilanz.

Quelle: F.A.Z.
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