Simeonis Wochenschau

Warum Nationalhymnen?

Von Evi Simeoni
 - 17:06
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Chapeau: Es ist schon ein ganz besonderer Anblick, wenn einige dieser Riesenkerle vom American Football sich niederknien, und alles, was wir angesichts früherer Nachrichten schon mal über sie gedacht haben, löst sich auf: aufgeputschte Millionäre zum Beispiel. Oder: wie kindisch, dass einige von ihnen mal die Bälle zu lasch aufgepumpt haben, um sich Vorteile zu verschaffen. Aber nein, diese Demutsgeste, während die amerikanische Hymne gespielt wird, hat es in sich, und es kann nicht als Respektlosigkeit ausgelegt werden, wenn einer sein Land an seine eigene Verfassung erinnert, indem er sich niederkniet.

Und es ist fast schon ein Gandhi-Gefühl, zu erleben, wie die Macht jetzt schäumt und empörte Twitter-Nachrichten durchs Netz jagt. Das, was die Sportler machen, soll jetzt also Missachtung von Fahne und Hymne sein? Eher sollten Land und Liga einmal die Praxis hinterfragen, dass Nationalhymne und Nationalfahne abgespielt und aufgezogen werden, um zur Volksbelustigung anberaumte Raufereien mit Patriotismus aufzuladen.

Attaque: Obwohl: Es kommt auf den Standpunkt an. Selbstverständlich finden wir Polizeigewalt und Rassismus verwerflich und können den Protesten der Spieler aus der National Football League einiges abgewinnen. Donald Trump offenbar nicht so sehr – und ein Populist wie er veranstaltet doch nur dann solch ein Getöse, wenn er sicher sein kann, dass er bei einer großen Masse von Mitbürgern Resonanz findet. Da wird dann doch die Frage akut: Gehören politische Botschaften wirklich auf die Spielfelder des Sports?

Wie würden wir hierzulande reagieren, wenn einige Fußballer letzten Samstag vor ihrem Bundesligaspiel schnell noch einmal Werbung gemacht hätten für – sagen wir mal ganz harmlos: die FDP? Ganz zu schweigen von der Frage, wie man reagieren müsste, wenn iranische Sportler bei Olympischen Spielen das Existenzrecht Israels attackierten – deswegen haben ja tatsächlich schon Athleten auf ihre Wettkämpfe verzichtet. Anhand dieses Beispiels wird klar: So was gehört dort nicht hin. Und ist ja auch nicht erlaubt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Simeoni, Evi
Evi Simeoni
Sportredakteurin.
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