Sportförderung

Das Paket der Wohltaten ist noch nicht gepackt

Von Michael Reinsch, Berlin
 - 09:12

Der Sport ist optimistisch, Athletenvertreter ebenso wie Verbandspräsidenten: Noch in diesem Jahr soll es, anders als im Etat-Entwurf des Finanzministers vorgesehen, doch mehr Geld geben. Auf knapp zwanzig Millionen Euro beläuft sich das Paket, dem die Sportpolitiker der Koalition aus Union und SPD ihren Segen gegeben haben. Zusätzlich zur Spitzensportförderung des Innenministeriums von 170 Millionen Euro soll es noch in diesem Jahr ankommen.

Die Haushaltspolitiker allerdings warnen. „Die Bereinigungssitzung findet am 27. Juni statt“, sagt der CDU-Abgeordnete Klaus-Dieter Gröhler aus Berlin. „Bis zu deren Abschluss ist nicht klar, was kommt und was nicht kommt.“ Sein Kollege und Koalitionspartner Martin Gerster (SPD) aus Biberach sagt es noch knapper: „Beschlossen ist erst, wenn beschlossen ist.“ Gerster war sportpolitischer Sprecher seiner Partei im Sportausschuss und acht Jahre lang Präsident des Deutschen Sportakrobatikbundes. Aus seiner Sympathie für den Sport, insbesondere für die unabhängige Athletenvertretung durch Athleten Deutschland, macht er kein Hehl. Doch ihm dürfte es gehen wie all seinen 43 Kollegen im Haushaltsausschuss zweieinhalb Wochen vor der langen Nacht des Geldverteilens gehen. Es vergehe keine Stunde, sagt einer von ihnen, in der nicht jemand wissen lasse, wo ein paar Millionen Euro gut zu gebrauchen wären. Favoriten mit den besten Aussichten, üppig aus den nicht verbrauchten Mitteln des Bundes bedacht zu werden, sind Militär und Kultur.

Die größte Freude löste, so schien es in der vergangenen Woche, die Nachricht über den kleinsten Posten aus. Die Sportpolitiker von Union und SPD einigten sich nach langem Gezerre darauf, dass 225.000 Euro für das Büro der Athletenvertreter nicht dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), sondern Athleten Deutschland angewiesen werden sollen. Doch das Paket mit den Wohltaten für den Sport ist noch gar nicht gepackt: Alles, worauf sich CDU, CSU und SPD geeinigt haben, steht nun auf der Wunschliste. Die Haushälter Gröhler und Gerster werden entscheiden, wofür sie kämpfen wollen in der Bereinigungssitzung und wofür nicht, und dann werden sie erleben, ob sie sich durchsetzen können oder nicht.

Größter Posten auf der Zwanzig-Millionen-Liste, deren Positionen sich noch Anfang des Jahres auf 71 Millionen Euro beliefen, ist die Verbandsförderung; 11 Millionen Euro zusätzlich werden für Wettkämpfe, Lehrgänge und Leistungssport-Personal erwartet. Drei Millionen sollen an FES und IAT gehen, die Institute für die wissenschaftliche Begleitung des Spitzensports in Leipzig und für den Bau von Bobs und Ruderbooten in Berlin. Dazu kommt knapp eine Million für die Prämierung der Trainer von erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern bei den Olympischen und Paralympischen Winterspielen von Pyeongchang.

Die größte Neuerung allerdings sind 3,5 Millionen Euro für die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Das Geld soll der Einstieg sein in die direkte staatliche Förderung von Top-Athleten; bisher müssen diese sich als Soldaten der Bundeswehr verpflichten, als Polizisten oder Zöllner, um auf einer von rund tausend Planstellen staatlich alimentiert zu werden. Mittelfristig will der Bund der Sporthilfe 12 Millionen Euro zuschießen und deren Etat von 15 Millionen auf 27 Millionen Euro steigern. Damit könnte die Stiftung zweitausend Sportlerinnen und Sportler mit tausend Euro monatlich unterstützen – und noch dazu Geld für deren Rente anlegen. Derzeit fördert sie 1500 Sportlerinnen und Sportler.

Zwar floss vor zehn Jahren schon einmal staatliches Geld in die Stiftung, die sich seit ihrer Gründung vor fünfzig Jahren zugutehielt, mit Spenden aus Gesellschaft und Wirtschaft ein Gegenmodell zum Staatssport zu bilden. Doch das war nicht mehr als erste Hilfe, um zwei Jahre lang wirtschaftliche Schwierigkeiten zu überbrücken. Nun steht – womöglich noch in diesem Jahr – ein Paradigmenwechsel bevor. Doch bevor die Haushälter den Daumen heben oder senken, will das Innenministerium überzeugt sein.

Hartung widerspricht Seehofer

Das Haus Seehofer verlangt eine Bedürftigkeitsprüfung – ein Umstand, dem Athletenvertreter Max Hartung widerspricht. Förderung durch die Sporthilfe sei nicht Wohlfahrt für Bedürftige, sondern Ausgleich dafür, dass die Gesellschaft Sportlerinnen und Sportler in Anspruch nehme, sagt der Fechter, der bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften für Deutschland antritt und sich, wie die meisten Mitglieder der Olympiamannschaft, finanziell eher schlecht als recht über Wasser hält.

Auf die Frage nach der Bedeutung der Athletenförderung zitiert Hartung den Bundespräsidenten. Bei der Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes vergangene Woche sprach dieser die Athleten direkt an. „Ihr Wort und Ihre Belange müssen Gehör finden und Gewicht haben“, sagte Frank-Walter Steinmeier. „Alle anderen – Politik, Verbände und Sponsoren – haben letztlich nur eine dienende Funktion.“

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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