Global Champions Tour

Soll die Uhr doch ticken

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Auf der Homepage der Springsport-Serie Global Champions Tour werden systematisch Tage, Stunden, Minuten und Sekunden heruntergezählt. Dank des Sponsors, eines Uhrenherstellers, hat jede der 19 pittoresken Stationen ihren eigenen Countdown. Oh, nur noch 17 Tage, zehn Stunden, drei Minuten und zwölf Sekunden bis zu meinem Lieblingsturnier in St.-Tropez! So ähnlich stellen sich die Veranstalter wohl die ekstatischen Ausrufe ihrer Fans vor. Der Countdown für Hamburg, die fünfte Station der hochdotierten Etappenreise, steht jetzt auf null. Die Global Champions Tour mit ihrem dazu kombinierten Mannschaftswettbewerb Global Champions League ist zu Gast beim Deutschen Spring- und Dressurderby in Klein Flottbek. Am Sonntag geht es traditionell durch Pulvermanns Grab und über den Großen Wall – eine unverwüstliche Publikums-Attraktion.

Bereits an diesem Samstag aber geht es ums große Geld. Dann reiten die Teilnehmer der Global Champions Tour (GCT) um 300.000 Euro und die Mannschaften der Global Champions League (GCL) um einen später zu verteilenden Preisgeld-Topf, den sie mit ihrer Lizenzgebühr selbst gefüllt haben. Die erste Runde fand bereits am Donnerstag im Rahmen des Championats von Hamburg statt, es siegte der Belgier Nicola Philippaerts mit dem Wallach Harvey. In der Global Champions League führen jetzt die sogenannten „St.-Tropez Pirates“ in Person von Laura Klaphake (Mühlen) mit Catch me if you can und Pieter Devos (Belgien) mit Claire.

Die Springreiter, die dabei sind, freuen sich natürlich über jede üppige Dotierung. Doch hinter den Kulissen gibt es Ärger mit dem Kartellamt. Zwischen Global Champions Tour, wo es um lukratives Preisgeld geht, und der League gibt es nämlich eine unsichtbare, aber starke Verknüpfung, von der das normale Publikum nichts weiß: 60 Prozent des Starterfeldes für die Tour, also quasi der Einzelwertung, wird aus der League bestritten – wer einem Team angehört, das ordentlich in den Topf bezahlt hat, ist beim Einzel mit dabei, unabhängig von einer sportlichen Qualifikation. Extrem viele gekaufte Startplätze also – 20 Prozent sind bei internationalen Turnieren normalerweise erlaubt.

Solch eine Praxis hört sich nicht nur ein wenig anrüchig an in einem Sport, der immerhin olympischen Anspruch hat. Sie wurde im Dezember vergangenen Jahres vom belgischen Kartellamt BCA auch für wettbewerbswidrig erklärt. Und weil die Organisatoren der Serie darauf nicht reagierten, tickt seit 13. April noch eine weitere Uhr: Pro Tag, an dem das Einladungsreglement sich nicht ändert, verhängte die Behörde Strafgelder für die Organisatoren (466 Euro) und den Weltverband FEI (182 Euro), der das Ganze als Ausnahme genehmigt hat. Oh, schon 18.792 Euro Strafe! So könnten Jan Tops, der Gründer der Global Champions Tour und League zusammen mit seinen Partnern und der FEI an diesem Samstag bereits ausrufen. Und am 16. Dezember, wenn die Serie in Prag zu Ende geht, könnten sie verkünden: Schon 198.936 Euro! Und beide lassen es tatsächlich darauf ankommen. Die FEI, weil sie in der Schweiz residiert und sich vom belgischen Kartellrecht nicht betroffen fühlt.

Und die GCT/GCL, die mit zwei Firmen in Belgien zu Hause ist, ignoriert die Entscheidung weiter. Offenbar ist sie kein Grund, das Reglement zu modifizieren. „Wir befinden uns mitten in der Saison“, erklärte ein Sprecher in Hamburg am Freitag. „Und wir werden unter den laufenden Regeln des Dachverbandes FEI weitermachen.“ Im Übrigen seien die Anwälte der Organisatoren mit der belgischen Behörde in Kontakt. So wird es also auch an diesem Samstag in Hamburg vor großem Publikum einen Wettbewerb geben, der von der Kartellbehörde eines europäischen Landes als wettbewerbswidrig eingestuft wurde. Macht ja nichts – die Pferde fliegen über die Hindernisse, egal was die Behörden sagen. Und die Aufwärm-Veranstaltung am Donnerstag wirkte auf die Zuschauer nicht sportpolitisch hochbrisant, sondern eher wie ein ganz normales Springen nach Fehlern und Zeit – sogar ohne Stechen. Und wenn sie etwas störte, dann höchstens die Langatmigkeit.

Quelle: F.A.Z.
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