Internes Papier beim DFB

Was wird aus Bierhoff und Hrubesch?

Von Michael Ashelm
 - 10:20
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Nach außen versuchen die Funktionäre des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein Bild der Einheit und des Aufbruchs zu vermitteln. Doch in der Organisation gärt es. Nicht nur, dass immer noch die Folgen des Sommermärchen-Skandals auf dem Verband lasten - mit weiterhin hohen finanziellen Risiken. Jetzt haben die eigenen Mitarbeiter dem DFB eine deutliche Abfuhr erteilt. Das geht aus einem internen Papier hervor, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Vor allem dürfte sich das Urteil wohl auf die Vergangenheit beziehen, aber auch für die neue Spitze um Präsident Reinhard Grindel ist das alles andere als gut. Es fehle an klarer Führung. Dass der DFB eine Strategie verfolge, sei nicht erkennbar, und der Reformeifer an der Spitze der Organisation sei mit Skepsis zu betrachten. Es herrsche eine mangelnde interne Kommunikation. "Aufsicht und Compliance reichen nicht aus", heißt es. Ungenügend ausgeprägt seien Risikomanagement und professionelle Standards.

Der Weltmeisterverband wird von der eigenen Mannschaft in der Frankfurter DFB-Zentrale zerpflückt. Die Ergebnisse stammen aus einer Mitarbeiterbefragung, die im April dieses Jahres stattgefunden haben soll. Unter dem Druck der Enthüllungen des im Herbst 2015 öffentlich gewordenen WM-Skandals war die Unternehmensberatung McKinsey engagiert worden, um die Schwächen der Organisation aufzudecken und für eine effektivere Struktur zu sorgen. Aus diesen Erkenntnissen heraus will der DFB seine Verwaltung umorganisieren - und dabei die Mitarbeiter einbinden und neu motivieren.

Der neue Generalsekretär Friedrich Curtius, vormals Büroleiter des gescheiterten DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, hatte die Mitarbeiter Mitte des Monats hinter verschlossenen Türen über die Einzelheiten der Veränderungen informiert und ihnen eine schriftliche Zusammenfassung auch zum Resultat der Befragungsaktion präsentiert. Die Überschrift: "Umschaltspiel". Darin enthalten war das neue Organigramm, aus dem jetzt abzuleiten ist, dass es zukünftig keinen Sportdirektor mehr geben soll. Was passiert mit Horst Hrubesch? Auch die Sonderstellung der Nationalmannschaft mit eigenem Büro und Manager wird danach aufgehoben. Welche Rolle wird also Oliver Bierhoff in Zukunft spielen? Auf Anfrage am Dienstag teilte der Verband nur mit, dass der Prozess zur Neuordnung laufe.

Selbstkritisch wird im internen DFB-Papier eingeräumt, dass Wunsch und Wirklichkeit bezüglich einer leistungsfähigen Organisation deutlich auseinanderlägen. Der Verband solle jetzt fit gemacht werden für die Zukunft, schreibt Curtius an die Kollegen. Dazu gehöre auch eine "vorbildliche" Governance. Dann werden die hauptamtlichen Mitarbeiter beschworen: "Entscheidend für den Erfolg der Neuausrichtung ist, dass jeder Einzelne von uns mit Zuversicht und vollem Einsatz dazu beiträgt, den geplanten Wandel in die Tat umzusetzen." Auf die Verantwortung der ehrenamtlichen Funktionäre, die weiterhin das DFB-System absolut dominieren, wird jedoch nur am Rande eingegangen. Und das auch noch widersprüchlich: Einerseits heißt es, das DFB-Präsidium bleibe "Steuerungsgremium" und die Vizepräsidenten sollten in die Abläufe der Zentralverwaltung "eingebunden" werden. Zugleich wird allerdings die "Aufsichtsfunktion" des Präsidiums hervorgehoben, die gestärkt werden solle. Die Kontrolleure kontrollieren sich also selbst. In größeren Unternehmen mit Vorständen, Management und Aufsichtsräten wird eine strikte Trennung der Organe angestrebt.

Die Liga, aus deren Reihen fünf Vertreter im DFB-Präsidium sitzen, hatte diese Struktur in den vergangenen beiden Jahren immer wieder kritisiert und eine Reform des Ehrenamts gefordert. Andere große Sportverbände in Deutschland haben mit der Modernisierung begonnen, erheben das ehrenamtliche Führungspersonal zu Aufsichtsräten und überlassen die Arbeit hauptamtlichen Mitarbeitern. Verändern will sich der DFB dennoch. Der Generalsekretär führt das Projekt.

Dafür soll in der Verbandszentrale mit den mehr als 200 Mitarbeitern vieles umgekrempelt werden. Von den sieben Direktoren unterhalb des Generalsekretärs bleiben vier übrig. Deren Bereiche nennen sich fortan Verbände, Vereine und Ligen, dann Nationalmannschaften und Fußballentwicklung, Öffentlichkeit und Fans sowie Finanzen und Interne Dienste. Vorstellbar wäre, dass der bisherige Nationalmannschaftsmanager Bierhoff, der allerdings noch dem Präsidium angehört, zum Direktor für Nationalmannschaften und Fußballentwicklung wird. Doch dafür müsste der in München ansässige Bierhoff in Frankfurt arbeiten - jeden Tag.

Unterhalb dieses Aufgabenbereichs sind drei Abteilungen vorgesehen. Die Leitung der DFB-Akademie, die nach dem aktuellen Gerichtsbeschluss endgültig auf dem ehemaligen Frankfurter Rennbahngelände gebaut werden soll, könnte weiterhin beim ehemaligen Hockey-Bundestrainer Markus Weise liegen. Die Position des Managements für alle Nationalmannschaften ist vakant. Genauso stellt sich die Frage, wer die Abteilung Sportliche Leitung Nationalmannschaften (darunter fällt ebenso das Frauen-Team) übernehmen soll. Diese Person stünde hierarchisch auch über Bundestrainer Joachim Löw. Der 66 Jahre alte Hrubesch, derzeit Sportdirektor, dürfte hierfür wohl nicht mehr zur Verfügung stehen.

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Noch sei die personelle Besetzung nicht in allen Einzelheiten geklärt, heißt es im DFB-Papier. Doch genannt wird die Präsidiumssitzung am 20. Oktober, zu der die vier Direktoren feststehen sollen. Alle anderen offenen Fragen würden bis zum Jahresende beantwortet werden. Das Vermarktungsgeschäft ist jetzt schon in der Verbandstochtergesellschaft DFB GmbH gebündelt. Diese wird gemeinsam vom bisherigen Marketingdirektor Denni Strich und Ulrich Bergmoser geleitet. Der ehemalige Unternehmensberater führt derzeit zugleich die Direktion Finanzen und Interne Dienste.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ashelm, Michael (ash.)
Michael Ashelm
Redakteur in der Wirtschaft.
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