Windsurfer Philip Köster

Die Sehnsucht nach Starkwind

Von Frank Heike, Hamburg
 - 16:50
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Vor rund zwei Wochen in Klitmöller hat der Wind mal wieder richtig geblasen. Das Wetter war ideal an der dänischen Westküste, so dass die Windsurf-Elite am Sonntag nach dem eigentlichen Wettkampf noch eine Kür dranhängte - Super Session genannt. 18 Minuten durften die Surfer raus auf die graue Nordsee, um Sprünge und Wellenritte nach Belieben vorzuführen.

Philip Köster hat das Wochenende genossen. Erst der Sieg beim dritten Stopp des Weltcups - seine größten Konkurrenten Marcilio Browne und Victor Fernandez ließ er dabei hinter sich. Und dann die freie Fahrt bei blauem Himmel über vergleichsweise große Wellen.

Köster braucht starken Wind

Der 21 Jahre alte Köster verließ Klitmöller als Erster der Weltrangliste in Richtung Sylt. Er braucht kräftigen Wind und Wellen, um der Jury mit seinen knapp 90 Kilogramm Körpergewicht alles zeigen zu können, was in ihm steckt. Die beiden vergangenen Jahre waren aber Schwachwindjahre - Köster, der Weltmeister 2011 und 2012, enttäuschte sich und seine Fans und Sponsoren mit den Plätzen sieben (2014) und sechs. Neuer Weltmeister wurde der Franzose Thomas Traversa. Er wiegt 61 Kilogramm.

Die Niederlagen haben Spuren hinterlassen. „Man gewöhnt sich ja ans Gewinnen“, sagte Köster Ende vergangener Woche in Westerland, „es zieht einen dann schon runter, plötzlich zu verlieren.“ Philip Köster hat für sein schwaches Abschneiden Kritik einstecken müssen. Mancher aus der Windsurfszene warf ihm gar vor, sich hängengelassen zu haben, als der große Sieg außer Reichweite war. Vielleicht habe die Motivation etwas gefehlt, sagt Köster selbst dazu.

Naish glaubt an Köster

Er ist durch seine frühen Triumphe das „German Wunderkind“, er ist der zweitjüngste Weltmeister im Wellenreiten nach Robby Naish. Von so einem erwartet man dauerhafte Dominanz. Naish selbst war es indes, der ihm auf Sylt zur Seite sprang. „Es ist gut für Philip, dass er nicht alles gewinnt. Er lernt dadurch“, sagte der Amerikaner, der Köster für den aktuell besten Windsurfer hält. Vor allem, was die Höhe der Sprünge betrifft, hat Philip Köster seinen Sport auf ein neues Niveau gehoben.

Vielleicht stimmt, was der Altstar sagt. Denn diese Saison läuft es wieder besser. Beim Weltcup im heimischen Gran Canaria - dorthin war Philip Köster mit seiner Familie als kleiner Junge von Hamburg ausgewandert - siegte er wie in Klitmöller. Dazwischen stand ein zweiter Platz auf Teneriffa. Punktgleich mit dem Spanier Fernandez führt Köster das Tableau nach drei von sechs Wettfahrten an. Der Weltmeister wird nach dem Stopp in der Bretagne dann Anfang November auf Maui gekürt.

Surfen bei Dunkelheit
Wellenreiten bei Nacht dank Unterwasserbeleuchtung
© reuters, reuters

Philip Köster wirkt auf Schwachwindveranstaltungen inzwischen besser vorbereitet. Trainiert hat er das, längere Bretter und größere Segel auf die Insel mitgebracht. Material, das ihn auch bei Schwachwind trägt. Bislang allerdings konnten die Windsurfer in dieser Woche noch gar nicht aufs Wasser - Flaute vor Sylt, wie so oft. Nur ein einziges Mal konnten sich die Wellenreiter in den vergangenen fünf Jahren hier messen; das war 2012, als Köster seinen Titel verteidigte.

Hoffen auf Starkwindreviere

In diesen Tagen ist also wieder einmal Geduld gefragt. Philip Köster hat nichts dagegen, auf dem Hotelzimmer abzuhängen oder über die Insel zu spazieren. Seine eigentliche Heimat bleibt aber der Strand. Auf dem Wasser schaltet der ruhige, freundliche Profi mit der neuen Kurzhaarfrisur in den Wettkampfmodus. Da ist die Konkurrenz zu den Rivalen zu spüren, vor allem zu Fernandez.

Um einfach wieder mehr und bei besseren Bedingungen surfen zu können, ist Köster einer derjenigen, die eine Professionalisierung der Serie fordern. Fünf der sechs Stopps sind in Europa; Köster wünscht sich Wettfahrten in Australien, Chile oder Südafrika. Das sind spannende Starkwindreviere. Doch der Tour fehlt ein großer Geldgeber. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Letztlich sind die Windsurfer auch Einzelkämpfer. Eine Allianz der Fahrer fehlt, die sich gemeinsam um die Entwicklung der stockenden Tour kümmert.

Die schönsten Weltreviere hat Philip Köster trotzdem gesehen: Nach der schwachen Saison tourte er im Wohnmobil mit Freunden um die Welt und surfte, wo es ihm gefiel. Denn unabhängig von Erfolg oder Misserfolg kommt es ihm darauf an, möglichst viel Zeit auf dem Wasser zu verbringen. Und, wenn es der Wind zulässt, an seinem Dreifachsalto vorwärts zu arbeiten. Im Juli beim Weltcup auf Gran Canaria hätte er den spektakulären Loop bei Windstärke neun fast gestanden. Die Jury staunte.

Quelle: F.A.Z.
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