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Simeonis Wochenschau

Runde Hintern und harte Dämonen

Von Evi Simeoni
© dpa, F.A.Z.

Chapeau: Viele glauben, immer wenn es Frühling wird, beginnt die Saison der Radklassiker. Aber das stimmt nicht. Zumindest gefühlt ist es umgekehrt. Wenn die Saison der Radklassiker beginnt, ist Frühling. Besonders der Name der Classicissima von Mailand nach San Remo – an diesem Samstag wieder – verströmt so etwas Blumiges.

Chapeau – wir ziehen den Hut!
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Die Profis sehen das natürlich anders als wir: Sie treffen sich nach der Winterpause wieder und werfen abschätzende Blicke auf die Konkurrenten. Gut durch den Winter gekommen? Sie begrüßen einander kumpelhaft, ziehen den anderen neckisch heran und kneifen ihn in die Seite, um rasch die Fettschicht zu checken. Manche haben angeblich im Frühjahr regelrecht rote Flecken in der Seitenpartie. Danach laufen sie hintereinander her und prüfen ihre Hinterteile. Es heißt, ein geschultes Auge könne vom Podex eines Radrennfahrers exakt auf dessen Leistungsfähigkeit schließen. Er müsse, so sagen Kenner, klein sein, rund und etwas weiblich, dann sei er richtig. Bewundernswert, so viel Expertise. Darum: Chapeau.

Attaque – hier wird angegriffen!
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Attaque: Allemal besser, Radrennfahrer von hinten zu betrachten, als ihnen in die ausgemergelten Gesichter zu sehen. Vor allem, wenn die Saison fortgeschritten ist und sie sich bei einer großen Rundfahrt verausgaben. Gespenstisch, wie ihre Gesichtszüge dann die Strapazen der Straße widerspiegeln.

Erst bei diesem Anblick wird dem Normalradler so richtig klar, dass es hier in Wahrheit nur um eine einzige Sache geht: das Ertragen von Schmerzen. Nicht darum, wie ein harter Bursche aufzutreten, sondern darum, wirklich hart zu sein, ganz tief drinnen, dort, wo die Gespenster und Dämonen eines Menschen zu Hause sind und ihm ihre Befehle einflüstern. Die Dämonen eines Radsportlers sagen nicht: Gib auf! Sie sagen: Quäl dich, du Sau! Und wenn sie einander in die Augen sehen, dann blicken sie tief. Sie erkennen die kleine Trübung im Blick, wenn der andere versucht, seine Leiden zu verbergen. Sie wissen, wie es aussieht, wenn tief im anderen gerade etwas zerbricht. Faszinierend, solch ein archaisches Kräftemessen. Und schrecklich zugleich.

Quelle: F.A.Z.
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