Footballer im Weißen Haus

Super-Bowl-Sieger verweigert Besuch bei Trump

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Aus Protest gegen die Politik von Donald Trump will Patriots-Spieler Martellus Bennett nach dem Super-Bowl-Sieg seine Mannschaft nicht zur Ehrung ins Weiße Haus begleiten. Traditionell wird das Gewinnerteam des NFL-Finales dort vom amerikanischen Präsidenten empfangen. „Ich werde nicht gehen“, sagte Football-Profi Bennett nach dem dramatischen Sieg der New England Patriots gegen die Atlanta Falcons am Sonntagabend (Ortszeit) in Houston.

Seine Absage erklärte der Tight End mit einem Verweis auf sein Twitterprofil. Bennett hat sich dort wiederholt kritisch zur Politik von Präsident Trump geäußert. Nach dem Einreisestopp für Bürger einiger muslimischer Länder twitterte er Ende Januar: „Amerika wurde auf Einbeziehung errichtet, nicht auf Ausschluss“.

Bennett zeigte sich unbesorgt, dass er Trump-Sympathisanten wie Patriots-Besitzer Robert Kraft, Trainer Bill Belichick oder Star-Quarterback Tom Brady gegen sich aufbringen könnte. Politische Meinungsverschiedenheiten störten den Teamgeist der Mannschaft nicht. „Wir haben alle unsere Ansichten“, sagte der 29-Jährige. „Das ist das Größte, worum es in diesem Land wirklich geht: Es interessiert mich nicht wirklich, woran du glaubst. Es wird mich nicht davon abhalten, dich für das zu akzeptieren, was du bist.“

Trump reagierte derweil begeistert auf den Triumph der New England Patriots. „Unglaubliches Comeback und (unglaublicher) Sieg der Patriots“, twitterte er in der Nacht zum Montag. Superstar Brady hatte ihn sogar im Wahlkampf unterstützt. „Tom Brady, Bob Kraft und Coach B sind totale Gewinner. Wow!“, schrieb Trump.

Dabei hatte Trump schon um kurz vor 21.00 Uhr Ortszeit die Übertragung des Spiels in seinem Golfclub in Florida verlassen – offensichtlich lustlos, dem sich anbahnenden Untergang seiner Patriots weiter zuzusehen. Er zog es vor, das Spiel zunächst unterwegs im Radio weiter zu verfolgen, berichteten mitreisende Reporter. Er verpasste so zumindest den Start einer furiosen Aufholjagd seiner Mannschaft, die mit 34:28 über die Atlanta Falcons im fünften Super-Bowl-Sieg endete.

Mit seinem Tipp hatte Trump fast richtig gelegen. Vor dem Finale hatte er sich in einem Fox-Interview von einem Sieg mit acht Punkten Vorsprung seines Teams überzeugt gezeigt. Sechs waren es schließlich. Kurz vor Kickoff in Houston hatte Trump getwittert: „Genießt den Super Bowl“. Dann müsse es aber weitergehen mit dem propagierten Neuaufbau Amerikas: „Danach machen wir weiter“, schrieb er, gefolgt von lauter Großbuchstaben und einem Ausrufezeichen: „Make America Great Again!“

Einige Fernsehspots während des Spiels waren deutlich politischer als in früheren Jahren. In einem politisch aufgeheizten Amerika sorgten vor allem die Werbung für Budweiser, Coca Cola und den Wohnungsvermittler AirBnB für Gesprächsstoff. Sie drehten sich um Menschen verschiedener Herkunft, Einwanderung, Akzeptanz und eine bunte Gesellschaft. Mehrere Stunde vor dem Spiel hatten sich einige hundert Demonstranten versammelt, um gegen Trump zu protestieren. Sie zogen unter Sprechchören friedlich durch die Stadt Richtung Stadion, bevor der Zug sich auflöste. Polizeiangaben zufolge kam es zu leichten Verkehrsbehinderungen.

Quelle: tora./dpa
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