Weltcupsieg der Säbelfechter

Zurück in der Weltelite

Von Achim Dreis
 - 13:14

Selten ist Säbel-Bundestrainer Vilmos Szabo so richtig zufrieden mit seinen Fechtern, an diesem Wochenende hatte der 52-Jährige nun wirklich keinen Grund zur Klage: Die deutschen Säbel-Fechter haben den Team-Weltcup in Algier gewonnen und dabei stärkste Konkurrenz aus dem Weg geräumt: „Die Jungs haben hier sehr gut gefochten, sich als Team präsentiert“, lobte Szabo: „Jeder von ihnen hat hier in Algier seine Stärken unter Beweis stellen können. Das hat mir sehr gefallen“.

In den Wochen vor dem Weltcup hatten Max Hartung, Benedikt Wagner und Matyas Szabo, die drei Team-Weltmeister von 2014, sowie Richard Hübers als Vierter im Bunde, nach längeren Auszeiten endlich wieder konzentriert und kontinuierlich gemeinsam trainiert. Sie alle fechten am Stützpunkt in Dormagen, doch nicht immer können alle da sein – auch Studienverpflichtungen wollen erfüllt sein.

Nun konnten sie sich wieder auf gemeinsame sportliche Ziele konzentrieren und prompt gelang ihnen ein Durchmarsch: sie besiegten in Algier der Reihe nach die starken Rumänen (45:37), Weltmeister Südkorea (45:43) und den WM-Fünften Iran (45:34), so dass sie zum ersten Mal seit Mai 2016 in Madrid wieder das Finale eines Weltcup-Turniers erreichten: zum krönenden Abschluss schlug die deutsche Equipe dann auch noch Italien, den WM-Dritten von Leipzig, und das sogar unangefochten mit 45:28. „Spitzenmannschaften wie Südkorea, den Iran oder Italien zu schlagen, das war schon stark“, zeigte sich Szabo danach fast schon euphorisch: „Der Sieg war aber auch insofern wichtig, dass wir uns in der Weltrangliste nach vorn arbeiten konnten und in den nächsten Turnieren den Top-Teams am Anfang aus dem Weg gehen“ erklärte der Bundestrainer.

Neben dem Glück des Moments, den die „vier Musketiere aus Dormagen“ ausgiebig genossen, können die deutschen „Säbler“ somit auch in der nahen Zukunft von ihrem Triumph aus Algier zehren: in der Weltrangliste, in die die sechs besten Resultate der jüngsten zehn Turniere auf internationaler Ebene Einzug halten, verbesserte sich das Quartett von Rang neun auf sieben – gleichbedeutend mit einer leichteren Auslosung bei künftigen Weltcups, da sich die Top-Acht frühestens im Viertelfinale begegnen.

Zudem konnte dank des Erfolgserlebnisses eine negative Erinnerung überschrieben werden: Bei der WM in Leipzig 2017, dem Abschluss und nominellen Höhepunkt der vergangenen Saison, waren die Deutschen schon im Achtelfinale gegen Frankreich ausgeschieden. Europameister Max Hartung erlebte dabei seine schwärzeste Stunde, als er beim Stand von 40:23 das neunte und letzte Teilgefecht aufnahm, aber keine fünf Treffer zustande brachte, Deutschland noch mit 44:45 unterlag und die Medaillenrunde verpasste.

In der knapp viermonatigen Wettkampfpause seitdem sorgte Athletensprecher Hartung vor allem auf dem sportpolitischen Parkett für Aufsehen, unter anderem mit Gründung des Vereins „Athleten Deutschland“, dessen Vorsitz er übernahm. „Es ist eine richtig coole Arbeit“, sagt Hartung über seine Nebenbeschäftigung im Dienste der Athleten. Gleichzeitig räumt er aber auch ein, dass es schwierig ist, stets die richtige Balance zwischen geistiger Arbeit und sportlichem Training herzustellen. „In Leipzig war ich eigentlich vorher schon durch“, sagte er rückblickend über eine Zeit im „Reserve-Modus“.

in Algier zeigte er sich nun auch auf der Planche wieder als gewitzter Kämpfer für die gemeinsame Sache und erwies sich als zuverlässiger Punktesammler. Allerdings wurde er von Trainer Szabo nicht mehr als Schlusskämpfer eingesetzt – diese Rolle erfüllte diesmal Szabo Junior mit Bravour, der alle Gefechte ins Ziel brachte. Und auch der vermeintliche Ersatzmann Richard Hübers überzeugte: im Halbfinale gegen Iran und im Finale gegen Italien verlor er kein einziges seiner sechs Gefechte. „Richard war die besondere Überraschung des Tages“, lobt Hartung seinen Mitstreiter.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Dreis, Achim (ad)
Achim Dreis
Sportredakteur.
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