Alpine Ski-Wettbewerbe

Windige Angelegenheit

Von Achim Dreis, Yongpyong
 - 05:41

So langsam werden den alpinen Skiläufern die Olympiatage knapp. An diesem Mittwoch musste nach dem Riesenslalom auch der Slalom der Damen wegen der stürmischen Winde im olympischen Gebiet rund um Pyeongchang abgesagt werden. Zuvor war schon die Herrenabfahrt den Sturmböen zum Opfer gefallen. Somit konnte von vier geplanten Wettbewerben bislang erst einer durchgeführt werden, die Kombination der Herren – ausgerechnet jene Disziplin, die 2021 aus dem Wettkampfkalender des Internationalen Skiverbandes (FIS) gestrichen wird und in Peking schon nicht mehr olympisch sein wird.

Der norwegische Fis-Renndirektor Atle Skaardal spielte am Mittwoch zunächst auf Zeit. Er verschob den geplanten Starttermin von 10.15 Uhr drei Mal nach hinten. „In der Früh konnten wir daran denken, dass wir fahren. Aber dann ist es schlechter und schlechter geworden.“ Also blieb als letzte Konsequenz gegen 11.30 Uhr Ortszeit nur die Absage. „Es geht um Fairness“, erklärte Skaardal. Die Sicherheit sei kein Problem.

Der Slalom soll nun am Freitag (2 Uhr und 5.45 Uhr MEZ) in Yongpyong ausgetragen werden, dazwischen ist der Super-G der Herren in Jongseon angesetzt. Somit kommt es wie auch am Donnerstag, an dem die Herren-Abfahrt vom Damen-Riesenslalom eingebettet wird, zu einer alpinen Doppelveranstaltung. „Wir hoffen jetzt, dass unser Plan für Donnerstag und Freitag aufgeht“, wünschte sich Skaardal.

Am Vortag hatte er im ORF insgesamt von einer großen Herausforderung gesprochen, die Wettbewerbe in Südkorea fair über die Bühne zu bringen. „Das Programm ist sehr dicht. Wir versuchen, einen Plan mit einem gewissen Realismus zu erstellen.“ Der 51 Jahre alte Norweger war selbst Skirennläufer. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass Geduld eine Tugend ist, die im alpinen Skirennsport unentbehrlich ist. Und er setzt auf die Wetterprognose, die von nun an ruhigere Tage vorhersagt: „Dadurch, dass wir eine gute Möglichkeit am Freitag haben, wollten wir nicht auf Druck alle Karten rausspielen und das Rennen irgendwie durchdrücken.“

Elf Olympiatage bleiben noch übrig, zehn Disziplinen stehen noch auf der To-Do-Liste. Sollten die beiden „Doppelrenntage“ gelingen, wären die Alpinen wieder im Zeitplan. Der ist schon so kompliziert genug, wie Skaardal erklärte: „Es sind tatsächlich viele Probleme im Hintergrund. Quartiere, Tickets, Fernseh-Zeiten und so weiter“. Die Rennläufer selbst müssten deshalb auch mit Kompromisslösungen leben. „Das ist alles eine sehr, sehr schwierige Übung", sagte Skaardal. Er selbst hat es in seiner erfolgreichen Skiläufer-Karriere einmal erlebt, dass eine Ski-Weltmeisterschaft komplett ausgefallen ist. 1995 lag in der spanischen Sierra Nevada überhaupt kein Schnee, und die Fähigkeit zur Kunstschneeproduktion war noch nicht so ausgeprägt wie heute. Ein Jahr später konnte die Veranstaltung nachgeholt werden. Skaardal wurde Weltmeister im Super-G.

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Quelle: FAZ.NET
Achim Dreis
Sportredakteur.
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