Players Championship

Jason Day will extrem hoch hinaus

Von Wolfgang Scheffler
 - 10:24

Der aktuelle Primus Dustin Johnson, aber auch seine Vorgänger an der Spitze der Golfweltrangliste Jordan Spieth und Rory McIlroy haben die Bedeutung, als Nummer eins geführt zu werden, immer öffentlich heruntergespielt. Für die Amerikaner und den Nordiren war das Erklimmen des Gipfels lediglich die Folge beständigen und guten Spiels, die selbstverständliche Anerkennung von etlichen Siegen bei großen Turnieren. Für Jason Day dagegen ist der Spitzenplatz der Branchenhackordnung das ultimative Karriereziel. Eines, das bisher nur 19 Profis seit der Einführung der offiziellen Weltrangliste im April 1986 erreichten. Der Australier will wie sein großes Vorbild Tiger Woods, der insgesamt 683 Wochen offiziell als Weltbester galt, auch die Hackordnung dominieren – und das schon seit früher Jugend.

Sein langjähriger Weggefährte und väterlicher Freund Colin Swatton erzählt, dass ihn Day schon im Alter von 14 Jahren fragte, ob er das Zeug dazu habe, eines Tages die Nummer eins zu werden. Swatton antwortet: „Absolut.“ Er behielt recht. Am 20. September 2015, wenige Wochen nach Days erstem Major-Sieg bei der PGA Championship, stand er erstmals ganz oben. Einen Platz, den er insgesamt 51 Wochen innehatte.

Derzeit wird Day auf Rang sieben geführt, aber er scheint auf dem Weg zurück an die Spitze zu sein. Am Sonntag gewann der 29 Jahre alte Profi aus Queensland in Charlotte (North Carolina) die Wells Fargo Championship und knapp 1,4 Millionen Dollar. Danach sagte er: „Für mich gibt es nur ein Ziel: Ich will wieder die Nummer eins werden. Ich denke jeden Tag daran, wie ich das schaffen kann.“ Nach Verletzungen und Krankheit, Day leidet seit Jahren unter Vertigo, ist er erstmals wieder vollkommen körperlich fit. Abgehakt ist das Jahr 2017, in dem er ohne Turniersieg blieb und aus den Top Ten der Weltrangliste fiel.

Um wieder ganz vorne in der Weltspitze mitzuspielen, trennte sich Day im September von seinem Caddie Swatton. Ein Schritt, der ihm extrem schwerfiel. Denn sein Landsmann war für ihn viel mehr als nur der Träger seiner Golftasche. Die beiden kennen sich, seit Day nach dem Krebstod seines Vaters als zwölf Jahre alter Knirps in die Koorabyn International School in Queensland kam und er sich unter der Anleitung des Golflehrers Swatton so entwickelte, dass er 2006 den Sprung ins Profilager wagte und sich schnell auf der amerikanischen PGA Tour etablierte. Swatton diente seinem Musterschüler als Coach und Caddie. Aber im Laufe der Jahre hatten sich durch die tägliche enge Zusammenarbeit Spannungen ergeben. „Ich wollte nicht, dass unsere Beziehung so giftig wird, dass wir nicht mehr miteinander reden. Deshalb ist er nicht mehr mein Caddie, aber er bleibt mein Schwungcoach“, erläuterte Day die Trennung. Jetzt trägt Luke Reardon, ein alter Schulfreund, die Golftasche.

Feines Händchen rund ums Grün

Die beiden scheinen bestens zu harmonieren. Schon im Januar hatten sie bei der Farmers Insurance Championship in San Diego triumphiert. Und in dieser Woche wird von diesem Donnerstag (erster Abschlag 14.10 Uhr) bis Sonntag die „Players Championship“ ausgetragen. Dieses Turnier in Ponte Vedra Beach an der Nordostküste von Florida gilt als das am besten besetzte Turnier der Welt und als „inoffizielles fünftes Major“. Der Platz mit dem weltberühmten Inselgrün am 17. Loch liegt Day. Vor zwei Jahren gewann er das Turnier am Sitz des Hauptquartiers der PGA Tour und festigte seine Spitzenposition in der Weltrangliste. Auf dem ebenfalls als sehr schwer geltenden Platz des Quail Hollow Clubs in Charlotte zeigte Days wieder seine Stärken: Er schlägt den Ball extrem hoch und weit. Sein längster Abschlag bei diesem Turnier wurde mit 380 Yards (347 Meter) gemessen.

Dazu verfügt er auch über ein „feines Händchen“ auf und rund ums Grün – alles Stärken, die einst Woods zum großen Überflieger der Branche machte. Woods, der am Sonntag abgeschlagen auf Platz 56 gelandet war, hatte seinem Freund Day am Samstag eine Textnachricht übermittelt: „Mach die Sache klar“, laute die Botschaft – und Day fuhr im Stil von Woods den Sieg nach Hause. Es war das fünfte Mal in Folge, dass Day eine Führung nach drei Tagen zu einem Sieg nutzte – auch eine Fähigkeit, die Woods in seinen besten Tagen auszeichnete.

Quelle: F.A.Z.
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